WALLFAHRTSGOTTESDIENST: 2023-04-13

33. MONATSWALLFAHRTSGOTTESDIENST: 2023-04-13

KERNBOTSCHAFT: Mit Maria Geschwisterlichkeit leben.

Die Kraftquelle gelebter Geschwisterlichkeit: Gott hat der gesamten Menschheit, und ganz besonders uns, die wir gläubig geworden sind, seine eigene Möglichkeiten kundgetan, um allen Menschen guten Willens seine väterlich-mütterliche Liebe zu schenken. Halten wir fest: Die Bibel ist wie eine Schatztruhe gefüllt mit wunderbaren Edelsteinen. Hier ist einer von solchen Edelsteine aus dem 1. Timotheus-Brief: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,3-4). Nun sehen wir in Maria eine wunderbare und Mut machende Manifestation solcher Edelsteine. Ihre ganze Haltung und Mission. Von ihr können wir lernen, dass Gott Großes für die Menschheit tun kann, wenn wir von Maria ein Blatt nehmen wollen. Maria war sehr einsichtig und lernte loszulassen. Wir können von ihr die gemeinsame Ausrichtung auf etwas lernen, was viel größer ist als wir selber. Sie hat die sich selbst überschreitende Liebe erkannt und in sich aufgenommen. Es gibt immer einen allgemeinen Gewinn, wo es uns gut gelingt, uns zurückzunehmen. Wo dies gelingt, kommt es zu einer neuen Form der Geschwisterlichkeit, ob nun in der Kirche selber oder in der Gesellschaft. Heute wissen wir jedoch, dass unsere Welt, die nach Frieden hungert, an einem riesigen Mangel an der universalen Geschwisterlichkeit leidet. Sie liegt jedoch in der Heilsabsicht Gottes. Maria ist zu einer biblischen Figur einer Oase des wahren Friedens geworden. Denn der wahre Frieden entsteht in einem offenen Raum zwischenmenschlicher Beziehungen.

Biblische Geschwisterlichkeit wurzelt im Wort Gottes: Unsere zwei Bibelstellen machen anschaulich die großartige Rolle Marias zur Erreichung der von Gott gewollten universalen Geschwisterlichkeit. Schauen wir uns zuerst die „Schocktherapie“ für Maria von ihrem Sohn im Evangelium. Jesus sieht provokant ab von seiner Mutter und zeigt auf alle, die ihm zuhören als seine neue Familie – die Familie Gottes. Ihrerseits Maria auf ihre mütterlichen Ansprüche und befreit sich psychisch-geistig von sich selbst als Mama. Wie schwer muss ihr dieser Schritt gefallen sein! Sie hat aber die von ihrem Sohn Jesus gewollte neue Familie Gottes zur Kenntnis genommen. Sie hat realisiert, dass die Heilsgeschichte, die sich in ihrem Sohn erfüllt, viel größer ist als Familienbindungen. Sie hat es verstanden, dass Jesus alle Menschen zu Gott führen wollte. So ist Maria zu einem unverzichtbaren Pfeiler bei der Ausformung der neuen universalen Geschwisterlichkeit im Sinne Jesu geworden. Indem sie Raum geschaffen hat, ist sie zum Symbol des Zusammenhalts geworden. Ähnlich verhält es sich in der Apostelgeschichte nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu. Sie hat die traurigen und desillusionierten Apostel mit ihrer mütterlichen Liebe zusammengehalten. Maria gehört unzertrennlich zu allen Bestrebungen der Kirchenerneuerung mit dazu. Ist sie doch ein wunderbares Kirchenmodell, wie uns das zweite Kapitel der Apostelgeschichte schildert. Darum kann ich am Ende meiner Predigt sagen: „Maria mit dem Kinde, uns allen deinen Segen gib!“

OSTERGOTTESDIENST_MS KENYONGASSE WIEN: 2023-04-12

OSTERGOTTESDIENST – MS KENYONGASSE 7. BEZIRK WIEN: 2023-04-12

KERNBOTSCHAFT: Aus der Kraftquelle der Auferstehung Visionen für das [Zusammen]Leben entwickeln.

