| NEUNUNDZWANGZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 18.10.2020 |
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NEUNUNDZWAZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-10-18 KERNBOTSCHAFT: Die Entscheidung für Gott ist notwendigerweise eine Entscheidung für den Staat. Aber nicht umgekehrt. Die Unterscheidung ist eine stetige christliche Herausforderung. Die Gottesfrage ernst nehmen: Jesus hatte es nicht leicht mit der gesellschaftlichen Obrigkeit. Der religiöse Machtmissbrauch war sehr verbreitete. Gegen ihn kämpften aber auch schon die Propheten, ganz besonders Amos, Jeremia und Ezekiel. Die Frage der Steuerzahlung an den Kaiser war nur ein Symptom der herrschenden Spannung zwischen den Judenchristen*innen und dem Staat. Im Römischen Reich wurde ja Julius Caesar mit „HERR“ (KYRIOS) begrüßt. Erinnert uns dieser Gruß vielleicht an „Heil Hitler“ im Nationalsozialismus? Die Juden*innen und die Judenchristen*innen wussten jedoch, dass dieser Hoheitstitel Gott allein vorbehalten war. An der Frage der Steuerzahlung sollte sich also diese Spannung zuspitzen. Nun kommen die Pharisäer (die religiösen Gesetzeshüter) und stellen Jesus eine Falle. Die Ambivalenz ihrer scheinbar harmlosen Frage ist mehr als deutlich. Wie steht nun Jesus, der sich als Sohn Gottes ausgibt zu der absoluten Souveränität Gottes gegenüber dem Kaiser (dem Staat)? Und: Ist Jesus ein Aufwiegler, wie später in seiner Anklageschrift stehen wird? In dieser hinterlistigen Situation bleibt sich Jesus jedoch ganz treu. Er, dem sehr viel an der Selbstwerdung des Menschen liegt, spielt in seiner Antwort den Pharisäern die Unterscheidungsfähigkeit zu: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört.“ Schwestern und Brüder, die Antwort Jesu ist die größte Herausforderung unserer gegenwärtigen Weltzeit. Es geht um die Gottesfrage. Meine Entscheidung für Gott müsste notwendigerweise das Wohl des Staates fördern können. Dazu gehört, dass ich eine Steuerhinterziehung vermeide. Dennoch nicht umgekehrt. Unrechtssituationen können auch vom Staat ausgehen. Darum finde ich diesen Satz des damaligen Kardinals Josef Ratzinger und späteren Papstes Benedikt XVI. sehr bemerkenswert: „Zur Kirche gehört es, nicht Staat oder Teil des Staates, sondern Überzeugungsgemeinschaft zu sein“ (1993, 23-24). Gott hat seine ureigene Möglichkeit, um Gutes zu wirken: Unsere erste Lesung unterstreicht die Brisanz der Gottesfrage für uns. Das Unwahrscheinliche, das Unerwartete kann ein Werkzeug Gottes sein für etwas Gutes. Unser Gott ist eben ein Gott der Überraschungen. Sein Heilsplan für uns und für die Menschheitsfamilie übersteigt unser Denken und unsere Vorstellung. Die Geschichte kann uns immer wieder eine heilsame Orientierung gewähren. „Als das Volk Israel von 597 bis 538 v. Chr. im Exil in Babylon schmachtete, fügte Gott die Weltgeschichte so, dass er den Perserkönig Kyros II. (559-530) >>berief<<, das Volk Israel aus der Knechtschaft zu befreien, indem er Babylon eroberte und die Israeliten in ihre Heimat entließ“ (TD, Okt. 2020). Dieses Geschichtserlebnis wurde wieder einmal zum >>Archetypus<< ihrer Gotteserfahrung. Was können wir daraus lernen? Dass der Gott, an den wir glauben und den wir anbeten, ein befreiender Gott ist, ein Erlöser-Gott. Der Apostel Paulus freut sich für seine Gemeinde von Thessaloniki, dass ihre Mitglieder im Glauben an diesen Gott leben und wirken. Möge sich unsere eigene Beziehung zu diesem Gott immer mehr vertiefen. |
| ERSTKOMMUNION: 18.10.2020 |
