SECHSZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS(C)_17-07-2022

SECHSZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-07-17

KERNBOTSCHAFT: Wir brauchen mitten im Alltagsleben eine schöpferische Zeit, um mit unserem Innersten in Berührung zu kommen.

Die „Work-Life-Balance“ ist eine heilende Erkenntnis aus unserer Leistungsgesellschaft: Unser Leben braucht Übergänge, die im Alltag sinnvoll gestaltet werden möchten. Das weitverbreitete Phänomen des Burnout-Syndroms ist eine Warnung für uns, dass wir in Berührung mit unserer eigentlichen Lebenswirklichkeit kommen sollen. Die neue Wortschöpfung „Work-Life-Balance“ entspringt unserer tiefsten Sehnsucht als Menschen: der Sehnsucht nach einem Lebensausgleich. Es handelt sich um ein Ausgewogen-sein, um ein Gleichgewicht. Es geht darum, dass zu einer seelischen Ausgeglichenheit des Menschen gehört, dass er sich leidenschaftlich engagiert, sich einsetzt und dass er arbeitet. Gleichzeitig sollte er allerdings Momente eines inneren Ausgleichs anstreben, um mit sich selbst – ja, um mit seiner Wesentlichkeit – in Berührung zu kommen. Mitten in aller Geschäftigkeit tut es dem Menschen gut, seiner Seele nachzukommen. Es sind ja nicht wenige, die im eigenen seelischen Haushalt Flüchtlinge sind! Unterschiedlich, aber gemeinsam verweisen uns alle drei Schriftlesungen auf die „Glanz-Momente“ inmitten unseres Alltags. Dabei sind es manches Mal wirklich die sogenannten „Zufälle“ geradezu jene Orte, an denen sich das Wunder nistet (V. E. Frankl). Wir könnten uns vermehrt für solche „wunderbaren Zufälle“ sensibilisieren. Es sind auch Momente der Begegnung mit Gott. Das sagt uns folgendes neugeistliches Lied, das ich mit euch singen möchte: „Manchmal feiern mitten im Tag ein Fest der Auferstehung. Stunden werden eingeschmolzen, und ein Glück ist da.“ „Manchmal feiern wir mitten im Tun ein Fest der Auferstehung. Sperren werden übersprungen, und ein Geist ist da.“ Ja, es gibt sie, die Erfahrungen, bei denen die Stunden eingeschmolzen werden und ohne Anstrengung ist das Glück einfach da. Auf einmal werden Sperren übersprungen und es herrscht ein Geist, ein Geist der Neuschöpfung und Erfüllung.

Raum schaffen und offen lassen für die Begegnung mit Gott: Der „Eiche von Mamre“ ist sehr symptomatisch für die besondere Bedeutung von Bäumen in vielen Kulturen. Bäume weisen oft genug auf ein Heiligtum hin, auf einen Wallfahrtsort, als Orte der Begegnung und des gemeinsamen Festes. Eigentlich bietet uns jeder Ort die einzigartige Gelegenheit für eine berührende Gottesbegegnung. Unerwartet wird aus einer Begegnung ein Hingerissen-sein und deshalb ein Verweilen, ein Segen. In solchen Augenblicken bleibt die Zeit buchstäblich stehen und aus Fremden werden Vertraute. Allein worauf es in solchen Situationen wirklich ankommt, ist die Bereitschaft und die Fähigkeit zuzuhören. Was mir sehr wichtig scheint beim Besuch Jesu bei Martha und Maria ist, dass wir das Verhalten der einen Schwester nicht gegen das der anderen Schwester ausspielen. Gastfreundschaft ist wichtig und bedeutet Hingabe. Das Hören des Wortes des Lebens, des Wortes Jesu, ist ebenfalls wichtig. Was nottut, ist das Gleichgewicht, die sogenannte „Work-Life-Balance“. Das Grundgesetz der Benediktinischen Regel lautet deshalb „Ora et labora!“, bete und arbeite! Die Worte des Apostels Paulus sind darum für unsere Lebensgestaltung sehr ermutigend: „Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.“ Wir können uns an Christus festmachen, „der unter uns lebt, der uns Hoffnung und Zuversicht schenkt, dessen Leib wir als Kirche darstellen“. Wir brauchen Räume der Begegnung mit ihm, vor allen Dingen in der Eucharistiefeier.

FÜNFZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS(C)_10-07-2022

FÜNFZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-07-10

KERNBOTSCHAFT: Wir sollen die Stunde erkennen und ergreifen, in der Gott seine Liebe zu den Menschen in und durch uns offenbaren will.

Was sollen wir tun? : Diese Frage (eine existenziell-ethische Frage) verrät uns, dass unsere Lebensgestaltung nicht immer glatt vor sich geht. Es gibt Entscheidungssituationen, die überhaupt nicht leicht sind. Jede und jeder von uns kommt irgendwann in solche Situationen, in denen nur wir die anstehenden Entscheidungen zu treffen haben. Beispiele gibt es zur Genüge und braucht nicht extra erwähnt zu werden. Manches Mal handelt es sich um entscheidende Augenblicke. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Frage, wer wir sind, also die Frage nach unserer Identität, nur dann richtig beantwortet werden kann, wenn bekannt ist, welche Entscheidungen wir im Leben getroffen haben. Wir sind also geradezu die Entscheidungen, die wir Tag ein Tag aus treffen oder bereits getroffen haben. Gefragt im Leben ist nicht wirklich, wie viel Wissen oder Reichtum ein Mensch sich erworben hat. Erzähle mir also von den Entscheidungen, die ein Mensch getroffen hat und ich sage dir, wer dieser Mensch ist. Hören wir uns diese Formulierung von Leo Tolstoi an: „Wichtig ist nicht die Menge des Wissens, sondern die Güte. Man kann sehr viel wissen, dabei aber nicht einmal das Nötigste.

Den Augenblick für Gottes Heilswirken erkennen: Ich verstehe das Gleichnis über den barmherzigen Samariter im Zusammenhang mit dem Erkennen jenes Augenblickes, in dem Gott in und durch uns etwas Gutes und Schönes für die Menschen wirken kann. Ob der Ausgangspunkt dieses Gleichnisses „Und wer ist mein Nächster?“ Ist diese Frage nicht ein hochaktuelles Thema in unserer Welt ist? Die Anweisung Jesu „Du, geh und handle genauso!“, sehe ich in diesem treffsicheren Spruch von Leo Tolstoi zusammengefasst: “Die wichtigste Stunde im Leben ist immer der Augenblick; der bedeutsamste Mensch im Leben ist immer der, welcher uns gerade gegenübersteht; das notwendigste in unserem Leben ist stets die Liebe.“ (Leo Tolstoi) Möge Gott uns die Augen öffnen für die Menschen, die uns brauchen. Möge unsere Leidempfindlichkeit unser eigener Beitrag zum Frieden in unserer Welt sein. Es ist wirklich gerade diese Leidempfindlichkeit, die uns zu wahren Menschen macht.

VIERZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS(C)_03-07-2022

VIERZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-07-03

Gedächtnisfeier meines Primiztags vor 34 Jahren (1988).

KERNBOTSCHAFT: Unsere Welt braucht die Aufrichtung des Kreuzes mitten im Leben. Es ist Gottes Art, seine absolute Barmherzigkeit kundzutun.

Die Gnade der Berufung: Die über 2.000 Menschen, die bei meiner Primiz anwesend waren, hatten keine Ahnung von meinen zweimaligen inneren Kämpfen in meiner Berufungsgeschichte. Sie erlebten einen Fabian in der Glücksfülle und freuten sich sehr mit mir und für mich. Mein Werdegang zum katholischen Priestertum führte mich über zwei große innere Kämpfe zu einem kompromisslosen Glauben an Jesus Christus, und zwar im Hinblick auf seine Kreuzeshingabe. Am meinen Primiztag teile ich mit euch meine Kampferfahrungen in der Hoffnung, euch Mut und Freude zu machen in der eigenen Glaubensentscheidung, denn die Entscheidung für Jesu Nachfolge ist nicht immer leicht, dennoch erfüllend.

