25. MONATSWALLFAHRT IN FATIMA: 2021-08-13

25. MONATSWALLFAHRT IN FATIMA: 2021-08-13

MOTTO UND KERNBOTSCHAFT: Mit Maria loslassen lernen

„Groß sein lässt meine Seele der Herr, ER ist mein Retter“: Dieses Lied habe ich ein bisschen umgewandelt und ist nicht nur schwungvoll. Der Schwung in ihm bringt darüber hinaus zum Ausdruck, was der echte Glaube an Gott mit und aus uns macht, was in unserer persönlichen Begegnung mit Gott in der Tat geschieht. Gott lässt in einer Begegnung und in einer persönlichen Beziehung zu ihm unsere Seele groß werden. Diese Wahrheit vermittelt uns ganz besonders Maria im Magnifikat – das Loblied ihrer von Gott tief berührten Seele: „Meine Seele preist die Größe des HERRN … Er lässt die Reichen leer ausgehen.“ Das sind Menschen, die von sich eingenommen sind.

Aspekt einer zeitgemäßen marianischen Spiritualität für ein gelingendes Leben in unserer Zeit: Für nicht wenige Menschen ist die Marienverehrung eine >>alte<< Tradition, die den >>modernen<< Menschen nicht mehr viel zu sagen hat. Was heißt es aber, >>modern<< zu sein? Es geht um die Frage, ob Maria, die Mutter Jesu, uns in der gegenwärtigen Zeit etwas Besonderes für unser Leben zu sagen hat. Meine Antwort ist unzweifelhaft ein großes JA! Sie kann uns Wunderbares sagen in unserer persönlichen Beziehung zu Gott. Es geht bei diesem Wallfahrtsgottesdienst um eine nicht viel beachtete Tugend des Loslassens. Loslassen von Menschen, von Vorstellungen, von Gewohnheiten, vom Besitz, und nicht zuletzt von uns selbst. Gerade das Loslassen schafft Raum für Neues, für Besseres, für etwas Größeres, ja, für etwas Höheres. Denn unser wahres Menschsein besteht darin, dass wir uns beständig überschreiten. Wir wissen aber schon, wie schwer das Loslassen sein kann. Sie bedeutet eine große Anstrengung. Es lohnt sich jedoch, denn dadurch bekomme ich mehr Freiheit – die innere Freiheit! Meistens ist es die Angst, die im Denken uns blockiert sowohl im Leben als auch auf unserem Weg zu Gott, auf unserem Weg der Zustimmung zu Gott und seiner Verheißung. Auch innerhalb der Kirche als Institution und Gemeinschaft verhindert die Angst das Loslassen; das Loslassen, damit der Heilige Geist Gottes die Gemeinde beleben kann. Trotz aller Notwendigkeit des kreativen Einsatzes gehen wir oft von der falschen Voraussetzung aus, dass wir das Abwandern der Menschen aus eigener Faust verhindern können. Da finde ich, dass wir, wie Maria, sehr viel auf Gott und seine Vorsehung vertrauen sollen. Jesus selber lehrt uns ausreichend im Evangelium, dass erst das Loslassen eine neuartige Familie entstehen kann – die neue Familie Gottes. Ein plakatives Musterbeispiel des Loslassens begegnet uns in der Apostelgeschichte bei der Szene der Himmelfahrt Jesu. Die Urgemeinde ist nur dadurch entstanden, dass die Apostel nicht stehen geblieben waren, sondern weitergehen mussten. Dazu kam, dass sie sich mit Maria zum Gebet versammelten. Hier erkennen wir, wie wirksam das Gebet – zumal in der Gemeinschaft – uns beim Loslassen helfen kann. Denn gerade im Gebet überantworten wir Gott unser ganzes Leben – alles Tun und Denken.

NEUNZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-08-08

NEUNZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-08-08

KERNBOTSCHAFT: Die schönste und höchste Form eines Geschenks ist die der eigenen Person in ihrer Ganzheitlichkeit.

Persönlich nehmen, weil Jesus uns persönlich nimmt: Christlich glauben, heißt Jesus ganz persönlich zu nehmen. Also: Wie hältst DU es mit der Eucharistie? Wie hältst DU es mit Jesus, dem Christus Gottes? (Stille!)