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ERSTKOMMUNIONFEIER IN STARCHANT: 2020-10-18 LEITGEDANKE: „Gottes Nähe spüren“ Sehnsucht nach Nähe: Liebe Erstkommunionskinder! Sosehr habt ihr euch nach diesem Tag gesehnt! Schon vor FÜNF Monaten hätten wir dieses wunderschöne Fest mit euch gefeiert (am 10. Mai). Die Gefahr des Coronavirus war aber allzu groß. Heute können und dürfen wir uns mit euch vom Herzen freuen! Ihr seid heute umgeben von Menschen, die euch ganz liebe haben. Ihr spürt ihre Nähe. Das tut ganz gut. Menschliche Nähe tut uns allen gut. Vielleicht nicht immer. Leider kommt es auch vor, dass Menschen, die sich nahestehen auf einmal sagen: „Den / Die kann ich nicht mehr riechen!“ Das ist aber schon eine Ausnahme. Denn allgemein ist die Nähe eines Menschen, der uns mag, ein großer Segen, ein großes Geschenk. Und nun verrate ich euch ein großes Geheimnis: ALLE Menschen dieser Welt haben eine große Sehnsucht nach Nähe. Menschliche Nähe macht uns Mut. Wenn deine Mama oder dein Papa in deiner Nähe ist, fühlst du dich wohl; du brauchst keine Angst zu haben. Gottes Nähe macht uns stark und erfüllt uns mit Freude: Liebe Erstkommunionskinder! Du fühlst dich sicherlich wohl und stark, es macht dir Mut, wenn deine Mama oder dein Papa oder ein Mensch, der dich gern hat, zu dir sagt: >>Ich bin für dich da<<. Das gilt aber nicht nur für Kinder, sondern genauso für die Erwachsenen. Nun könnt ihr euch vorstellen, was es für uns bedeutet, wenn Gott für uns da ist. Davon erzählt uns aber die ganze Bibel. Gott ist für uns Menschen da. Wie wissen wir aber, dass Gott für uns da ist? Können wir Gottes Nähe wirklich spüren? Gottes Nähe zu spüren, ist wirklich nicht immer leicht, aber er ist immer da. Ich habe mir eure Antworten auf diese Frage genau angesehen und die haben mir sehr gut gefallen. Da habt ihr gesagt: Ich spüre Gottes Nähe, „wenn wir uns nach einer schwierigen Situation doch sehr wohl fühlen“; „wenn wir das GEFÜHL haben, Jesus ist bei uns“; „wenn wir draufkommen, Jesus ist noch immer bei uns, obwohl wir das gar nicht gewusst haben“; „weil Jesus so nett ist“; „weil wir uns so gut verstanden fühlen von Jesus“. Ich möchte eure Ansichten ergänzen und euch sagen, wie ich glaube, dass wir Gottes Nähe spüren können: Wenn uns etwas ganz tief berührt; wenn ein Mensch ein Wort zu mir spricht, das mir sehr nahe geht; wenn jemand mir etwas ganz Persönliches anvertraut, wovon alle anderen keine Ahnung haben. Da habe ich noch andere Erfahrungen: Wenn ich vom Staunen über den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang nicht wegkommen kann; wenn mich eine wunderschöne Blume anspricht und ich von Freude erfüllt bin; wenn ich in Stille verweilen kann und nach her mich so frei fühle. JESUS selber hat uns aber auch gezeigt, wie wir Gottes Nähe sehr stark spüren können: in den leidenden Menschen, ob sie nun Hunger leiden oder obdach- und heimatlos sind, ob sie nun im Gefängnis oder ausgegrenzt oder krank sind. In allen diesen Menschen will uns Gott ganz nahe sein. Denn Gott hat auch ein menschliches Gesicht. Vielleicht bittest du Gott im Gebet darum, dir zu helfen, damit du seine Nähe in vielen Situationen spüren kannst. Das Gebet kann uns nämlich eine große Hilfe dazu sein. Das schönste Gebet ist aber die Eucharistiefeier, bei der wir Jesus als Nahrung und Liebe empfangen. |
| 20. FATIMA MONATSWALLFAHRT: 13.10.2020 |
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20. FATIMA MONATSWALLFAHRT: 2020-10-13 LEITGEDANKE: „Mit Maria die Stunde des göttlichen Wohlwollens erkennen“ Die einmalige Zeit: Es gibt im Leben und im Glauben die willkommene Zeit. Carpe diem! So hört sich es oft an. Ein neurhythmisches Lied heißt in Anlehnung an das Endgericht im 25. Kapitel des Matthäusevangelium „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde; heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.“ Am Anfang dieses Kapitels des Matthäusevangeliums heißt es ebenfalls: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde“ (Mt 25,13). Häufig täuschen wir uns mit dem Gedanken einer durchdachten Lebensplanung. Unterschiedliche Lebenssituationen lehren uns jedoch etwas Anderes. Natürlich machen wir uns Gedanken, wie wir unser Leben als Singles und als Familien besser gestalten können und könnten. Dessen ungeachtet, finde ich, dass es im Leben vor allem darum gehen sollte, die innere Bereitschaft und Offenheit stets zu wahren, um auf vieles Unverhofftes reagieren zu können. Denn jeder Augenblick im Leben enthält eine bestimmte Botschaft, die uns meint, die uns unbedingt angeht. Bei vielen Menschen hierzulande scheint es mir, dass das Bewusstsein für den Geschenkcharakter des Lebens weitgehend verlorengegangen ist. Gerade ein solches Bewusstsein gehört jedoch unabdingbar zum Wesen des christlichen Glaubens. Sein Verlust hängt meiner Ansicht mit dem fortschreitenden Schwund des Glaubens eng zusammen. Bei mir ist es so, dass in bestimmten Situationen mir immer wieder dieses Lied in den Sinn kommt – und ich singe es auch: „Wechselnde Pfaden, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht (GL 894).