Erster Kampf: 1979 vor Beginn meines Studiums der Philosophie und am Ende meiner Erziehertätigkeit im größten Knabenseminar der Welt. Wegen der großen Ungerechtigkeit in Nigeria gegenüber Jugendlichen wollte ich nicht mehr Priester werden, sondern Jus studieren. Der Spiritual erfuhr davon und wollte mich überreden; ich sollte in die Seminarkirche beten gehen, denn es wäre schade, würde ich aufhören. Ich weigerte mich jedoch zu beten. Es wurde Nacht. Eine Nacht voller Unruhe und Kämpfe und Schweißausbruch. Ich verfiel einem Schlummer. Am nächsten Tag war ich entschlossen, den Weg der Priesterausbildung weiter zu gehen.

Zweiter Kampf: 1987 in Österreich, im Stift Zwetl. Der Zweifel kam hoch bei unseren gemeinsamen Weiheexerzitien. Ich rauchte viel Zigaretten und Pfeife wie nie zuvor. Meine ungewöhnliche Unruhe fiel meinem nigerianischen Freund und Kollegen auf. Er stellte mein gehäuftes Rauchen in Frage. Ich bat ihn darum, mich in Ruhe zu lassen. Das Beben ging vorüber, als ich spürte und erkannte, dass Jesus gerade mich in meinem Zweifel braucht.

Andere Kämpfe: Heute gibt es andere Kämpfe mit Jesus Christus an meiner Seite und als meine Gallionsfigur. Ich habe sein Kreuz stets vor meinen geistigen Augen. Die Frage, die ein Freund mir unlängst in einer Glaubensdiskussion stellte, ist die erneuerbare Kraft in meiner priesterlichen Existenz: „Erkennen wir (die Christen und Christinnen) den Jesus am Kreuz?“ Liebe Freunde und Freundinnen in Jesus Christus! Das ist die große Theologie des Kreuzes! Das ist die größte Frage einer christlichen Revolution, einer Revolution der Liebe; einer Revolution der Leidempfindlichkeit! Als ein Neffe mir einmal bei einem Spaziergang die Frage stellte, warum ich so vielen Menschen helfe, habe ich ihm ohne Zögern geantwortet: „Weil ich immer das Antlitz des gekreuzigten Jesus an ihren Gesichtern wiedererkenne.“

Beständige Grundorientierung in meiner Nachfolge Christi als Priester sind für mich folgende Wortes Weihebischofs an mich in jenem ergreifenden Augenblick als ich vor ihm knieten und Brot und Kelch überreicht erhielt: „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers, bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes!“

Hier ist das Gebet des Priesters bevor er Jesus Christus in Brot und Wein empfängt: „Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, dem Willen des Vaters gehorsam, hast du im Heiligen Geist durch deinen Tod der Welt das Leben geschenkt. Erlöse mich durch deinen Leib und dein Blut von allen Sünden und allem Bösen. Hilf mir, dass ich deine Gebote treu erfülle, und lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde.“ Ich bitte euch darum, für mich in diesem Sinne zu beten.

WEIHETAG DER KLOSTERKIRCHE_26.06.2022

DREIZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-06-26

EIGENER WEIHETAG DES KLOSTERS DER BENEDIKTINNERINNEN

 

KERNBOTSCHAFT: Berufung zum Zeugnis – individuell und als Klostergemeinschaft.

Schrift: 1Kön 8,22-23.27-30; 1 Kor 3,9c-11.16-17; Mt 16,13-19

Ruhe finden an geheiligten Stätten: „Unser Herz ist unruhig bis es ruht in dir, Herr, unser Gott.“ Dieser Spruch wird dem heiligen Augustinus zugeschrieben. Ist dies nicht eine grundlegende menschliche Situation? Ist die tiefste Sehnsucht des Menschen nicht seine Sehnsucht nach Gott? Mir bleibt es fern, eine Schwarz-Weiß-Malerei über die allgemeine Situation unserer gegenwärtigen Weltgesellschaft wie auch über die persönlichen Erfahrungen vieler Menschen zu betreiben. Es ist jedoch unabdingbar, dass wir uns keiner Illusion einer guten Ordnung hingeben. Die großen Spaltungen in unserer Weltgesellschaft haben ihren Ursprung in den Herzen der Menschen. Darum kommt dem Weihegebet des Königs Salomo für den Altar des Tempels eine hochaktuelle Relevanz zu. Im jenen Weihegebet des Tempels wird uns gesagt, wie Gott sich bindet und seine Huld, also sein Wohlwollen, dem Volk schenkt. Trotz der Erhabenheit Gottes spricht der König dennoch mit Gott: „Wende dich, HERR, mein Gott, dem Beten und Flehen deines Knechtes zu! … Höre auf das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte verrichtet!“

