Gründonnerstag 2019

GRÜNDONNERSTAG (C): 2019-04-18

KERNBOTSCHAFT: Unsere Humanität erweist sich in einer dienenden Liebe nach dem Beispiel Jesu.

Zeichenhandlungen sind stärker als Worte: Jesus hat ein starkes und unverwechselbares Zeichen als das Zentralnervensystem des Reiches Gottes und der Verkündigung der Frohbotschaft gesetzt. Er hat seinen Aposteln die Füße gewaschen, aus der Stellung der Stärke, denn er war ja der Meister, der Rabbi. So gab er der Aufgabe eines wahren Meisters einen neuen Sinn: Dienen aus Liebe. Das ist war das neue Gebot an seine Apostel. Das ist das Mandatum novum, das neue Gebot an seine gegenwärtigen und künftigen Jüngerinnen und Jünger. Herrschaft ist keine Kategorie im Reich Gottes und in der Kirche Jesu Christi. Das Herzstück christlicher Glaubenspraxis ist darum die dienende Liebe.

Mit Papst Franziskus die katholische Kirche durch dienende Liebe erneuern: Am 11. April 2019, hat der 82-jährige Bischof von Rom, Papst Franziskus, der Weltöffentlichkeit in seiner gewohnten Spontaneität gezeigt, worum es dem katholischen Christentum in der Tat geht und gehen soll. Bei einem Versöhnungstreffen im Vatikan zwischen den beiden Kontrahenten im Süd-Sudan, richtete er kurze dennoch zu Herzen gehende Worte mit spür- und sichtbarer Leidenschaft an sie und ging zu ihnen, fiel auf seine schwachen Knien und küsste ihre Füße. Es gab aber einen Petrus dabei, der es nicht zulassen wollte. Der Blick des Papstes von unten überzeugte ihn dennoch. Das Oberhaupt der weltkatholischen Kirche, der Nachfolge Petri fiel auf seinen schwächelnden Knien für die Millionen Menschen in Süd-Sudan, damit das sinnlose Morden aufhört. Die ganze Welt sehnt sich nach versöhnter Einheit und schaut auf den Stuhl Petri. Dieses sichtbare Zeichen der Einheit unter den Menschen und Völkern darf nicht fehlen!

Die zeichenhafte Lehre Jesu und des Papstes sind klar und unüberhörbar: Für Frieden und Versöhnung müssen wir uns klein machen, uns zurücknehmen. Die dienende Liebe ist das Potential des positiven Wandels in unserer Welt und Gesellschaft.

Palmsonntag 2019

PALMSONNTAG (C): 2019-04-14

KERNBOTSCHAFT: Wir wollen vom Neuen über die Leidenschaft Gottes für uns Menschen staunen lernen.

Mit der Passionsgeschichte wurde die Karwoche eingeläutet, die dichteste Woche im Glaubensleben der Kirche. Passionsgeschichte vermittelt uns von je her immer den Eindruck des Leidens und immer wieder kommt es unweigerlich zur Eintrübung unserer Emotionen. Ja, es stimmt schon: Passionsgeschichte ist Leidensgeschichte. Nichtsdestotrotz, nicht nur! Wir müssen nach der eigentlichen Wirklichkeit hinter dieser Leidensgeschichte fragen. Nur so kommen wir vom Staunen nicht weg. Nur so kommt es zur Ergriffenheit bei uns!

Passionsgeschichte ist eine gelebte Geschichte der Leidenschaft. Die Passionsgeschichte erzählt uns also von der Leidenschaft Gottes für den Menschen, von der Leidenschaft der göttlichen Liebe; um des Menschen Heiles willen! Es ist diese Leidenschaft göttlicher Liebe das große Tor zum Verständnis und zum inneren Vollzug der ganzen Karwoche. Wer wirklich liebt, muss zum Leiden bereit sein! Nicht das Leid bestimmt das Ausmaß der Liebe, sondern vielmehr ist es die Liebe, die das Leid auf sich nimmt, um es vom innen her zu überwinden. Vielleicht kann uns hierzu die bedingungslose Liebe der Eltern zu ihren Kindern eine Hilfe zur Vertiefung sein.

Entscheidung für Gottes Liebe: Ich möchte mich in dieses erhabene Geheimnis der Passion Gottes, der Leidenschaft Gottes hineinwerfen, die sich uns in der Karwoche verdichtet präsentiert. Indem ich mich in sie hineinwerfe, werde ich sie annehmen, werde ich von ihr geformt und von ihr getragen. Zu diesem fröhlichen Wagnis lade ich DICH ein.

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VIERTER FASTENSONNTAG: 31.03.2019

VIERTER FASTENSONNTAG (C): 2019-03-31

KERNBOTSCHAFT: Nur die Liebe ist glaubhaft, denn sie lässt uns anders werden, indem sie aus uns unsere beste Möglichkeit herausfordert. Selbst angesichts des Scheiterns und des Todes bleibt diese Liebe siegreich. Darum „Laetare-Sonntag“ – „Freudensonntag“.

