ACHTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 03.03.2019

ACHTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-03-03

KERNBOTSCHAFT: Jesus zeigt uns den Weg zum wahren Glück, indem er das Gute und Schöne in allen Menschen sieht und fördert.

Eine geistige Erneuerung tut unserer gegenwärtigen Gesellschaft Not: Meine Wahrnehmung sagt mir, dass unsere gegenwärtige Gesellschaft, inklusive der Kirche, eine gute Portion geistiger Erneuerung dringend bedarf. Jesus hat in allen seinen Lehren die Absicht gehabt, den Menschen größer zu machen als er war, ihn in die unmittelbare Nähe Gottes zu führen. Dabei waren ihm bestimmte Grundhaltungen unentbehrlich. Von solchen Grundhaltungen hörten wir am vergangenen Sonntag bei Jesu Aufforderung, auf das Urteilen zu verzichten. Jesus erweitert die Mahnung im heutigen Evangelium, wenn es um die Kritik geht. Warum aber ist das Urteilen für uns ungesund? „Das Urteilen verschafft uns keine Ruhe. Denn indem wir den andern verurteilen, spüren wir unbewusst ja doch, dass wir auch nicht perfekt sind. So ist der Verzicht auf das Urteilen und Richten ein Weg zum inneren Frieden mit uns selbst. Wir lassen die andern sein, wie sie sind, und können auf diese Weise auch wir selber sein.“ Die Selbstkritik ist für Jesus die beste geschwisterliche Korrektur. Nur wenn wir bei uns selbst richtig sind, können wir bei unseren Mitmenschen sein, sei es nun es nun in der helfenden Kritik oder in der Wertschätzung.

Es ist gut, unsere verbohrten Selbstverständlichkeiten und Einstellungen neu zu [be]denken: Die Frage bringt uns zum Nachdenken: Bringt wirklich jeder guter Baum immer gute Früchte? Was ist mit den besten Frauen und Männern in den Beziehungen, wie sie angepriesen werden, die jedoch im Laufe der Zeit zu Beziehungstyrannen werden? Was ist denn mit Kindern und Jugendlichen aus dem guten Hause, die für sich selbst und für die anderen asozial geworden sind? Kann denn ein guter Baum noch gute Früchte hervorbringen, wenn es vom Himmel Hagel regnet? Wenn eine Hitzewelle alles verdorrt? Wenn eine Überschwemmung alles hinwegrafft? Ich glaube nicht, dass Jesus an solche negativen Umwelteinflüsse gedacht hat. Unbeschadet dieser negativen Realmöglichkeiten bleibt die Perspektive Jesu der Gottesoptimismus. Seine Botschaft ist eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung. Jesus lädt uns zur kritischen Selbstachtung ein. Ihm liegt daran, dass wir die guten Bäume sind, die gute Früchte hervorbringen. Er weiß aber auch, dass dies durchaus möglich ist. Es ist jedoch unverzichtbar, dass wir diese Bäume gut pflegen, die wir selbst sind.

SIEBENTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): KLOSTER

SIEBTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-24

Messfeier im Kloster der Benediktinerinnen der Anbetung

KERNBOTSCHAFT: Jesus, der Sohn Gottes und Menschenfreund sieht den Menschen aus der Perspektive Gottes und führt jeden Menschen zum Bewusstsein seiner wahren Größe.

Grenzerfahrung in der Bibel: Überfordert uns Menschen nicht die Botschaft der Bibel? Können wir den Forderungen Gottes überhaupt entsprechen? Drängt uns das Wort Gottes nicht oft bis an den Rand unserer menschlichen Möglichkeit? Dieses Gefühl habe ich immer noch jedes Mal, wenn ich diese Passage im Lukasevangelium höre und lese. Mitten in diesem Gefühl der Grenzerfahrung tauchen andere Fragen bei mir auf: Woran können wir die wahre Größe eines Menschen merken? Wie können Menschen zum Segen für ihre Gesellschaft werden? Worin lässt die Würde des Menschen [neu] definieren? Alle diese Fragen meinen uns als Christinnen und Christen. Darum ist auch die Frage berechtigt: Worin unterscheiden sich die Christinnen und Christen von allen anderen Menschen?