Das Kirchengebäude ist äußeres Zeichen für die erlösende Gnade Gottes in Jesus Christus: Die schönsten und teuersten Kirchen helfen uns (und anderen Menschen) zu wenig, wenn die persönliche Beziehung zu Jesus fehlt. Das hat Paulus so treffsicher ausgedrückt: „Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.“ (1 Kor 3,11) Darum ist die Frage Jesu das Um und Auf der christlichen Spiritualität: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Eine Kirche als Gebetsstätte kann dazu beitragen, dass wir uns die Antwort des Petrus zu Eigen machen: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16b) Es war sehr aufschlussreich und zugleich aus meiner Sicht sehr ergreifend, zu sehen und erleben, wie mitten in der Bedrohung und Unberechenbarkeit des Corona Virus viele Menschen die offenen Kirchen in Wien aufgesucht haben, obwohl die Wälder auch eine sinnvolle Möglichkeit für einen heilsamen Rückzug waren. Liebe Schwestern! Ich sage euch, was ihr selber eh wisst, auch unter der Gefahr, dass ich wiederhole: Ihr habt in dieser Kirche eine unbeschreiblich wunderbare Gebetsstätte! Möge viele Menschen sie immer wieder aufsuchen! Alles Gute zum Weihetag eurer wunderschönen Kirche bzw. Kapelle!

DREIZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS_26-06-2022

DREIZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-06-26

KERNBOTSCHAFT: Loslassen, um Raum zu schaffen für Gott uns entgegenhält.

Wenn es uns „erwischt“: Ich weiß nicht, ob eine Verallgemeinerung hier fehl am Platz wäre, dennoch bin ich der Ansicht, dass viele – wirklich viele – Dinge, die unser Leben positiv beeinflusst oder beeinflussen, meistens unverhofft passieren. Es gibt immer einen entscheidenden Augenblick; einen Augenblick der Sinnfülle, der Glücksfülle und der Dankbarkeit. Wie oft ist es doch der Zufall, an dem sich das Wunder nistet! (V. E. Frankl, 1905-1997). In solchen Augenblicken liegt die Entscheidung bei uns, ob wir die Gunst der Stunde ergreifen oder im Zweifel bleiben. Ein solcher Augenblick der Entscheidung ereignete sich bei Elisha durch den Propheten Elijah. „Im Vorbeigehen warf Elijah seinen Mantel über ihn.“ Es gab aber keinen großen Spielraum für Elisha, um sich zu entscheiden! Er musste auf die normalen Rituale im Zusammenleben der Menschen verzichten. „Sogleich verließ Elisha die Rinder, eilte Elijah nach und bat ihn: „Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben; dann werde ich dir folgen.“ Elijah war dennoch sehr einfühlsam und erlaubte Elisha, von seinen Eltern Abschied zu nehmen.

Die Freiheit des Christenmenschen bei Paulus und Jesus: In der zweiten Lesung macht der Apostel Paulus einmal deutlicher, worum es in der Nachfolge Jesu Christi geht: Um die souveräne Freiheit. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht daher fest und lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen!“ Wie frei sind wir aber in unserem Christsein? Wie frei sind wir wirklich in der Nachfolge Jesu Christi? Es sind nicht wenige Menschen, die von ihrem [berechtigten] Empfinden her, Anstoß auf harte Forderung Jesu im Evangelium nehmen. Auch ein solches Empfinden ist ganz menschlich. Denn warum sollte ich meine lieben Verstorbenen nicht zuerst begraben, bevor ich mich Jesus anschließe? Allerdings, wenn Jesus mit uns etwas Großes vorhat, dann scheint er uns vor unterschiedlichen Ablenkungen zu schützen. Wir wissen doch, wie zaudernd wir sein können! Hier ist also die Botschaft Jesu für uns: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ Jüngerschaft verlangt nach Entschiedenheit. Die persönliche Entscheidung ist vielleicht oder sicherlich nicht immer leicht. Dennoch ist das Ziel des Rufes in die Nachfolge etwas Großartiges. Aufschub passt nicht zusammen zur Christusnachfolge! Der Gewinn ist aber groß. Möge deine Entscheidung für Jesus ohne Wenn und Aber sein!