“ Gnade ist aber ein Geschenk Gottes ohne Gegenleistung. Die kann uns auch in scheinbar ausweglosen Situation widerfahren. Das weitverbreitete Sprichwort „Gott gibt den Seinen im Schlaf“ könnte auch unser Gottvertrauen fördern. Auf Maria schauen: Ich finde es wichtig, dass wir wie Maria und mit ihr lernen, die Stunde des göttlichen Wohlwollens zu erkennen. Es kann gerade dieses göttliche Wohlwollen in einer Stunde oder in einer Situation stecken, ohne dass wir es spüren und erkennen. Es kann eine Situation sein, die uns überfordert und verunsichert. Da haben wir schon Maria, durch die Gott in diese Welt gekommen ist. Klingt ganz schön! Für Maria jedoch nicht! Verwirrt über die Anrede und die Botschaft des Engels Gabriel, zögerte sie, rang sie mit ihrer unglaublichen Sendung: Mutter des Erlösers zu werden. Sie willigte aber dann ein. Das ist Gottvertrauen. Ja, Gottvertrauen ist nicht so leicht, wie manche denken. Das Wunderbare bei Maria aber war, dass die Stunde ihres Zweifels zur Stunde der Zustimmung geworden ist, und zwar zu einer Stunde, in der sie tiefe Erfüllung erlebte und zugleich für die Menschheit zum Segen geworden ist. Wir lernen fürderhin von Maria, dass wir im Zweifel nicht tiefer fallen können als in Gottes Arme. Gute Beispiele von solchen schwierigen Situationen gibt es zuhauf in der Bibel, aber zwei mögen uns heute genügen: Da ist Jakob, der mit Gott ringt und eine Hüftenverletzung bekommt. Er wird trotzdem am Ende gesegnet. Von den Jungfrauen können wir aber auch lernen, dass Gott ein Gott der Überraschungen ist; dass wir offen sein sollen für die Dinge, die anders sind. Wir sollten in jeder Situation wachsam sein, denn Gott hat uns etwas Wesentliches zu sagen. |
| ACHTUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 11.10.2020 |
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ACHTUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-10-11 KERNBOTSCHAFT: Gott will, dass viele Menschen an dem Leben teilnehmen, das er in Jesus Christus offenbart hat. Bilder des Lebens sind Bilder des Glaubens: Das Buch des Propheten Jesaja ist voll von Bildern, die oft surrealistisch klingen. Es sind jedoch Bilder des Lebens aus der Sicht Gottes. Es sind Bilder, die konkrete Wirklichkeit werden, sobald sich die Menschen vorbehaltlos auf Gott einlassen. Es ist nicht nur ein schönes Bild, davon zu träumen, es möge gut und immer besser gelingen, dass sich die Völker zu einem gemeinsamen Tisch setzen. Es ist darüber hinaus eine Überlebensnotwendigkeit für die Menschheitsfamilie, dass ein solcher Tisch immer mehr entsteht und zur Gewohnheit wird. Ein solcher Tisch würde viele Übel in unserer Welt beenden. Die Tränen werden weniger. Verzweiflung und Verzweiflungstaten werden systematisch aufhören. Stellen wir uns eine solche Welttischgemeinschaft in einer globalisierten Welt vor! Lesbos und Moria, der Sklavenmarkt in Libyen werden der Vergangenheit angehören. Die Abertausende, die im Mittelmeer untergegangen sind, hätten eine Brücke der Mitmenschlichkeit gefunden, eine Herzensbrücke. Aber es gibt doch gerade diese Trotzdem-Hoffnung! Eine Gruppe von Menschen hat diese Hoffnung in eine konkrete Realität umgesetzt. Die Aktion, >>Römischer Tische ohne Mauern<<, die 2018 erstmals in Rom stattfand, wurde vom italienischen Verband christlicher internationaler Freiwilligendienste organisiert. Ihre Sprecherin sprach voller Freude zu den Medien: "Wir haben den römischen Tisch ins Leben gerufen, um zu sagen, dass Rom aufnehmen und integrieren kann, Zusammenleben und Austausch von Sprachen, Essen, Traditionen und Erlebnissen möglich sind, ohne jemanden auszuschließen.