Auf die Haltung kommt es an: Immer wieder staune ich über das Verhalten von David und es berührt mich tief in meinem Seelengrund. Der König Saul war entschlossen, David aus Angst vor Machtverlust und aus Eifersucht zu töten. Er verfolgte ihn überall und machte ihn zu einem Flüchtling. Abischai, der mit David auf der Flucht war, erkannte die Gunst der Stunde, die David nachhaltig Ruhe verschafft hätte: „Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert.“ David dachte und handelte allerdings anders aus einer tieferen Einsicht: „Bring ihn nicht um! Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhoben und ist ungestraft geblieben?“ Seine innere Haltung ist sein Gottvertrauen: „Der HERR wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.“ Davon ist Jesus im Evangelium überzeugt. Zu diesem Vertrauen lädt er seine Jüngerinnen und Jünger ein. Gewalt erzeugt in der Regel immer mehr Gewalt. Jesus fordert die Menschen in seiner Jüngerschaft keineswegs dazu auf, sich der Gewalt blindlings auszuliefern. Aber er fordert sie dazu auf, die Gewaltkette mit der inneren Waffen der Gotteskraft zu brechen. Wie soll das denn gelingen?

Auf die höhere Bewusstseinsebene im Leben kommt es an: Es war sicherlich nicht immer leicht mit solchen Konfliktsituationen in der Urkirche. Der Apostel Paulus musste sich des Öfteren den bewegten Fragen seiner Gemeinden stellen. In allen schwierigen Situationen lebte er selbst von der unbesiegbaren Macht des Lebens Jesu Christi, die ihm zuteil geworden war. Das drückte er in diesem schönen Bild in unserer zweiten Lesung aus: „Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.“ Bei allem, was wir tun, sollen wir also an das Himmlische in uns glauben. Dieses Bewusstsein macht den großen Unterschied! Für Jesus hat dieses Bewusstsein ein großes Ziel. Es geht um eine gottähnliche Vollkommenheit: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Und es geht um die Lebensfülle: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.“ Wir sind für Größeres geschaffen – in Christus! Dabei ist Gottes Gnade unsere Kraft.

SIEBENTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C):

SIEBTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-24

Familiengottesdienst zur Vorstellung der Erstkommunionskinder

LEITGEDANKE: „Willkommen in unserer Mitte“

Sehnsucht nach Zugehörigkeit: Liebe Erstkommunionkinder! Zusammen mit euren Eltern habt ihr euch allen Menschen in dieser Kirche, in diesem Gotteshaus, vorgestellt. Warum und wozu ist es wichtig, dass ihr euch den Gemeindemitgliedern vorgestellt habt? Zuerst ist es wichtig, dass wir einen eigenen Namen haben; wir sind wir und niemand kann uns ersetzen; niemand hat mein Gesicht und niemand meine Stimme. Wenn sich Menschen nahe und zum Austausch kommen, dann ist es sehr wichtig, dass sie einander vertraut werden. Dann verlieren sie Berührungsängste. Und wozu ist es wichtig, dass ihr euch unserer und eurer Kirchengemeinde vorgestellt habt? Es gibt eine Ur-Erfahrung des Menschen, die ihn krank macht, wenn er sie nicht macht: die Erfahrung der Zugehörigkeit. Jeder Mensch will wissen, wo er hingehört. Wo er hingehört, ist aber der Ort seiner Geborgenheit, der Ort seiner vollen Entfaltung als Mensch, der Ort seiner Freude und Hoffnung.