IMPULSPREDIGT_SONNWENDFEIER_25-06-2022

DREIZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-06-25/26

Sonnwendfeier und Erstkommunion.

KERNBOTSCHAFT: Entscheidung für ein Leben in Fülle.

EINFÜHRUNG:

Wir haben uns dafür entschieden, hierher zu kommen, um miteinander zu feiern, um unsere christliche Hoffnung zu feiern. Uns alle verbindet die große Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Zusammen mit unserer Isabella, die heute zum ersten Mal das Brot des Lebens, den Leib Christi, empfangen wird, wollen wir diese Sehnsucht nach einem Leben in Fülle feiern.

 

PREDIGTIMPULS:

Der große Prophet Elija beruft einen Schüler, Elisha, beim Vorübergehen. Er hat etwas Großes mit ihm vor. Auch mit uns hat Gott etwas Großes vor. Das finden wir nur heraus, wenn der Zeitpunkt da ist. Gott schreibt eine ganz tolle Geschichte für uns alle. Er schreibt sie in Jesus und durch ihn. Gott sagt uns in Jesus und durch ihn: Ich bin unterwegs mit euch. Auf eurem Lebensweg bin ich mit dabei. Das Leben soll euch gut gelingen. Es wird euch auch viel besser gelingen, wenn ich mit dabei bin. Unser Leben ist auf ein höheres Ziel ausgerichtet. Auf die Fülle des Lebens. Diese Fülle des Lebens heißt nicht, dass ich ganz gesund bin oder alles habe, was ich brauche. Es heißt vielmehr, dass ich mit Jesus innig verbunden bin und er die Lebenskraft ist, die mich nie verlässt.

Wie wissen wir, dass wir richtig mit Jesus unterwegs sind? Wenn wir uns nicht von vielen und manchen Dingen und Menschen ablenken lassen, und, wenn wir nicht allzu schnell müde werden, „die Hand an den Pflug legen und wegschauen“. Wir sollen tapfer bei Jesus bleiben und mit ihm unterwegs sein. Was ist unser Gewinn dabei? Die Fülle des Lebens. Eine innere Zufriedenheit – trotz allem, was manches Mal in unserem nicht glatt rennt.

Liebe Isabella! Wir, als Gemeinde Jesu, freuen uns mit dir und für dich, dass du heute inmitten der Gemeinschaft Jesu das lebendige Brot des Lebens, den Leib Jesu Christi, zum ersten Mal empfangen wirst. Dieser Jesus geht mit dir auf deinem Lebensweg und gibt dir Kraft, Mut, Hoffnung und Liebe. Das tut er ganz besonders durch deine Mama; und durch uns, die wir mit dir zu Jesus gehören. Nun zeigen wir dir das äußere Zeichen unserer großen Freude für dich (Applaus!).

ZWEITER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-01-16

ZWEITER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2022-01-16

KERNBOTSCHAFT: Spüren und erkennen, wo und wie Gottes lebendiger Geist in uns und in anderen Menschen wirkt.

Offensein für die stille Gegenwart Gottes: Das Nachdenken über das Wort Gottes in der Bibel führt mich immer wieder zu der Erkenntnis der göttlichen leisen Wirkungsweise. Am vergangenen Sonntag war die Rede aus dem Buch des Propheten Jesaja von der Sendung des Gottesknechtes: „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus.“ (Jes 42,2-3) Das entspricht weder unserer Grundhaltung im Alltag noch unserer spirituellen Erwartung Gott gegenüber. Wir lieben es meistens laut und demonstrativ. Das heißt Machtdemonstration. Gott ist jedoch anders. Er wirkt viel anders, ist trotzdem für die Menschen begleitend, tröstend und heilend da. Die Bibel ist voll davon, wie Gott widererwarten in das Leben der Menschen einbricht und ihrem ganzen Leben eine neue Sinnausrichtung gibt. Wenn Gott in das Leben einbricht, geschieht das, was uns der Prophet Jesaja in der ersten Lesung schildert: „Nicht länger nennt man dich >>Verlassene<< und dein Land nicht mehr >>Verwüstung<<, sondern du wirst heißen: >>Ich habe Gefallen an dir<< und dein Land wird >>Vermählte<< genannt.“ Wenn ich solche Zeilen lese, dann kommt mir der starke Glaube daran, dass die Suche nach dem Licht nie vergeblich ist und immer wieder Hoffnung und Freude aufleuchten können. Gerade eine solche Hoffnung wird uns vermittelt, dass Gott selbst die Beziehung zu uns nicht verlassen wird und sie achtsam, behutsam und zärtlich pflegt. Versuchen wir es doch immer wieder in der Vorstellung zu bleiben, wie sich das anfühlt, wenn ich selbst den Gedanken zulasse, dass Gott mich in seinen Händen hält – und halten möchte!