Ludwig Wittgenstein lässt heute grüßen: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Das Buch wollte dem Denken eine Grenze ziehen, das heißt, dem Ausdruck der Gedanken. Gibt es also Dinge, Erfahrungshorizonte, bei denen der menschliche Verstand zu kurz greift, ja, greifen muss? Ähnlich sah es der berühmte französische Mathematiker, Physiker und Ingenieur Blaise Pascal (1623–1662): „Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.“ Seine Worte haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Sie wollen uns, die wir uns in der religiösen Welt bewegen und beheimatet sind, vor der Verflachung der Sprache warnen. Ich finde, wenn alles erklärbar wäre, wäre aus meiner Sicht nichts mehr erklärbar. Wir müssen schon den Raum für das Geheimnis offen lassen und halten. Da fällt mir immer wieder bei solchen Diskursen die offene Kuppel im hinteren Teil der Basilika in Mariazell ein. Sie sagt mir, dass das Sichtbare nicht alles sein kann; dass es mehr gibt, als unsere Augen sehen können und unser Verstand denken kann. Sie sagt uns, dass die Liebe alles vermag, wo der Verstand dem Kalkül verhaftet bleibt. Ein Lied aus einem Heft für „Kindermesse“ bringt es so schön zum Ausdruck: „Nicht alles können die Augen sehen, unser kleiner Verstand verstehen. Das ist ein Geheimnis, Geheimnis des Glaubens.“ Meine Erfahrungen in Kirche und Gesellschaft sagen mir, dass wir das Staunen und die Stille lernen müssen, damit wir mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit der Natur und nicht zuletzt mit Gottes Wirklichkeit in eine fruchtbare Berührung kommen können.

Die Augen des Herzens heilen, um das Leben aus Gott viel besser wahr- und annehmen zu können: In der Wüste „setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, HERR. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.“ Was muss ein Mensch erlebt haben, dass er Gott, den „Freund des Lebens“ (Weish. 11,26), anflehte, ihm das Leben zu nehmen? „Steh auf und iss!“ Das war die große Wende. Gott bleibt dem Menschen treu, macht ihm das unschätzbare Geschenk seiner Gegenwart und gibt ihm Mut auf seinem Lebensweg. Elijah zerpflückte nicht alles, er glaubte. Sein Herz nahm das Geschehene staunend auf. Das Herz, nicht der Verstand ist Sitz der Gotteserfahrung. Der heilige Augustinus gibt uns eine „Sonntagsaufgabe“: „Unser ganzes Werk in diesem Leben besteht darin, die Augen des Herzens zu heilen, dass sie Gott schauen können…“

ACHTZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-08-01

ACHTZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-08-01

KERNBOTSCHAFT: Gottes Verheißung an uns ist weit mehr als die Erfüllung unserer materiellen Bedürfnisse. Es geht um die Lebenserfüllung in seiner Liebe.

Hunger nach Sinn: Es ist zunehmend eine Diskussion um Grundwerte für das Zusammenleben der Menschen im Gang. Dabei wissen die Großkirchen, wie lebensbedrohlich der materielle Hunger ist für ungezählte Menschen in unserer sogenannten globalisierten Welt. Ob es uns gefällt oder nicht, für jeden Menschen, der irgendwo in dieser Welt am Hunger stirbt, stirbt ein Stück der Menschheit. Mich dünkt allerdings, dass die bekannte Pyramide der Bedürfnisse gegenwärtig auf den Kopf gestellt werden sollte, damit die höheren Werte als Grundvoraussetzung für die Umsetzung der basalen Bedürfnisse richtig erkannt werden. Jesus, der die Menschen allzu gut kennt, schien diese Ansicht zu vertreten bei seinen kritischen Worten an die Menschen, die ihn aufsuchten. „Amen, Amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und der Menschensohn euch geben wird!“ Einmal mehr unterstreicht Jesus, was er dem Teufel bei seiner Versuchung in der Wüste gesagt hat: „Man lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,4b). Wie tief berührend waren die Einstellung und die Worte einer jungen Dame bei der Sendung von Barbara Stöckl vor drei Tagen, die eine Million Euro von ihrer Oma geerbt hat und auf 90% davon bewusst verzichtet. Sie sprach voller Zufriedenheit von Werten der Gerechtigkeit und des Gemeinwohls sowie von Chancengleichheit. Ich sah in ihr eine Kontrastwelt, eine große Hoffnung.