Gott ist höchstpolitisch: Welches Gottesbild trägst DU tief im Herzen, ja, tief in DEINER Seelenlandschaft? Natürlich bin ich diesbezüglich ganz ahnungslos! Dennoch möchte ich mit euch, ja, ganz persönlich mit DIR ein ganz kleines Stück von meinem Gottesbild teilen, und das mitten in der Osterzeit. Ich mache die Erfahrung, dass Gott ein Gott der Überraschungen und der Provokation. Die ganze Bibel ist voll davon, wie Gott die großen Vorlieben der Menschen komplett auf den Kopf gestellt hat. Darin war Jesus ein unübertrefflicher Meister! Aber bevor wir uns diese göttliche Provokation anschauen, darf ich euch / DIR wohl eine ganz persönliche Frage stellen: Hast DU eine Vision oder Visionen? Was ist/sind sie genau? Mir gefällt wahnsinnig die Vision des Apostels Petrus. Er durfte nicht diskriminieren. Er musste lernen, „dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf“ (Apg 10,28). Von seiner Vision her legte er ein wunderbares Bekenntnis ab: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist“ (Apg 10, 34).

Die Auferstehung meint DICH: Es ist durchaus möglich, dass DU DICH fragst, ob denn die Auferstehung wirklich ist. Ich glaube selber nicht, dass es sehr einfach ist, an die Auferstehung zu glauben. Diese Erfahrung des Zweifels machte auch der große Apostel Paulus mit den Menschen in Areopag, denen er die frohe Botschaft der Auferstehung verkünden wollte (Apg 17). Sache ist dennoch, dass es zu wenig ist, nur mit dem Kopf die Wirklichkeit der Auferstehung „begreifen“ zu wollen. Man muss mit dem Herzen glauben und sich darauf einlassen. Die Auferstehung Jesu Christi meint DICH und mich. Du fragst mich, wie ich das meine? In ihrer tief traurigen Sorge um den Leichnam Jesu sprach der auferweckte Jesus Maria von Magdala mit einer intimen vertrauten Stimme an: „Maria!“ Zugleich erkannte sie ihn und erwiderte mit einer großen Vertrautheit: „Meister!“ Aus dieser intimen Vertrautheit ist eine großartige Sendung geworden: „Geh aber zu meinen Brüder und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17). Möchtest auch DU DICH vielleicht mit Jesus in der Kraft seiner Auferstehung vertraut machen? Ja, immer vertrauter machen? Ich bin davon überzeugt, dass die Auferstehung Jesu Christi auch DICH meint, und zwar in DEINER ganz konkreten Lebenssituation; genauso, wie DU bist. Denn Jesus ist unendlich größer als DEIN Zweifel, viel größer als DEINE Ängste. Wenn DU es wirklich WILLST, kannst und wirst DU immer mehr und immer intensiver erkennen, dass und wie die Auferstehung auch in DEINEM eigenen Leben erfahrbar wird. In einer Welt und in der eigenen Gesellschaft, in der es in der Politik zur verschleierten und offensichtlichen Anfeindung zunehmend kommt, lade ich gerade DICH mit diesen Worten, die ich von einem 17-jährigen Burschen bekommen habe, zum Glauben an die Auferstehung ein: Alle auf den Namen Jesu Christi Getauften sollten unermüdlich versuchen, mit Gottes Hilfe und seinem „Spirit“ die Welt zu einem besseren Ort machen.“

OSTERMONTAG 2023-04-10

OSTERMONTAG: 2023-04-10

KERNBOTSCHAFT: Mit einem offenen und hörenden Herz ist uns der auferweckte Jesus Christus nahe.