Das Beste kommt zum Schluss: So heißt es im Volksmund. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diesem Spruch unbedingt ohne Vorbehalt zustimmen möchte. Es sind nämlich nicht wenige Menschen, die etwas anderes in ihrem Leben erlebt haben und erleben. Ich kann aber nur dann dem Spruch zustimmen wollen, wenn ich ihn auf Gott und mein Gottvertrauen beziehe. Was ich für mein eigenes Leben aus dem Evangelium von der Hochzeit in Kana in Galiläa lernen kann, ist, dass Gott seine eigene Zeitbestimmung hat, aber dass er ein Gott des Wandels und der Wandlung ist. Wenn ich auf Gott in der Stille meines Herzens vertraue, kann er für mich zu seinem eigenen Zeitpunkt eine befreiende und fröhliche Wende herbeiführen. Mögen wir es tief in unserer Seele spüren, dass unser Leben in Gott immer noch besser werden kann; immer noch bessere Qualität bekommen kann. Dabei dürfen wir die wichtige Rolle Marias in der Heilsgeschichte nicht vergessen. Sie ist und bleibt unsere Fürsprecherin. Vielleicht ist gerade diese Fürsprache die besondere Gnadengabe, die du vom Heiligen Geist Gottes erhalten hast, damit du für andere in bestimmten Lebenssituationen eintreten kannst und sollst. Denn „einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will“. So sagt uns Paulus in der zweiten Lesung. Wer die Gegenwart Gottes erfährt, weiß sich in die Sendung Jesu Christi stellt. Genauso funktioniert das Christsein.

HOCHFEST TAUFE DES HERRN: 2022-01.09

HOCHFEST TAUFE DES HERRN: 2022-01-09

KERNBOTSCHAFT: Jesus lebt in uns durch die Taufgnade. Dies hat Konsequenzen für unser ganzes Leben.

Jesus taucht ein in die Tiefe menschlicher Existenz: Zum Hochfest der Taufe des Herrn, ist es mir ein großes Anliegen, uns daran zu erinnern, wie ungemein wichtig das Bewusstsein unserer Taufe ist. In einer Welt, in der die Gefahr offensichtlich zunimmt, dass Menschen einander das Leid zufügen und dennoch das Sündenbewusstsein regelrecht bagatellisiert wird, steht die zentrale Bedeutung der Taufe Jesu im Mittelpunkt unserer Betrachtung. Da stellt sich Jesus mit dem Empfang der Taufe durch Johannes den Täufer in die Reihe der Sünder und Sünderinnen. Jesus taucht ein in die tiefste Wunde der Menschheit. Im Johannesevangelium lesen wir über die Unbegreiflichkeit der Liebe Gottes, die er uns in Jesus von Nazareth geoffenbart hat. Die Sendung Jesu besteht darin, dass er aus der unendlichen Liebe des Vaters die Sünde der Welt auf sich nimmt (Joh 1,29). Dadurch hat Jesus uns den Weg zu erfüllten Leben gebahnt. Getauft werden, bedeutet, in die Liebesmacht des dreifaltigen Gottes hineingenommen zu werden. Wer getauft wird, wird in die umfassende Weltsendung Jesu Christi initiiert. Bei Jesaja heißt es: „Er bringt den Nationen das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.“ Das ist alles die bildhafte Beschreibung für den Frieden. Hören wir noch einmal diese Worte der Hoffnung aus der Apostelgeschichte: „Wahrhaftig jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was Recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller.“