Die Perspektive Gottes schenkt uns Mut, eröffnet uns den Raum der Versöhnung und macht, dass wir zu uns wieder finden: Große und schwierige Fragen, ja die sogenannten „Fangfragen“, hat Jesus in den Evangelien immer mit bildhaften Erzählungen, mit Gleichnissen, beantwortet. In unserem heutigen Evangelium erzählt Jesus vor Menschen, die ihn anfeinden, weil er sich mit den >>falschen Leuten<< abgibt, wie sie finden, die bildhafte Geschichte des verschwenderischen, verlorenen Sohnes; des barmherzigen Vaters. Ein solches Familiendrama gibt es in vielen Familien heute. Diese Geschwisterkonstellationen oder Generationenkonflikte sind jedoch nicht wirklich die zentrale und erfreuliche Botschaft dieses Gleichnis Jesu. Jesus macht uns Mut zur Versöhnung, Mut zur Lebensfülle. Versöhnung ist ein besonders heiliger Boden für ein Lebensfest.Gott lädt ein zu seinem Fest, uns alle, ob wir nun nahe oder ferne stehen, ob wir glücklich oder unglücklich sind, schuldig oder uns keiner Schuld bewusst. Er schaut seine Menschen an und freut sich über jede und jeden.“

„Geheimnis des Glaubens, im Tod ist das Leben“: So singen wir ab und zu aus dem Gotteslob [210]. Im Auf und Ab des Lebens sind wir beständig mit der Möglichkeit wie auch mit der Realität des Todes konfrontiert. „Er war tot und lebt wieder!“ Mitten im Tod geschieht das Leben, wird uns das Leben geschenkt. „Tod und wieder lebendig“: das ist wohl der wahre Grund für ein ausgefallenes Fest, der wahre Grund zur Freude. Das ist aber auch der wahre Grund für unseren Gottesdienst heute. Jesus holt uns in die unmittelbare Sphäre der Wirklichkeit Gottes. „Mitten in der Passionszeit öffnet dieses Gleichnis aus dem Lukasevangelium eine [einladende] Tür zu ungeahnter Freiheit. Es gibt Leben, jetzt und dann. Leben, das den Namen verdient, Leben, das gefeiert werden will.“ Die gute Erinnerung an Gottes unbegrenzte Liebe hilft uns, dass wir zu uns selbst finden. Gottes Liebe ist die Einladung zur Versöhnung, eine Einladung, das Leben mutig zu gestalten. Fürwahr ein Grund zur Freude!

DRITTER FASTENSONNTAG: 24-03.2019

DRITTER SONNTAG IN DER FASTENZEIT (C): 2019-03-24

KERNBOTSCHAFT: Jesus ist die leibhafte Barmherzigkeit Gottes, obwohl unserem Leben eine Frist gesetzt ist.

Jesus bleibt seinem zentralen Anliegen treu (Mk 1,15): Seltsam, ja verwunderlich ist die Antwort Jesu auf die sorgenvolle Meldung der Menschen an ihn. Sie empörten sich über die angsteinflößende Bestialität des Pilatus. Ich meine, zurecht! Was war Jesu Reaktion? Eine Wendung des Gesichtsfeldes, ein Aufruf zur seelischen Selbstsorge. Es mutet schon eigenartig, dass Jesus, dem das Reich Gottes am Herzen liegt, gar nichts zu dieser Grausamkeit des Pilatus sagt. Stattdessen fordert er eine Umkehr von den beängstigten Menschen. Angesichts des Gemetzels, bei dem Pontius Pilatus kaltblutig etliche Galiläer ermorden ließ, und angesichts des Einsturzes eines Turms, bei dem achtzehn Menschen ums Leben kamen, wirkt die Stellungnahme Jesu aus unserem heutigen Empfinden moralisierend abstoßend. Werden wir jedoch mit diesem Gefühl dem Hauptanliegen Jesu gerecht? Wir verstehen die Reaktion Jesu erst dann richtig, wenn wir bedenken, dass das Schicksal in der alten jüdischen Kultur mit der Schuldfrage verbunden war. Der Gerechte und Gottergebene erleidet kein tragisches Schicksal. Das ist die dramatische Auseinandersetzung des Buches Hiob. Jesus geht es darum, deutlich zu machen, dass jeder Mensch auf sich Schuld laden kann. Sein Grundton liegt auf Selbstbesinnung, Konfrontation mit der eigenen Schuldhaftigkeit und Begrenztheit. Jesus bleibt dabei seiner Grundbotschaft nach dem Markusevangelium ganz treu: „Das Reich Gottes ist da. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15).