Es gibt Erinnerungen, die das Herz erwärmen: Ich lade dich / euch zu einer kurzen Reflexion über zwei mir scheinende Aussage bei der Konversation der Emmausjünger mit dem auferweckten Jesus. Da heißt der erste Satz: „Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.“ (Lk 24,16) Die zweite Aussage kommt der ersten nahe: „Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.“ (Lk 24,25) Der auferweckte Herr tadelt also die zwei Jünger ob ihrer Unverständigkeit. Mit kommt vor, dass er ihre Unfähigkeit zur Erinnerung tadelt. Schon während er herumging und die frohe Botschaft vom Reich Gottes verkündete, warf er den Pharisäern und den Schriftgelehrten das „verstockte Herz“ vor. Nun gilt auch seinen eigenen Jüngern diese Herzensverstocktheit nach seiner Auferstehung. Was bedeutet uns der Tadel des Auferstandenen?

Die christliche Verkündigung braucht ein gläubiges Herz: Gerade die Worte Jesu an die Emmausjünger erinnern mich an das einzigartige Gebet des jungen Königs Salomon bei seiner Inthronisation: „Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein. … Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!“ (1 Kön 3,7b.9a) Wir können vom König Salomon lernen, dass es im Leben gerade auf die Weisheit des Herzens ankommt. Was das Herz tief berührt, kann nicht mehr leicht in Vergessenheit geraten. „Begreift ihr denn nicht?“ Wir können es auch so verstehen, dass die Verkündigung Jesu die zwei Jünger nicht wirklich erreicht hat; dass seine Worte nur in ihrem Kopf geblieben sind. Das ist allerdings zu wenig für das Verständnis der Heilsgeschichte! Eine ähnliche Unverständigkeit begegnet uns bereits im ersten Kapitel der Apostelgeschichte bei der Himmelfahrt Jesu Christi. Da fragten ihn die Apostel: „Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ (Apg 1,6) Die Antwort des auferstandenen Herrn ist wieder sehr bezeichnend für das hörende Herz: „Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird.“ (Apg 1,7b-8a) Es ist aber der Heilige Geist, der das Herz berührt und öffnet für das Verständnis der Heilsgeschichte. Schwestern und Brüder, das Leben aus dem Glauben in unserer Gesellschaft braucht unbedingt das hörende Herz! Mit Antoine de Saint-Exupéry wollen wir darum die Osterwirklichkeit in unserem Leben ankommen lassen: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Der auferstandene Jesus Christus möge unsere Herzen jeden Tag von neuem berühren! Wie bei den Emmausjüngern ist es vor allem beim Brotbrechen, dass das Auftauen des Herzens geschehen kann; die Erschließungskraft der Eucharistiefeier.

OSTERSONNTAG_FAMILIENGOTTESDIENST: 2023-04-09

OSTERSONNTAG (A). FAMILIENGOTTESDIENST: 2023-04-09

KERNBOTSCHAFT: Das schönste und wichtigste Fest im Leben der Christen*innen erinnert uns an das Weizenkorn.

Der Glaube an Gott ist der Glaube an die Auferstehung: Liebe Kinder, liebe Familien, liebe Auferstehungsgemeinde! Wir feiern Ostern in Freude – alljährlich. Es ist jedoch gar nicht so einfach, an die Auferstehung Jesu Christi zu glauben! Sie übersteigt unendlich unseren menschlichen Verstand. Der Apostel Paulus wusste persönlich ein Lied davon zu singen, als er den Menschen damals von der Auferstehung erzählte (Apg. 17). Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es in unseren Tagen schon vielen Menschen leichter fällt, an die Auferstehung Jesu Christi, und, an die Auferstehung der Verstorbenen zu glauben. Bevor wir an die Auferstehung Jesu Christi glauben können, müssen wir aber zuerst daran glauben, dass er der Sohn Gottes ist und dass für Gott nichts unmöglich ist. (Lk 1)