Christinnen und Christen vor der Sehnsucht und Erwartung der Völker: Ganz tief in meinem Herzen ist die Sehnsucht, dass alle Menschen dieser Erde vermehrt zu dem Bewusstsein erwachen mögen, was sie miteinander vereint. Unser Evangelium sagt uns, dass „das Volk voll Erwartung“ war. Es wartete auf eine bessere Zeit, auf eine Wende. Die Erfahrung ist unumstritten: Alle Länder dieser Erde erfahren plötzlich jenseits des gefährlichen Klimawandels die Bedrohung menschlicher Existenz, die alle Grenzen von reich und arm, mächtig und machtlos, Rasse und Religion unaufhaltsam überschreitet. Das Coronavirus hat nicht nur die Sterblichkeit aller Menschen anschaulich gemacht, sondern hat darüber hinaus die sündhaften gesellschaftlichen Strukturen unserer Welt entblößt. Schwestern und Brüder! Diese Erfahrung begründet den Sinn für die Sternsinger-Aktion der katholischen Kirche. Kinder, Jugendliche und Erwachsene nehmen unsere Welt wahr, urteilen über die traurigen Zustände in unserer Welt. Sie handeln als Getaufte im Geiste Jesu Christi, indem sie auf die Straßen der Dörfer und Städte, um den Menschen zu sagen, dass unsere Welt eine gemeinsame ist, und dass sie viel menschlicher sein kann, indem sie etwas zum Schutz der Würde Abermillionen Menschen spenden. Die Sternsinger brennen für die Stimme vom Himmel, indem sie durch ihren Einsatz für eine gute Sache. Sie sagen den hilfsbedürftigen Menschen: „Du bist ein geliebter Mensch – mein Bruder, meine Schwester. An dir hat Gott Wohlgefallen.“ Das ist unsere aller Weltverantwortung aus der Taufe.

CHRISTKÖNIGSSONNTAG (B): 2021-11-21

HOCHFEST CHRISTKÖNIGSSONNTAG (B): 2021-11-21

KERNBOTSCHAFT: Gott ist die Wahrheit und ist in Jesus Christus erschienen, um die Menschen aus der Lüge der Existenz zu befreien.

Unser Lebenslang suchen nach dem Wahren: Weil die heutige Liturgie aus mir unerklärlichem Grund den letzten Vers eines sinnzusammenhängenden Abschnitts aus dem Sinnzusammenhang herausgerissen hat, möchte ich ihn gern aufgreifen: „Was ist Wahrheit?“ So fragte Pilatus. Ich finde, dass er eine Frage stellte, die uns dauernd beschäftigt und beschäftigen sollte. Was ist die Wahrheit? Was ist die Wahrheit mitten in der Meinungsflut der sozialen Medien? Was ist die Wahrheit im Angesicht der Verwirrungen bezüglich der sich widersprechenden Handlungsrichtlinien wegen des Corona-Virus? Was ist die Wahrheit bei vielen Gerüchten im Zusammenleben der Menschen? Wir sollen jedoch unseren Blick auf Jesus richten, damit wir herausfinden, welche Botschaft in seinen Aussagen steckt. Zuerst zieht Jesus eine klare Trennlinie zwischen dem weltlichen Königtum und dem Königtum des Gottesreiches: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.“ Jesus macht einmal mehr deutlich, dass das Reich Gottes nichts gemein mit den Gewalttaten unserer Welt zu tun hat. Das Reich Gottes ist der Inbegriff der Befreiung aus allen Formen der >>Elementarmächte<< gegen das Leben der Menschen.