“ Ja, wer Jesus Christus wirklich nachfolgt, muss nicht nur an eine solche Welttischgemeinschaft glauben, sondern wird sich dafür begeistern und einsetzen. Erst- und Zweit-Eingeladenen: Schwestern und Brüder, das Gleichnis Jesu am heutigen Sonntag geht uns alle etwas an. Erwählung und Berufung haben mit Verantwortung zu tun. Jesus spricht uns allen eine Warnung aus: Es genügt nicht, dass wir schon sehr lange in der Kirche sind und zur Kirchengemeinschaft gehören. Wir müssen selber Kirche sein. Ekklesia bedeutet ja dem Wortstamm nach die >>Herausgerufenen<<. Diese Ausrufung hat ein Ziel: Gott in dieser Welt gegenwärtig zu halten. Diese Welt im Sinne Gottes zu gestalten. Schön ist es, wenn wir die Einladung des Königs in unserem Gleichnis annehmen. Liebe Eltern unseres Täuflings! Helft eurem Kind nicht nur lernen, wie es an dieser Welttischgemeinschaft teilnehmen kann, sondern weit darüber hinaus, wie es diese aktiv mitgestalten kann – kraft des Glaubens an Jesus Christus. |
| SECHSUNDZWANZIGSTER SONNTAG (A): 27-09-2020 |
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SECHSUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-09-27 KERNBOTSCHAFT: Das Gute, das wir tun, ist für immer in Gottes Barmherzigkeit gut aufgehoben. Ringen mit den Leben: Oft denken viele Menschen, dass es nur im Angesicht gravierender Leidenssituationen oder erschütternder Tragik, dass große Kämpfe mit dem Leben ausgefochten werden. Mir scheint es nicht genau so zu sein. Jeden Tag haben Menschen – auch wir – unterschiedliche Kämpfe mit unterschiedlichen Gewichten auszutragen. Viele und manche Entscheidungen sind einfach nicht leicht zu fällen. Sie kosten Nerven und Schlaflosigkeit. Viele Fragen beantworten wir vielleicht viel leichter. Es gibt jedoch wieder andere Fragen, mit deren Beantwortungen wir uns nicht leicht tun. Es sind oft Gewissensfragen. Was und wie auch immer, es gibt einfach die Ambivalenz der Entscheidungen. Nur: Wir müssen uns immer wieder entscheiden! Vielleicht deshalb sollten wir es nicht verabsäumen, die Haltung der Dankbarkeit zu entwickeln und zu üben, wenn ein Mensch zu uns Ja sagt. Ein Nein kann eine Kränkung bedeuten, weil es einen Moment der Ablehnung enthält. Ein Nein ist jedoch manches Mal sogar notwendig, weil wir uns dadurch selbst beschränken. Wir setzen uns auch durch ein Nein Grenzen, die wir nicht mehr überschreiten können oder wollen. Das ist nun einmal der eine Gesichtspunkt, der mir im Zusammenhang mit der ersten Lesung und mit dem Evangelium eingefallen ist. Überschattet das Böse, das von uns ausgeht das Gute, das wir tun? : Ich muss einbekennen, dass ich mich nie mit dieser Bibelstelle aus dem 18. Kapitel des Buches Ezechiel zurechtgefunden habe. Ich werde auch nie vergessen, welches Streitgespräch ich diesbezüglich mit meinem zweiten Bischof in Nigeria geführt habe. Ein Priesteramtskandidat, der für sein weiteres Studium in Rom vorgesehen war, sollte entlassen werden, weil er in einem Prüfungssaal manchen Studenten geholfen hat. Vor diesem großen Verstoß war er allerdings sehr bekannt für seine Anständigkeit. Ich wollte nicht glauben, dass der Bischof ausgerechnet mir diese heutige Bibelstelle zitiert hatte, weil er sich disqualifiziert habe für das Priesteramt. „Wenn ein gerechter sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut, muss er dafür sterben.“ Ich weiß, dass es beim Gericht die sogenannten >>mildernden Umstände<< gibt. Wieso denn gerade nicht in der Glaubenssache? Wieso denn nicht bei Gott? Ich kann mich auf jeden Fall mit dem zweiten Teil dieses Ja-Nein-Verhältnisses anfreunden: „Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.“ Dieses Gottesbild ist heilsam! Dieses Gottesbild motiviert! Zugleich dürfen wir auf keinen Fall die Warnung Jesu im Evangelium verharmlosen. Seine Warnung ist im Grunde genommen ein wahres Evangelium, eine Frohe Botschaft. Jesus geht es darum, dass wir unserem einmal gegebenen Ja-Wort treu bleiben, dass es ist unsere Rettung. Jesus liegt wenig daran, dass wir verloren gehen. Denn er ist der gute Hirt. Der Apostel Paulus lädt uns dazu ein, in der Gesinnung Jesu zu leben, in der Selbsthingabe. |
| FÜNFUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS_2020.09.20 |
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FÜNFUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-09-20 KERNBOTSCHAFT: Gottes Gerechtigkeit ist nicht von seiner Unbegreiflichkeit zu trennen, aber auch nicht von seiner Barmherzigkeit und sie meint den Menschen in seiner konkreten Lebenssituation. Der Glaube an Gott ist die schönste und zugleich die schwierigste Schule unserer Lebensentfaltung: Unser Leben ist kein besonderer Freund der Prognosen. Unser Leben ist vielmehr eine Schule des Vertrauens. Stellen wir es uns vor, wie viele Menschen wie oft bestimmte Bilderrahmen angefertigt haben und wollen, ja, erwarten sich, dass Menschen, ihre Ideen und Pläne wie angegossen hineinpassen. Da graben wir uns aber eine tiefe Grube der Enttäuschung und der Depression, von der wir nicht mehr leicht aussteigen würden können. Unsere Lebensprognosen und Erwartungen können sich als unsere schlimmsten Feinde entpuppen! Deshalb finde ich, dass der Prophet Jesaja uns in der ersten Lesung eine Tür zum Raum der Freiheit öffnet. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“ Schwestern und Brüder! Ich spüre aus diesem Text heraus etwas von der Weite und von der Unbegreiflichkeit Gottes. Ich höre eine Ermahnung zur Bescheidenheit heraus. Vor allem spüre ich Gottes Nähe und seine unverfügbare Liebe zu mir und zu allen Menschen guten Willens. Der Apostel Paulus sagt uns jedoch in seinem Brief an die Gemeinde von Philippi, welche Erwartung und welche Hoffnung wir immer haben können und dürfen: Dass wir stets in das Leben Jesu Christi hineinwachsen, damit er in unserem Leben und durch unser Tun >>verherrlicht<< wird. Wie wird aber Jesus in unserem Leben >>verherrlicht<<? Indem wir offen sind für seinen Geist und uns von seinem Wort prägen lassen. Christliche Freiheit ist erlernbar: Woran merken wir, dass wir vom Wort Gottes, vom Geist Jesu Christi, geprägt werden? Wenn wir in unserem Leben Raum schaffen, damit Gott uns seinen Weg zeigt, den er in Jesus Christus aufgezeichnet hat; den Weg des Glaubensgehorsams: „Nicht wie ich will, sondern dein Wille soll für mich geschehen“, betete Jesus im Garten von Getsemani. Ähnlich sprach auch Maria: „Fiat voluntas tua!“ – Dein Wille geschehe! Aus der Sicht unseres heutigen Evangeliums heißt es, dass ich mich darauf verlassen darf und soll, dass die Stunde Gottes auch für mich schlagen wird. Gott weiß um mich und um dich und kommt uns in unverhofften Situationen mit seiner Liebe, mit seiner Barmherzigkeit zuvor. Es heißt, dass von Gott her keine Stunde als >>zu spät<< zu bezeichnen ist. Es ist der Grundtenor der gesamten Bibel, dass Gott sich in seiner Liebe dem Menschen bedingungslos zuwendet. Auf diese Hoffnung, auf diese Zuversicht, können wir jeden Tag bauen. Dabei widerspricht es unserem Glauben, dass wir darauf schielen, was Gott mit seiner Barmherzigkeit, mit seiner Güte für andere tut. „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Gott kennt meine Sehnsucht, aber auch meinen Zweifel, ja, sogar meine Verzweiflung. Er behält sich aber die Stunde meiner Rettung vor. Ich verdiene mir seine Liebe nicht. Sie ist reines Geschenk. Was Gott von mir erwartet, ist das Vertrauen. |
| VIERUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS_2020.09.13 |
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VIERUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-09-13 KERNBOTSCHAFT: Unser Glaube an Gott bedeutet, dass wir unseren Maßstab an ihm nehmen, zumal wenn es um Gerechtigkeit und Barmherzigkeit geht. >>Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.<< (Friedrich Schiller, 1759-1805): Der Dramatiker Friedrich Schiller lebte vor 2015 Jahren, dennoch haben seine Worte nichts an Bedeutung verloren. Das Zusammenleben kann ein großer Segen sein. Es kann sich aber auch zu einer Hölle entwickeln. „Üble Nachrede, Streit und Zank vergiften so oft die Beziehungen zwischen Menschen“ (TD, Sept. 2020). Heute setzt sich das Schwerpunktthema des vergangenen Sonntags fort: die Vergebung. Groll und Zorn sind ganz menschlich, aber diese Emotionen können uns selber und den Mitmenschen zerstören. Darum warnt uns das Buch Jesus Sirach: „Auch diese sind Gräuel und ein sündiger Mann (Mensch) hält an ihnen fest.