Jesus selbst kann uns helfen, an die Auferstehung zu glauben: Liebe Kinder, liebe Familien! Es gibt das große Wunder der Natur, das uns längst allzu selbstverständlich geworden ist. Es wird Frühling und die Kraft der Natur sorgt dafür, dass viele Pflanzen wieder aufsprießen und aufblühen. Wir können und dürfen staunen lernen! Jesus selbst liebte die Bilder der Natur. Mit einem solchen Bild spielte er auf die Wirklichkeit der Auferstehung, auf seine Auferstehung. Er sagt uns, dass wir die Erfahrung der Auferstehung mitten im Leben machen können. Er verwendete das Bild, das uns sehr vertraut ist: das Weizenkorn. Hören wir diese Worte Jesu im Evangelium nach Johannes: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wir auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren“ (12,24-26). Ein wunderschönes Lied im Gotteslob erklärt uns noch einmal das große Geheimnis des Weizenkorns: „Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt; wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt“ (GL 210,4). Möge es DIR und mir gut gelingen, mitten im Alltag die Auferstehung zu leben.

OSTERNACHT 2023

OSTERNACHT 2023-04-08

KERNBOTSCHAFT: Die Macht der Liebe geht über unseren irdischen Tod hinaus. Darin besteht die wahre christliche Hoffnung.

Gott suchen und finden in der Nacht unseres Lebens: Liebe Auferstehungsgemeinde! Wir feiern nicht irgendetwas in dieser Nacht. Wir feiern unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Diese Nacht ist eine Nacht, in der ein Licht aufleuchtet, das viel mächtiger ist als alle Dunkelheit. Wie viel Dunkelheit kennt unser Leben? Wir alle, wir machten und haben unsere unterschiedlichen Erfahrungen von der Dunkelheit der Seele. „Wir kennen die Schatten, die das Leben einengen, die uns nicht weiterkommen lassen. In ihnen erstirbt uns die Hoffnung und Lebensfreude.“ Hier ist jedoch die wahre christliche BotschaftGott hat alles Dunkel unserer Existenz in seine Liebe aufgenommen und verwandelt in eine kraftvolle Zukunft. Jeden Tag geschehen Wunder eines neuen Lebens.

An die Zukunft Gottes glauben: Liebe Auferstehungsgemeinde! Wir Christinnen und Christen sind Menschen der Zukunft, die aus der Kraftquelle der überschüssigen Liebe Gottes das Leben der Gegenwart sinnvoll gestalten. Ein Bibeltext des Apostels Paulus bei den Begräbnissen hebt das unterscheidend Christliche hervor: „Trauert nicht, wie die andern, die keine Hoffnung haben!“ (1 Thess 4,13). Wir müssen diese Nacht frohgemut feiern, denn es geht um die unübertreffliche Substanz unseres Glaubens. Paulus klärt uns auf: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube. … Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.“ (1 Kor 15,14.17) Leben und lieben wir diesen Glauben! Schöpfen wir immer neu unsere Lebenskraft aus der Kraftquelle der Auferstehungshoffnung!