Mutiges Zeugnis für Gottes Anliegen: Der Mut, den Jesus vor Pilatus bewiesen hat, berührt mich sehr tief. Inmitten seiner Auslieferung, die mit seiner Verurteilung zum Tod, steht er grad für die Wahrheit seines Vaters. Ja, er steht grad für Gott, denn diese Wahrheit, die Jesus vertritt, ist Gott selber. Es ist die Wahrheit, die in Jesus ein menschliches Gesicht bekommen hat. Da gibt es einen Spruch, der im Verhalten Jesu aufleuchtet: „Wenn Unrecht zum Recht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht.“ Hören wir noch einmal folgende Worte Jesu zu Pilatus: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ Jesus hatte eine einzige und einzigartige Sendung: für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Ein geistiger Gang durch alle vier Evangelien bestätigt uns, dass Gottes Wahrheit seine unermessliche Liebe zu uns Menschen, die in Jesus Christus greifbar geworden ist. Die Wahrheit Gottes meint immer den konkreten Menschen in seiner Gott gegebenen Würde. Darum warf sich Jesus unentwegt in die Bresche für jeden konkreten Menschen, der durch Krankheit oder Machtmissbrauch unter die Räder gekommen war. Das tut er auch heute noch! Das Königtum Jesu Christi als die Wahrheit Gottes besteht darin, dass er den Menschen nahe ist, um sie aufzurichten. Selig sind die Menschen, die an seinem Königtum teilhaben.

DREIUNDDREISSIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-11-14

DREIUNDDREISSIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2021-11-14

KERNBOTSCHAFT: Dass wir in allen Lebenssituationen die Zeichen der Erlösung in Jesus Christus erkennen.

Trotz aller Signatur menschlich-technologischen Errungenschaften bleibt die Wirklichkeit der Vergänglichkeit unsere größte Herausforderung: Jedes Jahr gegen Ende des kirchlichen Lebenskalenderjahres werden wir zu einer verschärften Achtsamkeit eingeladen. Wir sind mit der Tatsache der Vergänglichkeit konfrontiert. Die gegenwärtige hartnäckige Pandemie lehrt uns in einer anschaulichen Brutalität, wie alles verlierbar ist inklusive unserem Leben. Alle menschlichen Errungenschaften sind zwar staunenswert, aber dürfen uns nicht der Blindheit vor unserer Vergänglichkeit verfallen sein. In der Tat ist es sehr schwer zu sagen, wie viel wir aus der weiteranhaltenden Pandemie gelernt haben. Da warteten schon die meisten Menschen auf die Rückkehr zur Normalität. Jesus hat eine andere Aufgabe für uns: Wir sollen an das kommende Ende denken. Nicht aber die bloße Aufmerksamkeit für die Endlichkeit ist seine Hauptbotschaft. Mitten in diesem Bewusstsein geht es Jesus darum, dass wir unser Leben neu ausrichten, und zwar aus der Perspektive des Kommens des Menschensohnes. Jesu Mahnung war schon im Buch der Psalmen, und zwar im Psalm 90, wo es heißt: „Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz (Vers 12).“ Christliche Kultur der Achtsamkeit liegt allemal jenseits menschlicher Überheblichkeit! Jesu Hauptanliegen ist deshalb sehr unverkennbar: Mitten in allen Erschütterungen und in aller Dunkelheit der gegenwärtigen Weltzeit, richtet euch nach dem, was eine Bleibe hat, was euch Kraft und Hoffnung zu geben vermag: mein Wort.

Trotz Sünde im Raum des Wohlwollens Gottes leben: Fragen wir uns doch einmal, warum uns die von Jesus geforderte Achtsamkeit so schwer fällt. Die Antwort ist nicht schwer zu finden, sie wird jedoch meistens missachtet, verdrängt: die Sünde, die Selbstentfremdung des Menschen vom Ziel seines Lebens – Gott. Gegen diese Sünde brachten die Priester des alten Bundes beständig das gleiche Sühneopfer dar. Die große Freude des Christenmenschen ist aber das Leben Jesu Christi, der ein für alle Mal das rettende Opfer gebracht hat, das einzigartige Opfer seiner Ganzlebenshingabe. „Wo also die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.“ Wenn es in der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Daniel um das Ende und das Endgericht geht, so dürfen wir immer zur Tagesordnung übergehen. Es ist enorm wichtig, dass wir im Zeichen des Endgerichtes leben. Ein solches Bewusstsein hat ungeheuerliche moralisch-ethische Konsequenzen für unser praktisches Leben, wie auch für unsere Weltgestaltung. Darum soll uns nicht die Angst beherrschen, sondern vielmehr das unermessliche Geschenk der Liebe aus der Erlösung durch Jesus Christus. Es steckt so viel Lebensdynamik im Bewusstsein dieses unverdiente Liebesgeschenk!

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