Unsere biologische und geistige Familie ist sehr wichtig für unser Menschsein: Liebe Kinder! Ich freue mich sehr für euch, dass ihr wunderbare Familien habt. Es ist gar nicht so für viele Kinder, Jugendlichen und Erwachsene. Eine gute Familie, in der die Menschen für einander da sind, ist die schönste Heimat. Zu ihr kehren wir immer wieder zurück, um Liebe, Freude, Kraft und Zuversicht ohne Rechnung zu empfangen. Das ist nun unsere Zugehörigkeit durch die Geburt. Es gibt aber eine andere Geburt hinein in eine viel größere Familie. Es ist eine geistige Geburt, eine neue Geburt in Gott, der eine kraftvolle Gemeinschaft ist; ER hat alle Menschen durch die Macht seines Wortes erschaffen, er hat sich als einen Menschen unter den Menschen gezeigt (Gott ist Jesus und Jesus ist Gott), und Gott führt die Menschen zusammen zu einer großen Familie durch seinen lebendigen Geist. So versteht sich Kirche. Ich liebe diese Kirche, weil alle Menschen ohne Ausnahme dazu gehören können. Die Mitte ist Jesus Christus, Gottes Sohn und Menschenfreund. Es ist schön, dass wir zu Jesus Christus gehören. Aber kennen wir ihn wirklich? Deshalb müssen wir seine Frage sehr ernst nehmen: „Ihr, die ihr zu mir gehört, wer bin ich eigentlich für euch?“ Wer Jesus kennt und liebt, verzichtet auf Gewalt. Liebe Kinder! Unsere zweite Geburt hinein in die Kirche hat in der Taufe begonnen, im Taufbrunnen. Das ist der Brunnen der Liebe, die Gott selbst ist. Aber schön ist es sicherlich nicht in einer Familie, die nicht zusammenkommt; in einer Familie, die nicht gemeinsam isst, trinkt und feiert. Wir sagen nun gemeinsam zu Jesus: Willkommen in unserer Mitte!

SECHSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-17

SECHSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-17

KERNBOTSCHAFT: Der Gott des Bundes, der Gott der Auferstehung, ist der untrügliche Halt in unserem Leben. Mit ihm kann unser Leben gut gelingen. In ihm können wir Großes in dieser Welt vollbringen.

Die Lebensverhältnisse unter den Menschen sind Gott nicht gleichgültig: Der biblische Text aus dem Buch des Propheten Jeremia und die Version der Seligpreisungen nach Lukas nehmen die Wirklichkeit der Beziehungen unter den Menschen in den Blick. Erbaulich und hoffnungsvoll sind sie auf alle Fälle nicht. Ob nun beim Gott des Propheten Jeremia oder bei Jesus im Evangelium, das Ergebnis der Wahrnehmung ist gleich: Bestürzung. „Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt und dessen Herz sich abwendet vom HERRN. Er ist wie ein Strauch in der Steppe, der nie Regen kommen sieht; er wohnt auf heißem Wüstenboden, im Salzland, das unbewohnbar ist.“ Das ist überhaupt kein ermutigendes Menschenbild! Was steckt hinter diesem negativen Menschenbild? Der englische Philosoph Thomas Hobbes, hatte auch kein besonders schönes Menschenbild: homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Sind wir Menschen denn wirklich so schlecht? Sind die Beziehungen unter uns voller Misstrauen und Enttäuschungen? Lohnt es sich, auf Menschen zu bauen? Kennen und machen wir selber keine Erfahrungen von guten Beziehungen? Worum geht es also bei diesem sehr negativen Menschenbild? Vielleicht hilft uns diese Frage weiter nachzudenken: Ist es vernünftig, etwas Bleibendes in einer vergänglichen Welt zu erwarten? Jeder und jede von uns wird wohl für sich selbst festhalten: Dass es eine Wohltat ist, wenn wir jemand haben, auf den Verlass ist; der zu uns steht in allen Lebenssituationen.