DRITTER ADVENTSONNTAG (A): 11.12.2022

DRITTER ADVENTSONNTAG (A): 2022-12-11

KERNBOTSCHAFT: Wenn die Verheißung zur Gegenwart wird, verlangt sie von uns eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Den erwarteten in vielen Zeichen seiner Gegenwart entdecken: Wenn unsere Erwartung ganz groß ist und wir von ihrer Dynamik ganz durchdrungen sind, kann es passieren, dass wir mit dem Erwarteten einseitig werden und andere wesentliche Dinge übersehen und versäumen. Tiefe Sehnsüchte können uns dermaßen in Anspruch nehmen, dass wir den Blick auf andere wichtige Perspektiven verlieren. Wenn die Erwartung auf das Erwartete überfixiert ist, kann es auch zur Unfreiheit führen. So möchte ich die Haltung des Täufers Johannes an diesem Sonntag sehen. So groß war seine Erwartung, dass er, bedrängt vom Gefängnis, den verheißenen und angekommenen Messias immer noch erwartete. „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Die Erwartung des Johannes hat aber begonnen, sich zu erfüllen, er erkannte die Zeichen dieser Erfüllung dennoch noch nicht. Jesus beruhigte allerdings die Jünger des Täufers und erteilte ihnen diesen Auftrag für ihren Lehrer: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.“ Es heißt auch: Selig ist, wer mir als Gottessohn und Erlöser vertraut! Das Paradoxon ist, dass das Erwartete gegenwärtig voll im Gang war, wurde jedoch nicht erkannt. Das kann auch uns in unserem alltäglichen Leben passieren.

Was uns nottut, ist die Haltung des Bauers: Der Apostel Paulus sagt uns, welche Grundhaltung am besten angemessen ist, wenn wir auf den Herrn warten. „Haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn!“ Es kann ja leicht passieren, dass wir unsere allgegenwärtige Ungeduld im täglichen Leben in die adventliche Haltung hineinnehmen. Das wäre aber sehr schade, denn dann würde das Fest der Geburt des Menschenerlösers an uns vorbeigehen, ohne dass wir sagen können: Der Herr ist bei mir angekommen; er hat mich tief berührt und mich mit innerer Freude erfüllt. Paulus gibt uns ein ganz natürliches Beispiel in die Hand, wie wir uns auf das Hochfest von der Geburt des Herrn richtig vorbereiten: „Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig auf sie, bis Frühregen oder Spätregen fällt. Ebenso geduldig sollt auch ihr sein; macht eure Herzen stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.“ Das „starke Herz“ ist aber ein allzeit aufnahmebereites Herz; ein Herz, das standhaft ist in der Liebe. Zu einem solchen Herzen passen alsdann diese wunderbaren Worte der Verheißung des Propheten Jesaja: „Die vom HERRN Befreiten kehren zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entliehen.“ Fürwahr eine adventliche Erwartung und Haltung!

HOCHFEST MARIÄE EMPFÄNGNIS (A): 08.12.2022

HOCHFEST DER OHNE ERBSÜNDE EMPFANGENEN JUNGFRAU MARIA (A): 2022-12-08

KERNBOTSCHAFT: In Gott findet sich und wächst unsere wahre menschliche Identität.

Gott antwortet selber auf die Frage aller menschlichen Fragen: Die christliche Botschaft, die in diesem Hochfest der Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria steckt, ist so mannigfaltig, dass ich ausschließlich unsere Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken will, das uns alle massiv angeht und meistens die Wurzel unserer existenziellen Probleme ist. Die bohrende Frage, die Gott dem Adam stellt, beschäftigt mich immer wieder sehr intensiv. Sie ist zu einer Grundorientierung in meinem persönlichen Leben geworden: „Adam, wo bist du?“ Es geht nicht um Örtlichkeit, um einen konkreten Platz. Gott fragt Adam, woher und wie er seinen Standpunkt im Leben bezieht. Was machst du aus deinem Leben und wonach orientierst du dich überhaupt. Adam hat seine Lebensorientierung in Gott verwirkt. Das größte Problem des ersten Menschen war die Selbstentfremdung und die Kirche nennt sie die >>Erbsünde<<; einen allgemeinen und wesenseigenen Hang zur Selbstentfremdung. Die Lehre darüber, dass Gott aus seinem Ur-Willen Maria vor der >>Erbsünde<< bewahrt hat, ist eine wesentliche Grundaussage unseres Glaubens. „Gott setzt in Maria einen radikalen Neuanfang in seiner Geschichte mit den Menschen und unterbricht durch seine Menschwerdung den Kreislauf des Bösen.“ Es gibt in allen Menschen den grundlegenden Anhang zum Bösen. Es war Gottes eigenes Recht, Maria davor zu bewahren. Darum ist Maria die Ersterlöste und zugleich das Urbild der Menschheit. Denn gerade an ihr wird sehr deutlich, wie der Schöpfergott den von seinem Ursprung her gemeint hat. Wir dürfen also in Maria schauen, was Gott mit uns vorhat.