“ Die Widersprüchlichkeiten in unserem religiösen Leben sollen uns bewusst werden: „Ein Mensch verharrt gegen einen Menschen im Zorn, beim Herrn aber sucht er Heilung?“ (TD, Sept. 2020). Wovor wir unsere geistigen Augen verschließen, kann uns den Himmel kosten. Denn die Frage, wie wir am Ende unseres Lebens unserem Schöpfergott begegnen möchten, kann uns nicht gleichgültig sein. Die Ermahnung sollen wir deshalb sehr ernst nehmen: „Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft, denk an Untergang und Tod und bleib den Geboten treu! Denk an die Gebote und grolle dem Nächsten nicht, denk an den Bund des Höchsten und übersieh die Fehler!“ (TD, Sept. 2020). Gottes Liebe und Barmherzigkeit sind unser Maßstab: Petrus hat Jesus eine in seinem Herzen brennende Frage gestellt, die auch uns in unserem Zusammenleben betrifft. „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder (meiner Schwester, Anm.) vergeben, wenn er (sie) gegen mich sündigt? Bis siebenmal?“ Jesus gibt ihm eine bildliche Antwort aus dem Alltag: Ein Knecht eines Königs bekommt seine Schulden von zehntausend Talente erlassen, weil er den König darum anfleht. Seinem Mitknecht, der ihm aber viel weniger schuldig ist – hundert Denare – packt er an und würgt ihn. Diese Ungerechtigkeit ist nicht nur nicht in Ordnung in den Augen der Mitmenschen, sondern sie ist darüber hinaus eine Sünde gegen Gott. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Wer meint an Gott zu glauben, muss seinen Maßstab an Gottes Liebe und Barmherzigkeit nehmen. Wir lernen: „Vergebung und Barmherzigkeit führen uns auch hinein in das Geheimnis Gottes, dem Liebhaber des Lebens. Von Gott lernen, heißt >>leben lernen<<!“ (TD, Sept. 2020). Ich möchte gern, dass wir meine Predigtimpulse mit einem Lied aus dem Gotteslob gemeinsam zusammenfassen, ich singe vor und ihr antwortet mit dem Refrain: Gotteslob Nr. 815,1-2). |
| DREIUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS_2020.09.06 |
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DREIUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-09-06 KERNBOTSCHAFT: Verzeihung/Versöhnung/Vergebung ist ein privilegierter Ort der Gotteserfahrung sowie der vorbildhaften christlichen Verkündigung. Was uns nährt: (Liebe Kinder!). Um wirklich Mensch zu sein, brauchen wir viele Dinge, ohne die wir nicht sein können. Sie sind materiell, aber nicht nur. Es gibt auch die geistigen Nahrungen, die wir nicht immer gut beachten. Ich denke da an gute Familienverhältnisse, gute Freundschaften und Bekanntschaften, gute Gespräche; ich denke an die Liebe. Die Liebe, die wir empfangen und die die Liebe, die wir selbst geben. In der Lesung heißt es deshalb: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wir dich selbst.“ Der Theologiegelehrte Augustinus hat einmal geschrieben: „Liebe und tu, was du willst!“ Deshalb finde ich den letzten Satz in unserer heutigen Lesung sehr aufschlussreich und erfreulich: „Also ist die Liebe die Erfüllung von all dem, was Gott den Menschen als Gebote gibt, damit sie alle die von ihm geschenkte Freiheit leben können.“ Die Liebe macht uns freier und glücklicher! Geben wir uns jedoch keiner Illusion! Es gibt auch Verletzungen, ja, sogar tiefe Verwundungen in Familien, Bekanntschaften und Freundschaften. Tiefe Wunden heilen sehr schwer. Verwundungen heilen durch Verzeihung, Versöhnung und Vergebung. Auch sie sind nicht leicht zu erreichen. Weil Vergebung sehr schwierig ist, ist sie ein besonderer Ort der Erfahrung Gottes. Das Leitthema dieses Familiengottesdienstes sagt es uns ganz klar: „Gott ist da, wenn’s schwierig ist.