Worauf es ankommt: In allen drei Schrifttexten geht es um die ausschlaggebende Frage unseres Lebens: Woran hängt dein Herz? Wo ist der Anker deiner Seele? Ich frage mit dem Apostel Paulus im Zusammenhang mit dem großen Anliegen unserer zweiten Lesung: Genügt dem Menschen, genügt dir, die innerweltliche Hoffnung? Es handelt sich also um die Ermutigung zum Glauben, zum Gottvertrauen, weil wir in ihm leben und uns bewegen. Das ist das schöne Bild des Baumes an Wasserbächen. „Gesegnet [ist] der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen.“ Gott ist der Schutz des Menschen, der auf ihn baut, vor existenziellen Verletzungen ihrer Mitmenschen. An welchen Wasserbächen stehen denn wir? Worauf setzen wir unsere Hoffnung?

Die Auferstehung ist die Zusicherung Gottes, dass unser Leben gelingen kann: Der Apostel Paulus bringt die Grundwahrheit des christlichen Glaubens auf den Punkt: die Auferstehung Jesu Christi. Diese ermöglicht allen Menschen das Leben. Diese verpflichtet die Menschen, alle Christmenschen zu den Inhalten der Seligpreisung. Der Glaube an die Auferstehung befreit uns von der falschen Lebenseinstellung und macht uns sensibler für die Not unserer Mitmenschen. Die Seligpreisungen sind in unseren Tagen sehr aktuell.

FÜNFTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 10.02.2019

FÜNFTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-10

KERNBOTSCHAFT: Im Bewusstsein, dass wir in der Fülle des Lebens eigebettet sind, die von Gott ausgeht, sollen wir angstfrei leben und von dieser Lebensfülle aus Gott künden.

Gott sucht und holt sich zu allen Zeiten und in jeder Gesellschaft gerade die Menschen, die ER für eine neue Lebensordnung braucht: Jede Gesellschaft erlebt Zeiten erschütternder Krisen und Orientierungslosigkeit. Die Führungskräfte versagen. Die Frage nach der Wahrheit, dem Sinnvollen und dem Tragenden wird brisant. Anders war es damals beim Volk Israel nicht. Usija (Asaja) wurde mit 16 Jahren König von Juda, gerade zu einer Zeit, wo der König Jerobeam zu einem nachhaltigen bösen Bezugspunkt in Israel war. Bei Usija heißt es im 15. Kapitel des 2. Buches der Könige, dass er wie sein Vater das Volk regierte, „wie es dem HERRN gefiel“. Ihm wurde allerdings bescheinigt, dass die Kulthöhen für die Götzen nicht verschwanden. Das große Problem beim Volk war also der Abfall vom wahren Glauben an den Gott der Geschichte und der Befreiung. Da wurde die Vision eines Mannes zu seiner Lebensberufung. „Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit.“ Diese Vision ist nicht ohne Konsequenz geblieben. Sie wurde zu einem Modell aller Berufungen durch Gott. Visionen und Berufungen sind auch in unseren Tagen möglich und notwendig!

Von der Fülle berührt, die Fülle leben: Was mich immer wieder tief berührt, ist der Werdegang des Propheten Jesaja. Die existenzielle Erfahrung der Nähe und Fülle Gottes bedeutet nicht immer nur Freude. Sie ist auch wie ein großer Spiegel, vor dem wir stehen und uns unserer Nichtigkeit voll bewusst werden. Wir erkennen uns, wie wir in der Tat sind. Die innere Maske fällt weg und wir erleben uns nackt, hilflos und unwürdig. Das kann schon eine gute Portion Angst auslösen und wir fürchten uns vor Gott. Eine ähnliche Erfahrung machte der Apostel Paulus nachdem er die Kirche Jesu Christi erbarmungslos verfolgte. Er nannte sich selbst eine „Missgeburt“. Auch Petrus musste angesichts des großen Fischfangs und des Bewusstsein dessen, wer vor ihm stand, bekennen: „Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!“ Diese Erfahrung der Nichtigkeit kann aber auch eine große Möglichkeit für uns bergen. Von der Fülle der Gegenwart Gottes tief berührt, können wir gereinigt und dermaßen überwältigt werden, dass wir in diesem Berührt-Sein eine große Aufgabe sehen und verwirklichen wollen. Es gibt auch Menschen unter uns, die von der Fülle der Gegenwart des HERRN tief berührt worden sind, dass sie sich mit verblüffender Selbstverständlichkeit für das Pfarrleben einsetzen. Ja, von der Fülle der Gegenwart Gottes berührt zu sein, darin erkenne ich die unversiegbare Quelle eines lebendigen Christentums. Aus dieser Quelle erneuert sich der eigene Glaube. Aus dieser Quelle erneuert sich das Leben einer Kirchengemeinde. Wer diese Fülle der Gegenwart erlebt, wird nichts anders können, als missionarisch zu werden; er oder sie denkt nicht einmal daran, sich seines oder ihres Glaubens zu schämen. Er oder sie findet den Weg zu einer Erzählgemeinschaft, die die Kirche ist. Er oder sie sucht immer wieder diese Quelle auf und lässt sich reichlich beschenken. Es lohnt sich!