Was trauen wir Gott überhaupt wirklich zu? : Manches Mal kommt es mir allzu lächerlich vor, wenn Menschen, die an Gott zu glauben meinen, sich so behaupten, als wüssten sie immer schon, was Gott kann und wie er das, was sie ihm zubilligen, können sollte. Hören wir [noch einmal] diese wunderbaren Worte des Apostels Paulus: „Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.“ Ob dies nicht eine unvergleichliche Ermutigung für unser ganzes Leben ist?! „Adam, wo bist du?“ Auf welchem unerschütterlichen Fundament steht dein Leben? Ich teile allzu gern einen Vers aus Psalm 139, der zu meinem wichtigsten Lebensanker gehört: „Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewogen im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin.“ Lassen wir doch einmal in einer kurzen Stille die ganze Bedeutung dieser Worte in unsere Seelen sinken! [Wiederholung des Zitats!) Schwestern und Brüder, das ist Gott für dich und für mich. Das war Gott für Maria. Gott handelt nicht nach unserem Vernunftkalkül. Vielmehr handelt er nach seinem wohlwollenden Heilswillen. Es möge uns stetig gut gelingen, dass wir in das wunderbare Geheimnis des göttlichen Willens hineinwachsen. Es heißt, dass wir wie Maria immer wieder sagen: „Sie ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

ZWEITER ADVENTSONNTAG (A): 04.12.2022

ZWEITER ADVENTSONNTAG (A): 2022-12-04

KERNBOTSCHAFT: Es gibt eine Hoffnung, die Mensch und Welt nicht verlässt, weil sie aus Gott ist.

Bilder der Hoffnung im Herzen bewahren: Mitten in allen negativen Nachrichten und Schreckensbildern, die auf uns prasseln und eine pessimistische und depressive Stimmung in unseren Seelen verursachen, brauchen wir erbauliche Kontrastbilder, Bilder der Hoffnung, kleine und große Hoffnungszeichen. An diesem zweiten Adventsonntag werden wir reichlich mit solchen Bildern der Hoffnung bedient. Was uns im 11. Kapitel des Buches des Propheten Jesaja verkündigt wird, entspricht unserer tiefsten verborgenen Sehnsucht: Es möge endlich der Friede herrschen unter den Menschen und Völkern; die Umwelt, die gute Schöpfung Gottes möge geheilt werden. In den unglaublichen und märchenhaften Bildern der ersten Lesung erkennen wir die Urabsicht Gottes für uns und unsere Welt. Ja, Gottes Traum für Welt und Mensch möchte wahr werden. Dieser Traum ist unsere Hoffnung und erfüllt sich im Reis, das aus dem Baumstumpf Ísais hervorwächst. Ein junger Trieb aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Gerade dieses Bild macht Mut. Vielleicht versuchen wir einmal still zu werden und in dieser Stille des Herzens uns zu fragen, was denn unsere tiefste Sehnsucht ist. Wir brauchen eine von Gott gewollte und eingesetzte Kraftquelle, wenn wir am Boden liegen. Diese üppigen Bilder sagen uns, dass eine alternative Welt, ein alternatives Zusammenleben der Menschen möglich ist gegen alle Formen der Gewaltorgien und Machtmissbräuche dieser Welt.