Alle Zeichen und Wunder führen zur Annahme des Reiches Gottes: Es genügt weder Jesus noch uns selbst, dass wir materiell satt werden. Weit darüber hinaus geht es Jesus darum, dass unser Leben eine nachhaltige Erfüllung findet. Deshalb müssen wir uns immer wieder die Frage stellen: Was nährt uns wirklich? Was führt uns dem Reich Gottes näher? Was zieht uns im Leben an? Was uns im Leben anzieht, muss viel wesentlicher sein, als das, was uns umgibt. Wir sind für mehr geschaffen! Jesus finden, ist die höchste Form der Lebenserfüllung, denn er ist der Sinn, den Gott selber in dieser Welt mit allen ihren Grenzen und Wunden gestiftet hat. Was uns also wirklich nährt, ist die persönliche Beziehung zu Jesus, die Freundschaft mit ihm. Liebe Eltern von Johanna Lucia, liebe Taufpatin, helft eurer lieben Tochter durch eure eigene Vorbildwirkung in diese Beziehung mit Jesus immer mehr hineinzuwachsen, in die sie hineingetauft wird.

SIEBZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-07-25

SIEBZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-07-25

KERNBOTSCHAFT: Gott kennt unsere Möglichkeiten viel mehr als wir selbst und traut uns zu, dass wir mehr aus ihnen machen können.

„Gemeinsam aufblühen“: So möchte ich den einen Aspekt unseres heutigen Evangeliums über die wunderbare Brotvermehrung zusammenfassen. Die Jugend würde es anders ausdrücken: „Gemeinsam glühen“, wobei sie einen anderen Gefühlszustand meint. Ich möchte das „Gemeinsam aufblühen“ herausstreichen. Am 30. Juli sollen alle Glocken in den katholischen Kirchen Österreichs läuten. Diese Aktion gefällt mir sehr, denn sie ist ein äußeres Zeichen der Solidarität mit den rund 821 Millionen Menschen, die weltweit vom Hunger bedroht sind. Es ist also der Kirche Jesu Christi nicht gleichgültig, ob sie am Leben bleiben oder sterben. Dieses Glockengeläut ist meines Erachtens eine Form der Soziallehre der katholischen Kirche. Durch diese Aktion macht sie sich die Worte Jesu an Philippus zu Eigen: „Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?“ Es heißt aber, dass Jesus ihn nur auf die Probe stellen wollte. Mir gefällt die Version von Lukas, wenn Jesus gleich die Anweisung erteilt: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lk 913). In der Antwort des Philippus steckt eine Einstellung, die oft hinderlich ist, wenn es darum geht, zu helfen. Seine Frage: „Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.“ Das ist ein unter uns weitverbreitetes Empfinden der Ohnmacht angesichts einer unmittelbaren Konfrontation mit einer Notsituation. Ein kleiner Junge wird zum Sprachrohr der frohen Botschaft Jesu: Es heißt, dass ich Gott meine Möglichkeiten hinhalten soll. Jesus sagt, dass unsere Leidempfindlichkeit eine Grundvoraussetzung für ein soziales Handeln ist. Es gibt schon auch die Ohnmacht des Nicht-Helfen-Könnens. Mir ergeht es manches Mal nicht viel anders. Da wünsche ich mir dann ein >>Wunder der Brotvermehrung<<, das mir meine Ohnmacht und Traurigkeit erleichtern sollte, ja, hinwegnimmt.

Das große Wunder des geteilten Lebens: Immer mehr habe ich gelernt, mich zu fragen, ob dieses Wunder der >>wunderbaren<< Brotvermehrung nicht ein wirksames und deshalb glaubwürdiges Rezept wäre für die sinnvollste Gestaltung unserer Welt, des Lebens in kleineren und größeren Kreisen. Es hat meine Vorstellungskraft geschärft und beflügelt, indem ich immer mehr an das Unmögliche glaube, denn wenn wir das Unmögliche bewusst wagen, hat es die Wahrscheinlichkeit, dass es möglich wird. Mich fasziniert, dass die Gegenwart eines kleinen Jungen den ent-scheidenden Unterschied ausgemacht hat. Er – in seiner Einmaligkeit und Verantwortung – war der Ausgangspunkt für das großartige Wunder. Er bereitete den Boden für das große Wunder vor, das Jesus gewirkt hat. Es ist in der Tat egal, wo wir uns finden, diese Schlussfolgerung ist meine tiefste Überzeugung: „Glück tritt oft als Netzwerk auf: Es strahlt aus, ist ansteckend – und im Gegenteil zu materiellen Gütern vermehrt es sich, wenn man es teilt“ (FURCHE, 29, 22. Juli 2021, S. 13). Nur die Bereitschaft zum Netzwerk des Teiles wird unsere Welt retten. Nur ein solches Netzwerk führt und hält Familien zusammen.