Vierter Sonntag im Jahreskreis (C) 2019

VIERTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-03

KERNBOTSCHAFT: Christsein ist eine Berufung zum Leben der Prophetie im Anderssein.

Jede Gesellschaft und jede Epoche braucht ihre Prophetinnen und Propheten: In einer Zeit, in der der Moralverfall an der Tagesordnung war und die Priester und Propheten in ihrer öffentlichen Aufgabe nach dem Effekt haschten, während das gesamte Volk sich nach einer verlässlichen Führung und tragfähigen ethischen Orientierung sehnte, wurde Jeremiah von Gott zu seinem Propheten berufen. Seine Aufgabe war keineswegs leicht, denn er sollte die Menschen zu Besinnung und Umorientierung ermahnen. „Du aber gürte dich, tritt vor sie hin und verkünde ihnen alles, was ich dir auftrage! Erschrick nicht vor ihnen, sonst setze ich dich vor ihren Augen in Schrecken!“ Die Stärke des Propheten ist Gott selbst: „Siehe, ich selbst mache dich heute zur befestigten Stadt, zur eisernen Säule und zur bronzenen Mauer gegen das ganze Land, gegen die Könige, Beamten und Priester von Juda und gegen die Bürger des Landes.“ Gerade für das Wort Gottes wird Jeremia die Last tragen, anders zu sein als die anderen. „Jeremia wird dazu berufen, das Gewissen der Nation zu sein. Gott beruft Jeremia und von jetzt an ist Schweigen für ihn keine Option mehr“ (TD, Februar 2019). Ja, Schweigen ist keine Option im Dienst Gottes.

Anderssein ist heute eine dringend benötigte christliche Berufung in Zeiten der populistischen Gleichschaltung: Wie zur Zeit des Propheten Jeremia, bin ich davon überzeugt, dass Gott etwas mit jeder und jedem von uns vorhat. Gott hat uns in unserer Einmaligkeit und Einzigartigkeit für etwas Bestimmtes vorgesehen. Es darum sehr wichtig, dass wir uns individuell immer wieder die Frage stellen: Was will Gott eigentlich von mir heute? Bei allen Vorstellungen von dem, was Gott von mir will, wird die Berufung zu einer tätigen Liebe vorrangig sein. Eine tätige Liebe, die nichts und niemand fürchtet, weil sie aus Gott ist. Diese Liebe „entzieht sich den Ordnungsmaßnahmen der Mächtigen, weil sie der bessere Weg ist, die Welt zu ordnen“. Sie setzt „Freigebigkeit gegen Berechnung, Zuneigung gegen Kalkül, Verstehen gegen Taktik, Nähe gegen Fremdheit und Wahrheit gegen die Lüge.“ Diese Liebe ist die größte aller Zumutungen Gottes an uns als Christinnen und Christen. Denn: „Wo Hass zerstört, sucht die Liebe in den Trümmern nach einer neuen Vollkommenheit. Sie ist in der Tat „Gottes stärkste Waffe gegen die Übermacht von Gewalt und Schrecken.“ Wer bemüht ist, der Liebe treu zu bleiben, kann aber jederzeit die Erfahrung Jesu im Tempel am eigenen Leib erleben. Bei Jesus schlug das Staunen in wenigen Minuten in Wut um. Aus dem Staunen wurde Ablehnung, Wut und nicht zuletzt tödlicher Hass. Es bleibt dennoch eine unersetzliche Berufung aller Christinnen und Christen heute: ein Jeremia mit der Waffe der Liebe in der Hand zu sein. Gott selbst ist dabei die Stärke, die wir brauchen.