Der Friede braucht eine Umkehr: Schwestern und Brüder! Wenn wir ein schöneres und sinnvolleres Leben haben wollen als in unserer Welt gegenwärtig möglich ist, müssen wir schon auf die Stimme des Herrn hören und unsere innere Haltung ändern. Wir müssen uns auf das Wort des Johannes einlassen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. … Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!“ Auf die konsequente Nachfolge Jesu kommt es an, wenn die Christen und Christinnen diese Welt friedvoller und sinnvoller mitgestalten wollen. Der Apostel Paulus wusste, dass die Weltveränderung innerhalb des Kreises der Jünger und Jüngerinnen Jesu Christus zu beginnen hat. Er unterstrich die hohe Bedeutung der Schrift, wenn der Glaube wahre Früchte tragen sollte. Für ihn war und ist das Gottvertrauen unentbehrlich: „Der Gott der Geduld und des Trostes aber schenke euch, eines Sinnes untereinander zu sein, Christus Jesus gemäß, damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einmütig und mit einem Munde preist. Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!“ Jesus Christus ist darum die Quelle der Hoffnung und des Friedens. Dies zu begreifen, heißt adventlich zu leben.

ERSTER ADVENTSONNTAG (A): 27.11.2022

ERSTER ADVENTSSONNTAG (A): 2022-11-27

KERNBOTSCHAFT: Dass wir mit Gott von seinem Weltfriedensinitiative träumen und glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen von ihr werden. Das soll unsere Herzen erwärmen.

Herzerwärmender Aufbruch zur Hoffnung in Wort und Tat: Ganz nüchtern beschreiben die österreichischen Bischöfe in ihrem Hirtenwort zum Advent 2022 die allgemeine negative Stimmung hierzulande: „Verunsicherung, Ängste und das diffuse Gefühl, einer schwierigen Zukunft entgegenzugehen, prägen das Leben vieler Menschen in unserem Land.“ Diese negative Stimmung betrifft allerdings nicht ausschließlich Österreich! Die zentrale Botschaft der Bischöfe findet ihren Anklang in unserer ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja: „Werft eure Zuversicht nicht weg!“ Der Prophet sagt: „Der Berg des Hauses des HERRN steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Nationen. Viele Völker gehen und sagen: Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des HERRN und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen.“ Diese Worte sind „aufregend und schön“ Sie erzeugen Wärme tief im Herzen. Etwas Schöneres kann aus unserem Leben und aus unserer Welt werden, als wir gegenwärtig erleben! Der Apostel Paulus ist auch davon überzeugt, dass etwas Schönes möglich ist: „Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.“ Dann gibt er uns allerdings die Voraussetzungen für das Werden des Schönen: „vom Schlaf aufzustehen“, „ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“, „ehrenhaft leben wie am Tag“; vor allem, „den Herrn Jesus Christus anziehen“. Paulus sagt uns, worin die Kraftquelle für ein Leben voller Licht liegt.

Mitgefühl und Wachsamkeit werden unser Leben und unsere Welt verändern: Das ermutigende Wort der österreichischen Bischöfe zum Advent 2022 „Werft eure Zuversicht nicht weg!“ hat seine Bestätigung bei Jesus im Evangelium. Jesus ermutigt uns, stets auf das göttliche Zeichen der Hoffnung zu achten, auf „das Zeichen des Menschensohnes am Himmel“. Advent ist die Einladung an uns, wachsam zu sein für das heilende und trostreiche Kommen des Gottessohnes in unserem Leben. Sein Kommen erhellt unser Leben, zwar gerade in den dunklen Stunden unseres Lebens. Advent ist eine besondere Zeit der inneren Einstellung und Umstellung. Meine Lehrtherapeutin Elisabeth Lukas beschreibt den Advent folgendermaßen: „Der Advent ist genau der richtige Moment, um die Zukunftsangst, die heute im Aufwind ist, gegen ein Zukunftsvertrauen auszutauschen, das auf dieser Hoffnung auf inneres Fortschreiten gründet.“ (Sonntag, Nr. 47, 27.11.2022) Möge diese große Hoffnung, die uns in allen drei Lesungen verkündet wird, uns allen zuteilwerden!