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DRITTER SONNTAG DER OSTERZEIT (B): 18.04.2021

DRITTER SONNTAG DER OSTERZEIT (B): 2021-04-18

KERNBOTSCHAFT: Es gehört zur österlichen Glaubenserfahrung, dass die Kirche sich durch einen Erfahrungsaustausch bildet und entfaltet.

Das Modell einer christlichen Gemeindeversammlung: „Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten den Elf und die mit ihnen versammelt waren, was sie unterwegs erlebt und wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot brach.“ Mich beschäftigt immer mehr, je älter ich werde, ob es denn wirklich so leicht ist für viele, den christlichen Glauben zu leben. Ihn zu leben, heißt jedoch primär an die Auferstehung Jesu Christi zu glauben. Mit dieser Frage eng verbunden, ist die zweite: Wenn es schon denjenigen Menschen schwer gefallen war, an den auferstandenen Herrn zu glauben, obwohl sie zur Zeit seines irdischen Lebens in seiner Gesellschaft waren, was ist denn mit uns selbst, die in einer unwiederbringlich historischen Distanz zu seiner Person leben? Selbst als der auferstandene Jesus in ihre Mitte trat und sie intim begrüßte, „erschraken sie und hatten große Angst“; sie hatten einen großen Zweifel. Was mich bei dieser Episode besonders berührt und begeistert, ist das, was die Elf und die Menschen, die sich um sie versammelt hatten, machten. Es heißt, dass die zwei Emmausjünger zu ihnen gestoßen waren und erzählten, was sie erlebt hatten. Es kam also zu einem Austausch. Die zwei erzählten den anderen von ihren persönlichen Erfahrungen aus der Begegnung mit Jesus. Es ergibt sich daraus für mich ein großartiges Kirchenbild: Die Kirche ist eine Versammlung von Menschen, die sich über ihre Erfahrungen mit Jesus Christus austauschen.

Kirchenerneuerung durch Kirche-Sein: Das Urbild der Kirche ist darum meines Erachtens zusammengefasst in dem einen Wort >>Austausch<<. Diese Wirklichkeit des Austausches begann nicht erst in der nachösterlichen Erfahrung der Urgemeinde, wie uns in den ersten und vierten Kapiteln der Apostelgeschichte ganz anschaulich gemacht wird. Schon am Kreuz, unmittelbar vor dem Tod Jesu geschah ein entscheidender Austausch, da Jesus seine Mutter dem Lieblingsjünger anvertraute und umgekehrt. Die Kirche Jesu Christi ist deshalb eine Austauschgemeinschaft oder sie wird nicht sein können! Sie lebt von der Erzählung und wächst durch sie, wie uns die zwei Jünger von Emmaus im heutigen Evangelium demonstriert haben. Wenn sich Menschen darum in die Kirche, konkret heißt es in ihre Pfarrgemeinde, gedanklich und aktiv nicht einbringen, sondern nur das Tun anderer konsumieren, tragen sie nicht zum Wachstum der Kirche bei. Es möge niemand in der Kirche denken und sagen, er oder sie sei ideenlos, denn jeder und jede ist einzigartig und kann gerade in dieser Einzigartigkeit zur Erneuerung der Kirche vor Ort beitragen. Das ist eine ur-österliche Erfahrung. Streben wir danach – in unserer Pfarrgemeinde!

ZWEITER SONNTAG DER OSTERZEIT (B): 11.04.2021

ZWEITER SONNTAG DER OSTERZEIT (B): 2021-04-11

SONNTAG DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT / WEISSER SONNTAG

KERNBOTSCHAFT: „Verwandelt, getröstet, in deiner Liebe geborgen, gehen wir hinaus, teilen Freude aus.“