Fest Darstellung des Herrn 2019

Samstag, 2. Februar 2019: DARSTELLUNG DES HERRN

KERNBOTSCHAFT: In unserer Taufe und durch sie sind wir die Gott Dargestellten. Wir sollen es in unserem Denken, Tun und Beten im Alltag sein.

Und noch einmal die Menschwerdung Gottes erinnernd feiern: 40 Tage nach Weihnachten steht dieses Fest als das letzte in der Reihe jener Feste, die die Menschwerdung des Sohnes Gottes feiern. Dieses Fest erinnert uns noch einmal daran, dass Gott sich in unsere Weltwirklichkeit eingelassen und den kulturellen Gepflogenheiten unterworfen hat. Dadurch verleiht Gott dem kulturellen Leben eines jeden Volkes Sinn. Jede Kultur birgt Gottes Spuren. Am Kind Jesus vollzieht sich, was zur Erinnerung an Exodus an allen Erstgeborenen geschehen war: Jeder Erstgeborene war Eigentum Gottes und wurde darum im Tempel Gott zeichenhaft übergeben und wieder durch ein Geldopfer wieder ausgelöst. Der im Tempel dargestellte Jesus wird vom Propheten Maleachi als der vom Volk Israel erwartete Messias angekündigt. In seiner Person vollzieht sich der Reinigungsritus an den Menschen. Der alte Kulturritus hört auf. Neues ist im göttlichen Kind präsent.

Jesus, der Sohn Gottes, ist der Bruder aller Menschen: Der Hebräerbrief erläutert uns darum den Sinn der Menschenwerdung Gottes in Jesus Christus. Wie die Menschen bei der Geburt eines Kindes ganz genau darauf schauen, wem das Kind ähnlich oder ganz ähnlich schaut, so sagt uns der Hebräerbrief die Familienähnlichkeit des Gottes Kindes zu. „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat…Denn er nimmt sich keineswegs der Engel an, sondern der Nachkommen Abrahams nimmt er sich an. Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hohepriester vor Gott zu sein und die Sünde des Volkes zu sühnen.“ Aus dem Mund des greisen Simeon geht aber hervor, dass sich an diesem Kind die Geister unterscheiden werden. In seinem Leben beginnt der Augenblick der Unterscheidung und der Entscheidung. „Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.“ An diesem Kind wird sich immer zeigen, wes Geistes die Menschen sind. „So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“ Wir können uns dafür entscheiden, ob wir zu jenen gehören wollen, die „zu Fall kommen“ oder die durch das göttliche Kind „aufgerichtet werden“. Was uns besonders tröstet, ist: Dieses Kind ist Licht für die, die im Finsternis wandeln. Er ist Frieden – mit Gott und unter einander.

Zweiter Sonntag i. Jahreskreis (C)

DRITTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-01-27

KERNBOTSCHAFT: Wo Gott seinen gebührenden Platz in der Mitte des Lebens einer Gemeinschaft und im Herzen des einzelnen Menschen gewinnt, dort können die Menschen das Leben viel leichter meistern.