30. MONATSWALLFAHRT FATIMA_13.07.2022

30. FATIMA MONATSWALLFAHRTSGOTTESDIENST: 2022-07-13

LEITTHEMA: „Mit Maria aus der Kraft des Glaubens das Leben meistern“

Unser Glaube an Gott wird erprobt an bestimmten Grenzerfahrungen: Der christliche Glaube kann sehr strapaziert werden, ja, sogar ist er manches Mal überstrapaziert. Immer wieder, wenn ich die herausfordernden Situationen mancher Menschen wahrgenommen habe, kam mir eine ergreifende und erschütternde Szene beim Musical „Anatevka“ der Hauptdarsteller Karl Merkatz aus spürbarer Verzweiflung im Angesicht eines Pogroms gegen das jüdische Volk aus voller Kehle geschrien hat: „Wann hörst DU auf mit DEINEN Katastrophenveranstaltungen? Der Glaube an DICH ist mein Untergang!“ Denken wir in diesem Zusammenhang an Hiob, der den Tag seiner Geburt verflucht hat! Es gibt einfach die „Schmerzgrenze“ (Joachim Bauer) der Leidenserfahrung für uns Menschen. Versagt uns der Glaube nicht in solchen Situationen? Sollte aber nicht gerade der Glaube an Gott einem verzweifelten Menschen einen Halt geben? Was trägt denn noch, wenn der Glaube an Gott nicht mehr trägt? Welcher Glaube trägt aber nicht mehr? Wie glauben wir, die wir zu wissen meinen, dass wir glauben?

Maria vertraute weiterhin in Gottes Vorsehung und Liebe am Fuß des Kreuzes: Nichts bricht einer Mutter das Herz, wie das Kind, das sie geboren hat, sterben zu sehen. Diese menschliche Erfahrung galt auch Maria, der Mutter Jesu. „Ein Schwert wird durch deine Seele dringen“; das erlebte sie gerade und besonders am Fuß des Kreuzes, auf dem ihr Sohn starb. „Die Kraft des Glaubens hat mir geholfen.“ „Herr Pfarrer, wenn ich meinen Glauben nicht hätte, wüsste ich nicht, was tun.“ So sprachen und sprechen immer wieder Menschen. Solche Menschen, die im Leben etwas erlitten haben, haben uns „etwas“ zu erzählen. Sie sind eine Art Hochschule des Lebens. Das ist aber Maria, die Mutter Jesu, in einer unübertrefflichen Weise. Sie bewahrte alles in ihrem Herzen, kraft ihres Vertrauens auf Gott. Ihre Erinnerungen an die Botschaft des Gottes Engels an sie waren ihr sicherlich eine unversiegbare Quelle der Kraft, des Durchhaltens mitten in einer offensichtlichen Verzweiflung. Mit Maria können wir lernen: Wenn wir Halt in Gott finden, fängt trotz allem das Leben an anders wieder aufzublühen. Es ist schon wichtig, dass wir die richtige Einstellung zum Glauben an den Gott Jesu Christi entwickeln und vertiefen. Denn dieser Glauben nimmt uns kein Leid weg. Er trägt uns jedoch durch das Leid hindurch. Das ist das tiefsinnige christliche Glaubensverständnis nach dem Hebräerbrief: „Der Glaube ist das Feststehen in dem, was man erhofft, und Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.“ (Hebr 11,1) Das ist gerade das Zuvor bei Maria, das ihr geholfen hat, mitten im Leid nicht unterzugehen. Der christliche Trost aus dem Glauben lautet also: Der Mensch ist vor Gottes Angesicht nicht verloren, denn es gibt das „Danach“, welches in seiner unwiderruflichen Zuwendung besteht. Mögen wir nie ohne das Bewusstsein der göttlichen Zuwendung sein!

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