Die Bezeichnungen rangen sich um diese zweiten Sonntag der Osterzeit: Der >>weiße Sonntag<<, wie er in der alten Kirche geheißen hat, erinnert an die in der Osternacht Getauften und die ihre weißen Kleider bis zum heutigen Sonntag tragen mussten. Schwelgen in der Freude über die Neuschöpfung durch die Taufgnade! Die Anschaulichkeit der unbedingten göttlichen Zuwendung. Der heilige Papst Johannes Paul II in seiner theologischen Tiefsinnigkeit fasste das überwältige Ostergeheimnis in einem neuen Namen für den >>Weißen Sonntag<< zusammen: >>Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit<<. Wie könnten wir sonst am besten die Auferstehung Jesu Christi begreifen als in diesem Ur-Namen Gottes >>Barmherzigkeit<<, die sich im Auferstehungsereignis bewahrheitet hat? Diese Zeilen aus dem Tagesgebet machen deutlich, dass wir, die wir die nachösterliche Gemeinde Jesu Christi bilden, immer dabei sind, die Unbegreiflichkeit der Auferstehung Jesu Christi annähernd zu begreifen. Da ist uns der heilige Papst Johannes Paul II mit seiner Neucharakterisierung des zweiten Sonntags der Osterzeit in unserer Suche nach Verständnis entgegengekommen. Es heißt also im heutigen Tagesgebet: „Lass uns immer tiefer erkennen, wie heilig das Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat, wie mächtig dein Geist, aus dem wir wiedergeboren sind, und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.“

Die Erfahrung der Liebe bzw. der Barmherzigkeit vermag es, alle Ängste zu vertreiben: „Als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“ Es versteht sich wohl, dass die Jünger Angst hatten und sich hinter „verschlossenen Türen<< versteckten. Sie haben ihre neuentdeckte Lebensperspektive, ihre Hoffnung und ihre unmittelbare Sicherheit verloren. Sie waren nicht mehr im Stande, Neues aufzunehmen; sie waren innerlich blockiert. Da kommt nun der Auferstandene und spricht das befreiende Wort zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Den Frieden gibt es dort, wo die Barmherzigkeit erlebbar wird. Ja, die Barmherzigkeit befreit zum Neuen. Der heilige Papst Johannes Paul II hat diese besondere Bedeutung der Barmherzigkeit richtig erkannt und deshalb den Sinn des „Weißen Sonntags“ erweitert hat. In seinem Buch aus einem Interview mit Andrea Tornielli „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ erläutert uns Papst Franziskus den großen Segen der Barmherzigkeit in unserem Leben: „Es gibt keine Situation, aus der es keinen Ausweg gibt. Wir sind nicht dazu verdammt, im Treibsand unterzugehen, weil jede Bewegung uns immer tiefer versinken lässt. Jesus ist da, er streckt uns die Hand entgegen, ist bereit, uns zu ergreifen und uns aus dem Schlamm herauszuziehen, aus der Sünde, aus dem Abgrund des Bösen, in den wir gestürzt sind. Wir müssen uns nur unseres Zustandes bewusst werden, ehrlich sein zu uns selbst und uns nicht ständig die Wunden lecken. Wir müssen um die Gnade bitten, dass wir uns als Sünder erkennen können, als diejenigen, die für das, was wir getan haben, verantwortlich sind.“ Möge uns darum die Gnade der Auferstehung zuteilwerden, indem wir mehrfach offen werden für die Barmherzigkeit Gottes!

OSTERSONNTAG (B): 04.04.2021

OSTERSONNTAG (B): 2021-04-04

KERNBOTSCHAFT: Weil Jesus lebt, kann uns nicht bange sein – trotz allem.

Eine Kraftquelle der Hoffnung: Es gibt so viele Lieder der Hoffnung. Immer wieder hören wir sie uns an. Sie haben die spirituelle Kraft, Menschen die bedrückenden Lebensumstände ein Stück zu erleichtern. Manches Mal jedoch klingen solche Lieder und Worte höhnisch im Angesicht des Ausmaßes vom erlebten Leid. Manches Mal schießt eine unbändige oder auch wackelige Hoffnung aus unserem Innersten hervor. Eine unbegreifliche Hoffnung!

Ein siebenjähriger Bub hat gesungen: >>Because HE lives<<, >>Weil ER lebt<<. „Because he lives, I can face tomorrow. Because he lives, all fear is gone. Because I know, he holds the future. And life is worth living, just because he lives.” Ja, weil Jesus lebt, kann ich dem morgigen Tag standhalten. Weil ER lebt, ist alle Angst verschwunden. Weil ich weiß, dass IHM die Zukunft gehört und das Leben lebenswert ist, einfach weil ER lebt.