Wir brauchen im Leben einen inneren Bezugspunkt: Was braucht der Mensch, damit er glücklich ist? Wie fühlt sich denn das an, wenn wir selbst glücklich sind? Was ist es aber, das uns glücklich macht? Liebe Kinder, ich weiß oder ist es meine Vermutung, dass ihr an Allerhand denkt: an die großen und kleinen Dinge, die ihr als Geschenk bekommt. Ich glaube aber auch, dass es jedem und jeder von uns immer gut tut, zu wissen und erleben zu dürfen, dass es jemand gibt, der an uns denkt; jemand, dem wir sehr wichtig sind; jemand, der für uns da ist. Das ist dann ein ganz besonderes Gefühl, wenn wir in großen schwierigen Lebensumständen sind. Da helfen uns höchstwahrscheinlich alle die Dinge, die wir uns am Besitz gesammelt haben, nicht mehr. Da denken wir uns einfach, wie schön es ist, dass jemand wirklich für uns da ist, ein Mensch, der uns gut versteht und durch seine oder ihre Gegenwart Mut macht.

Gott ist unser Lebensanker: Liebe Kinder, stellt euch das einmal vor: wenn es uns schon sehr gut tut, dass wir Menschen haben, die für uns da sind, um wieviel mehr gilt das für unseren Gott, der uns erschaffen hat? Es kann uns auch passieren, wie es den Israeliten passiert war nach dem Exil. Verzweiflung war ihnen am ganzen Gesicht geschrieben. Aber Gott lässt niemand ganz allein ohne Hilfe. Ja, Gott lässt niemanden allein in seiner Not. Gott schickte dem verzweifelten Volk Israel den Mann Gottes (Prophet genannt) und er machte ihnen neuen Mut. Sie bekamen mit, dass Gott in ihrer Mitte war. „Macht euch keine Sorgen!“ „Seid nicht traurig und weint nicht!“ „Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein!“ Was heißt denn das alles? Gott schenkt Hoffnung, Trost, Freude und Gemeinschaft. Wenn Gott aber Gemeinschaft schenkt, kann es nicht mehr gut sein, wenn jemand von der Gemeinschaft ausgeschlossen wird und bleibt. Darum heißt es: „Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben!“ Mir selbst gefällt das, was Jesus zu den Menschen im Tempel sagt: „Heute hat sich das Wort, das ihr gehört habt, erfüllt.“ Er sagt: Ich bin das Wort, das Gott zu euch spricht. Ich bin der Trost, den Gott euch spendet, wenn ihr leidet. Ich bin die Freude, die Gott euch macht, wenn ihr traurig seid. Ich bin froh darüber, dass ich Jesus zum verlässlichen Freund habe. Und DU?

Zweiter Sonntag im Jahreskreis (C)

ZWEITER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-01-20

KERNBOTSCHAFT: In ausweglosen Lebenssituationen kann uns Gott eine neue Lebensmöglichkeit schenken.

Gott verheißt und schafft einen neuen Anfang für ein erfülltes Leben: Die Exilzeit des Volkes Israel ist beendet. Dieses Ende der leidvollen Lebenserfahrung in der Fremde ist jedoch alles andere als eine Euphorie. Für alle ist die neue Realität sehr ernüchternd. Immer wieder denke ich zurück an eine erschütternde Erzählung aus der Zeit des Krieges in Bosnien-Herzegowina, wie ein Familienvater nach der Rückkehr entdeckte, dass es die Nachbarn waren, die sein Familienhaus abgefackelt haben. Neubeginn muss gestaltet werden – geistig und praktisch. Die neue Zeit braucht neue Lebensinhalte, neue Sinngehalte. Dieser Neubeginn ist nicht zu schaffen ohne Gott. Seine Worte bilden die Grundlage der neuen Freiheit. In die alten Bilder von „Verlassenheit“ und „Verwüstung“ werden neue Worte der Hoffnung gesprochen: „Ich habe Gefallen an dir.“ Und: „Dein Land wir >>Vermählte<< genannt.“