“ Wenn wir die Vergebung üben, sind wir mit Gott ganz besonders verbunden. Die Anweisung Jesu persönlich und ernst nehmen: Liebe Kinder, Schwestern und Brüder in Christus! Wir hörten im Evangelium die Lehre und die Anweisung Jesu. Er wusste, wie schwierig die Vergebung oder Verzeihung in Beziehungen ist. Sie ist keine leichte Sache; sie kostet Kraft und Überwindung. Wieso denn? Wenn uns etwas verletzt, dann geht es um etwas, worauf wir nicht und niemals verzichten dürfen: unsere Würde als Menschen. Es ist diese Würde, das uns Gott ähnlich macht. Trotz der Schwierigkeit, will Jesus, dass wir uns bemühen, zu verzeihen, zu vergeben. Was soll aber geschehen, wo ein Mensch seine Schuld nicht einsieht? Das sagt uns Paulus in seinem Brief an seine Gemeinde von Rom: „Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe!“ Was passiert aber, wenn wir verzeihen und vergeben? Es sind vier Dinge: Wir erneuern das Gottesbild in uns; wir helfen anderen, dass sie freier werden und leichter leben; wir befreien uns selbst aus dem Gefängnis der Unbeweglichkeit unseres Geistes; und, wir werden zu Botschafterinnen und Botschaftern des Friedens, zu Botinnen und Boten des heilenden Wortes Gottes, das uns in Jesus Christus nahe ist. Suchen wir doch deshalb unermüdlich die Nähe zu Jesus Christus! |
| ACHTZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 02.08.2020 |
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ACHTZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-08-02 Bibelstellen: Jes 55,1-3; Röm 8,35.37-39; Mt 14,13-21 KERNBOTSCHAFT: Wir teilen die Überzeugung und das Handeln Jesu: das Wenige ist genug für alle. Wir Christinnen und Christen müssen das soziale Gewissen unserer Gesellschaft bleiben: Der große Kontrast zwischen der Grundhaltung Jesu und der seiner Apostel könnte nicht deutlicher sein. „Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!“ Dieses Denken ist Standard. Ich finde jedoch, dass wir als Christinnen und Christen das durchschnittliche Denken und Handeln immer zu hinterfragen haben. Es gibt Lösungen, die keine sind, sondern vielmehr eine verschleierte Vermeidungsstrategie. Es scheint mir, als wollte Jesus zu seinen Aposteln gesagt haben: „Ihr habt euch offensichtlich über die Situation dieser Menschen noch nicht genug Gedanken gemacht; ihr habt euch noch nicht genug angestrengt. Wie kommt ihr zu der Vorstellung, ihr könnt diese vielen Menschen in ihrem großen Hunger wegschicken? Es ist doch genug da für alle!“ Das Faszinierende für mich ist, dass Jesus, dessen Leben in Gefahr war, die Not der anderen dennoch hat sehen können. „In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück.“ „Gebt ihr ihnen zu essen!“: Jesu Intervention ist der Handlungsimperativ für die Kirche und in der Kirche. Denken wir an die unermüdlichen Einsätze der Caritas! Ich habe eine unbeschreibliche Freude an die Aktivitäten von Menschen wie Helmut Schüller, Franz Küberl, Christoph Schweifer und Michael Landauer, die an den vordersten Fronten bei der weltweiten Armutsbekämpfung sind. Ich stelle allzu gern eine Frage im Kontext der Jesu Intervention: „Kann diese revolutionäre Einstellung Jesu auf das spannungsgeladene Nord-Süd-Gefälle in unserer Welt angewandt werden? Meine Antwort: Durchaus! Irgendwie haben sich allzu viele Menschen im Westen der angstbesessenen Einseitigkeit der neoliberalen multinationalen Konzerne angeschlossen, dass die sogenannte >>Übervölkerung<< das größte Problem der gegenwärtigen Menschheitsfamilie darstelle. Es wird viel zu oft die Frage gestellt: „Kann die Landwirtschaft die wachsende Bevölkerung unserer Welt in Zukunft noch ernähren?“ (TD, Aug. 2020). Jesus jedoch konterkariert diese verkehrt gestellte Frage! „Die Sorge ist berechtigt im Blick auf die Hungergebiete, die wegen anhaltender Dürre nicht mehr genug Nahrungsmittel bereitstellen können. Auf der anderen Seite werden Tag für Tag tonnenweise Lebensmittel aus Geschäften und Haushalten in den Müll geworfen.“ (TD, Aug. 2020). Aus der Haltung Jesu lernen wir, dass es oft das Individuum braucht, damit Gutes geschehen kann. Ja, wir dürfen das Potential eines Individuums niemals unterschätzen! Unsere Welt wartet mit ungezählten diesbezüglichen positiven Erfahrungen auf, dass das Individuum immer wesentliche Veränderungen anstoßen kann. Gut wäre es darum, würden wir uns selbst immer mehr zutrauen. Jesus, der weiß schon und gibt uns die Garantie, wie er unseren guten Willen und unsere Anstrengungen bestärken kann. |
| SIEBZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 26.07.2020 |
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SIEBZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-07-26 KERNBOTSCHAFT: In gravierenden Entscheidungssituationen brauchen wir ein >>hörendes Herz<<, das in der persönlichen Beziehung zu Gott verankert ist. Ansatz für Glücksforschung nach der Bibel: In den Buchhandlungen türmen sich meterhoch Bücher zum Thema „Glück“. Jenseits der „Glückswelle“ erhalten wir jedoch heute eine Sinnalternative zur echten Lebenserfüllung. „Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein…Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!“ Ich möchte mit euch über diesen Abschnitt unserer ersten Lesung nachdenken. Was und wo ist in unserem Alltag der >>Sitz im Leben<< für dieses wichtige >>hörende Herz<<? Ich lasse die Meuchelmorde in der Familie des großen Königs David nach seinem Tod beiseite und greife den Großwunsch seines Sohnes und Nachfolgers Salomo auf. “Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt”. Menschen können in unterschiedliche Entscheidungssituationen kommen, die sie überfordern. Sie brauchen einen existenziellen Kompass, der ihnen die richtige, moral-ethische Richtung zeigt. Manche, wie Viktor E. Frankl, nennen diesen inneren Kompass das Gewissen. Heute heißt er für uns das „hörende Herz“. Gerade ein König, der nach dem Schweizer Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung im Volk stets einen >>Überblick<< zu bewahren hat, braucht als seine besondere menschliche Ausstattung ein >>hörendes Herz<<. Denn das >>hörende Herz<< ist nicht von der >>Sprache des Herzens<< zu trennen. In fünf Tagen werden es 78 Jahre sein, dass der französische Schriftsteller und Weltflieger Antoine de Saint-Exupéry gestorben ist und er wäre am 29. Juni dieses Jahres 120 gewesen. Ein Sinnspruch aus seinem weltberühmten Buch „Der kleine Prinz“ ist dennoch unzähligen Menschen ans Herz gewachsen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche ist für die Augen verborgen.“ Wir erkennen auf Anhieb die Parallele zum >>hörenden Herzen<< des Königs Salomo. Konkret heißt es, dass unser Herz allemal die spirituelle Brücke zu unseren Mitmenschen ist. Wie stark unsere Beziehungsbrücken zu den Menschen sind, hängt wesentlich davon ab, welches Herz in uns schlägt. Es könnte das Herz der Besserwisserei sein oder aber auch das der Lernbereitschaft. Die Beziehungsbrücken zwischen den Völkern stehen unter den gegenwärtigen Weltverhältnissen gerade nicht fest, weil wir die Diagnose kennen: Weltherzerkrankung. Auf Jesus hören und auf seine Worte bauen: Ich erkenne eine wunderbare Gedankenbrücke zwischen der Bitte des Königs Salomo und den Gleichnissen Jesu im Evangelium: Führungspersonen in der Politik, in der Wirtschaft, und nicht zuletzt in den Kirchen brauchen das >>hörende Herz<<, um die Menschen gut zu verstehen, die sie führen. Für mich gleicht dieses >>hörende Herz<< dem „Schatz, der in einem Acker vergraben war.“ Der muss entdeckt werden für das Gemeinwohl! Das >>hörende Herz<< gleicht „einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte und fand“; er gab alles auf, um die wertvollste Perle zu haben. Das >>hörende Herz<< gleicht aber auch „dem Netz, das ins Meer zum Fischfang ausgeworfen wurde.“ Es ist nämlich das >>hörende Herz<<, das weiß, die guten Fischen von den schlechten zu unterscheiden. Ich finde auch, dass geradezu dieses >>hörende Herz<< mit unserem inneren Garten in Verbindung steht; es ist dem inneren göttlichen Kind in uns zugewandt. Ich verbinde gern das Bild des >>göttlichen Kindes<< in uns mit einem auf dem Marktplatz verlorengegangenen Kind, welches im Wirrwarr der vielen Stimmen plötzlich die Stimme seiner Mutter hört und erkennt. Da wird die ganze Welt wieder in Ordnung; in diesem Augenblick stellen sich Ruhe, Frieden, Sicherheit und Geborgenheit ein. All das steckt doch in allen drei Gleichnissen Jesu heute im Evangelium – für unsere Grundorientierung. |
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Jungschar & Minis