Die zärtliche und verständnisvolle Stimme des auferstandenen Herrn hören: „Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.“ Ja, so groß kann das seelische und körperliche Leid sein, wenn wir einen vielgeliebten Menschen dem Tod verloren haben. Unverrückbar ist es, wenn der Leichnam eines geliebten Menschen unter die Erde gelegt wird. Die Emotionen, die mit einer solchen Unverrückbarkeit verbunden sind, können nur die unmittelbar betroffenen Menschen beschreiben. Erschütterung und Ohnmacht sind fühlbar. „Frau, warum weinst du?“ Gerade diese Stimme markierte einen Wendepunkt für Maria. Dazu kam das Hören ihres eigenen Namens von jener Gestalt, die sie mit einem Gärtner verwechselte. >>Maria! << Mit diesem zärtlichen Ruf kam es zur Rückgewinnung der Identität. Die ganze Lebensgeschichte war wieder voll präsent! Die Verheißung wurde wieder eine lebendige Gegenwart. Die Erfahrung dieser lebendigen Gegenwart wurde zu einer neuen existenziellen Erfahrung, zu einem Auftrag. Ostererfahrung ist höchst persönlich und ist immer mit einem Verkündigungsauftrag verbunden. Wer an die Auferstehung Jesu Christi glaubt, gehört deshalb zu einer Erzählgemeinschaft, die sich Kirche nennt. Die Kirche hört nicht auf, von dieser Kraftquelle der Hoffnung zu erzählen.

KARSAMSTAG (B): 03.04.2021

OSTERNACHT (B): 2021-04-03

KERNBOTSCHAFT: Der Glaube an den Gott Jesu Christi ist unsere Kraft und unsere Hoffnung.

„O unfassbare Liebe des Vaters“: Bei Kreuzwegandacht wird gebetet: „Stark wie der Tod ist die Liebe.“ Darin liegt das große Geheimnis dieser Nacht. Die Osterkerze, die der Priester im Geleit des Gottes Volkes in die dunkle Kirche getragen hat, verkündet uns eine gewaltige Botschaft und gibt uns zugleich Anteil am Leben Jesu Christi: „In dieser Nacht das Dunkel zu vertreiben“. In der Nacht unseres alltäglichen Lebens, in der Nacht einer unheilbaren Krankheit, in der Nacht unserer Ohnmacht ob der Corona-Pandemie, in der Nacht einer quälenden Hoffnungslosigkeit. Indem wir die brennende Osterkerze in unsere dunkle Kirche begleitet haben, so lassen auch wir uns von Jesus Christus als dem auferstandenen Herrn als das Licht der Hoffnung in der Dunkelheit unseres Lebens leuchten.

Die Liebe Gottes durch Jesus Christus an- und aufnehmen: Unser Leben wird nie ohne manche Dunkelheit sein. Wir leben beständig in der Ambivalenz der Erlösung! Wir sind zwar erlöst, aber wir leben stets in einer unerlösten Welt. Unsere Hoffnung heißt, Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferweckten nachfolgen, und zwar als dem Licht Gottes in dieser Welt mit allen ihren Lebensgeschichten. Ein Lied in unserem >>Gotteslob<< sagt uns, was es heißt, an die Auferstehung zu glauben: „Mit dir gehe ich alle meine Wege, mit dir bin ich alles, was ich bin: Enge, Weite, Nähe, Licht und Dunkel, alles, Vater, führt mich zu dir hin. Mit dir sag ich immer neu mein Ja. Kann ja doch nicht anders, als dich lieben, bist du mir mit deinem Segen nah“ (GL 896). An die Auferstehung Jesu Christi zu glauben, bedeutet, die Worte des Propheten Jesaja ganz persönlich zu nehmen: „Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung! Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“ (Jes 55,1-2). Ein Bild ging ganz viral in den letzten Tagen vor dieser Osternacht. Ein Bild des Grabsteines vor der Grabeshöhle mit dem bezeichnenden Satz: „…das mit der Ausgangssperre zu Ostern hat noch nie funktioniert!“ Wie einfach und dennoch tiefsinnig die zentrale Botschaft des Christentums in die Sozialen Medien Einzug gefunden hat! Diese Frage stellten die Frauen, die mit ihren wohlriechenden Ölen zum Grab gegangen sind, um ihren gekreuzigten Jesus zu salben: „Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Da erlebten sie jedoch – unverhofft! – Gottes Machterweis. Gott kann den Stein vor der Höhle unseres Lebens wegwälzen! Wir sind eingeladen, das unbegreifliche Geheimnis des Osterfestes in unserem Leben Wirklichkeit werden zu lassen. JESUS ist der CHRISTUS Gottes! Er lebt! Machen wir uns fest an ihm! Unsere Oster-Hoffnung heißt, dass das Leben aus Gott in seiner Liebe gut aufgehoben ist und eine neue Perspektive erhält.