Gottes Gegenwart ist die Kraftquelle für sein Volk: Wo Menschen am Ende ihrer Möglichkeiten gelangen, dort offenbart Gott selbst seine eigenen Möglichkeiten zur Freude der Menschen. Wenn nichts mehr zu gehen scheint, gibt es immer noch den Raum für Gottes Möglichkeiten für uns Menschen. Die spürbare Leere mitten in einem Fest wird durch die Gegenwart Jesu mit einer neuen Realität aufgefüllt. „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, so sagt Jesus zu seiner Mutter. Diese seine Worte sind voller Bedeutung für uns. Es gibt die Stunde Gottes. Es gibt die Stunde des Heiles und der Heilung. Es gibt die Stunde einer Kehrtwende. Können wir aber diese Stunde Gottes abwarten? Können wir die Stunde Gottes erkennen, wenn sie angeschlagen hat? Sind wir bereit, Raum zu schaffen, damit Gottes Stunde, die die Stunde des Sohnes ist, für uns erkennbar wird? Die Anweisung Marias, der Mutter Jesu, eröffnet uns den Raum für die Spiritualität des Wortes, für die Spiritualität des Glaubensgehorsams, des Hörens auf den Sohn Gottes, der selbst das lebendige Wort Gottes ist.

Sonntag nach Epiphanias - Taufe des Herrn 2019

ERSTER SONNTAG NACH EPIPHANIAS. 2019-01-13

HOCHFEST VON DER TAUFE DES HERRN

KERNBOTSCHAFT: Bei der Taufe Jesu zeigt sich die Offenbarung unserer Berufung zur Gotteskindschaft in der Kirche.

Um in dieser Welt effektiv und sinnvoll leben und wirken zu können, brauchen wir die Ausrüstung mit dem Heiligen Geist Gottes: „Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht.“ Die Sendung des Gottesdieners besteht darin, die Schwachen zu stützen: „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht.“ „Wir sind heute die Menschen, die auf ihn warten und denen [diese] frohe Botschaft gilt, wir sind es, die die verheißene Zuwendung erfahren dürfen“ (TD Januar 2019). Die christliche Taufe birgt ein großes Geheimnis der Geborgenheit und der Hoffnung für unser Leben. Das Untertauchen als die ursprüngliche Form der Taufe meint, dass etwas stirbt und Neues entsteht. „Der alte Mensch, mit seinen Irrtürmern, seinen Fehlern, mit all der unbewältigten Schuld, bleibt zurück.“ Ein neuer Mensch steigt aus dem Taufbrunnen auf. Die Taufe ist der zeichenhafte Einbruch des Göttlichen im Leben aller Getauften. Die Szene bei der Taufe Jesu macht zwei Dinge sehr anschaulich: durch die Taufe sind wir in der Gemeinschaft der Dreifaltigkeit eingebettet. Das Entscheidende ist das Beziehungsleben der Dreifaltigkeit. Und: der Zuspruch der Taufe ist unsere große Hoffnung: „Wir bekommen Kraft für den Weg durch unser Leben durch das Mit-Gehen Gottes im Geist.“ Denn, wenn Jesus in der Reihe der Sünder und Sünderinnen steht, dann können und dürfen wir immer auf die Kraft Gottes hoffen und setzen.

Im Glauben können wir immer wachsen: Die Wahrheit, die Gott den Menschen im Leben Jesu Christi offenbart, wird im Laufe des Lebens immer tiefer erfasst. Es kommt zu einem Erkenntnisfortschritt bei Petrus, der die ganze Zeit bei Jesus war, zu folgender erkennenden Bekenntnis: „Wahrhaftig jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“ Es ist dieser Petrus, der gegen die Nicht-Juden-Christen diskriminiert hat. In einem Traum sieht er etwas wie ein Gefäß und darauf alle möglichen Vierfüßler, Kriechtiere der Erde und Vögel des Himmels. Er wird aufgefordert, zu schlachten und zu essen. Seine Antwort: „Niemals, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen.“ Und Gott antwortet: „Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!“ Petrus hat gelernt, dass die Zugehörigkeit zu Jesus Christus für alle Menschen offen steht. Gerade diese Erkenntnis ist in unseren Tagen unverzichtbar für das Zusammenleben der Menschen. „Dieser ist der Herr aller.“ Der HERR aller, der in allen lebt und liebt. Unsere Taufe ist darum Gabe und Aufgabe.

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