KARFREITAG (B): 02.04.2021

KARFREITAG (B): 2021-04-02

KERNBOTSCHAFT: Gott ist die absolute Antwort auf das Leid.

Das Kreuz ist der Kristallisationspunkt von Ohnmacht und Hoffnung in einem: Was sagt meinem kleinen Verstand die Karfreitagsliturgie? Was sagt meinem beschränkten Horizont das Kreuzesereignis? Was kann ich mit dem vielen zum Himmel schreienden Leid ungezählter Menschen in unserer Welt anfangen? Ich spüre die Überforderung durch meine Ohnmacht, durch meine Verzweiflung, durch meinen Zorn! Die Warum-Frage erdrückt mich schon! Warum schweigt denn Gott? Wenn ich in der Frühe die Vögel in den Bäumen um den Pfarrhof herum und bei einem Spaziergang im Wald zwitschern höre, frage ich mich trotz meiner fröhlichen Gestimmtheit: Kann es denn das Lied der Hoffnung für alle geben? Ich frage mich schon sehr oft, wieviel Hass wir und unsere Welt vertragen können. Meine ganz persönliche Frage an diesem Karfreitag will ich mit euch teilen: Was begehen wir eigentlich an diesem Tag? Was bedeutet der Kreuzestod Jesu für mein persönliches Leben?

Besinnung auf das große Geheimnis des Kreuzes: „Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen. […] Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. […] Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“

„Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat“ (Hebr. 4,15).

„Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken? […] Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. […] Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh 18,11.36.37).

Die Konsequenz für meinen Glauben: Ich halte mich ganz fest an Jesus und möchte immer das feste Vertrauen haben, dass Jesus mich festhält. „Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit“ (Hebr. 4,16). Denn: „Im Kreuz ist Heil! Im Kreuz ist Leben! Im Kreuz ist Hoffnung!“

GRÜNDONNERSTAG (B): 01.04.2021

GRÜNDONNERSTAG (B): 2021-04-01

KERNBOTSCHAFT: Unser Glaube als Christen*innen ernährt sich aus der Kraft der Erinnerung.

„Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest zur Ehre des HERRN! Für die kommenden Generationen macht euch diese Feier zur festen Regel!“ (Ex 12,14).

„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des HERRN, bis er kommt“ (1 Kor 11,26).

„Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. […] Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,5.15).

Die Kraft der Erinnerung: Wir sind eine Erinnerungs- bzw. eine Gedächtnisgemeinschaft. Gerade die Erinnerung ist der unverzichtbare Boden, auf dem unsere Identität und unsere Lebensgestaltung gebaut sind. Sie ist der Same für unsere Zukunft. Unsere drei Schriftlesungen machen uns bewusst, dass wir eine Kultur der existenziellen Verpflichtung zur Erinnerung haben. Eine Erinnerung, die uns den Gott der Geschichte vergegenwärtigt. Es geht um die Geschichte einer rettenden Liebe.

Die christliche Erinnerungskultur ist eine Anleitung zum Handeln: Was ergibt sich nun daraus, wenn wir uns als eine Erinnerungsgemeinschaft begreifen? Es heißt, dass wir eine Urquelle haben, an die wir immer denken können und sollen. Dass wir Vertrauen und Geborgenheit aus dieser Quelle schöpfen können und dürfen. Was Antoine de Saint-Exupéry gesagt hat, scheint mir vom besonderen Gewicht zu sein für uns, sowohl als Individuen wie auch als eine Glaubensgemeinschaft: „Erinnerungen sind wie Sterne, die im Dunkel unserer Trauer leuchten.“ Natürlich sind das nicht alle Erinnerungen, sondern vielmehr die kraftvollen, die uns durchs Leben zu tragen vermögen.

Zur Urquelle finden: Schwestern und Brüder, das Geheimnis der Eucharistie ist erhaben, denn sie ist die Veranschaulichung der Liebe Gottes in dieser Welt durch Jesus Christus, in seiner Person. Es möge dich und mich deshalb das Feuer der eucharistischen Liebe stets erfassen und in eine heilige Unruhe versetzen!

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