Unserem Leben ist allemal eine Frist gesetzt: Mit dem Bild des unfruchtbaren Feigenbaums verleiht Jesus seiner Grundbotschaft Nachdruck. Kein Bauer lässt einen unfruchtbaren Baum allzu lange herumstehen, der den anderen Obstbäumen die Mineralien raubt. „Warum soll dem Boden seine Kraft nehmen?“, heißt es. Der Mann, der in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt hat, ist Gott selbst. Der Winzer ist Jesus, der den Menschen die Frohe Botschaft des Reiches Gottes gebracht hat. Seine Intervention ist die Rettung des Menschen, der keine Frucht bringt. Durch seine Intervention eröffnet Jesus eine positive Zukunftsperspektive für jeden Menschen! Für Jesus, den Winzer, wird die Zukunft positiv ausgehen. Bei ihm gibt es einen Zukunftsoptimismus. Die Warnung bleibt allerdings und hängt wie ein Damoklesschwert über uns allen! Unsere Zeit ist befristet! Gerade dieses Bewusstsein ist ein Motor für unser Leben. Darum gilt es, heute das Notwendige und Gute zu tun. Jesus erwartet von uns gute Früchte der tätigen Liebe und heilenden Geduld.

VORSTELLUNGSGOTTESDIENST_2. Fastensonntag: 17.03.2019

ZWEITER FASTENSONNTAG 2019-03-17

Vorstellung der Firmlinge zum Leitgedanken „Wegweiser sein…“

Viele Wege. Welcher ist der richtige? : Eine Episode: Einige Male war ich unterwegs und habe ich mich an manche Personen gewandt, um nach dem Weg zu fragen. Bei manchen erlebte ich unmittelbar eine Verachtung, die ich als Rassismus auffassen musste. Meine Reaktion waren folgende Worte: „Das ist aber wirklich komisch!“ Dann gab es wieder nette Menschen, die mir mehr erklärt haben als ich brauchte. Da ging mein Herz auf und ich sagte zu mir danach: „Come on, Fabian, diese Welt ist nicht verloren, weil es doch noch wunderbare und hilfsbereite Menschen gibt.“ Die Erkenntnis ist wahr: Es gibt viele Wege im Leben, die wir einschlagen könnten und die Entscheidung für die richtige Richtung ist nicht immer leicht. Die falsche Entscheidung könnte schon nachhaltig negative Konsequenzen für unser Leben haben. Wir kennen uns nicht immer aus. Wir alle brauchen immer wieder Hilfe. Menschen sind auf einander angewiesen. Wir sollen den Mut haben, nach Hilfe zu fragen.

„Binde deinen Karren an einen Stern!“: Manches Mal kommt es auch vor, dass wir ganz allein eine Entscheidung für den richtigen Weg im Leben treffen müssen. Ganz allein sind jedoch nicht. Es gibt den >>inneren Wegweiser<<. Sein Name ist Gewissen, ein >>innerer Kompass<<. Wir können uns aber auch an Gott wenden – in der Stille unseres Herzens, im Gebet, in der Meditation. Dieser Spruch „Binde deinen Karren an einen Stern“ stammte von dem italienischen Universalgenie Leonardo da Vinci, der zwischen 1452-1519 lebte. Was bedeutet dieser Spruch? Es „ist die Empfehlung an jeden einzelnen Menschen, aus seinem Leben etwas Besonderes zu machen und sich die Sterne vielleicht sogar vom Himmel zu holen. Mit der richtigen Vision im Leben lässt sich viel erreichen.“ Auch Abram hatte eine Vision und aus dieser Vision wurde eine wegweisende Freundschaft mit Gott. Der Apostel Paulus sagt uns, dass Menschen, die nur „Irdisches“ im Sinn haben, kein glückliches, erfülltes Leben führen. Wir brauchen also die persönliche Beziehung zu Gott. Darum finde ich die bezaubernde Erfahrung von Petrus, Johannes und Jakobus auf dem Berg der Verklärung sehr wichtig für unser Leben. Sie sind in der unmittelbaren Nähe Jesu und werden von der Strahlkraft seiner Gegenwart überwältigt. Dann wollen sie für immer an diesem Ort bleiben. Eine Stimme aus der Wolke hat jedoch etwas Anderes mit ihnen vor: Sie sollen auf Jesus hören. Ja, auf Jesus zu hören, das ist schon eine ganz gute Hilfe für die sinnvolle Gestaltung unseres Lebens. Auf Jesus zu hören, das wird sicherlich, liebe Firmlinge für euch eine ganz wunderbare Wegweisung sein, auf dass euer Leben gut gelingt. Die Nähe zu Jesus tut gut. Denn er ist die Weisheit Gottes. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Schön, dass die Vorbereitung auf den Empfang des Sakraments der Firmung euch mit dem Leben Jesu ein Stück vertrauter gemacht hat. Der Weg mit Jesus führt aber weiter. Bleibt nicht stehen! Geht diesen Weg mit ihm weiter!

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ZWEITER F ASTENSONNTAG (C): 17.03.2019

ZWEITER FASTENSONNTAG (C): 2019-03-17

KERNBOTSCHAFT: Ein einziger Augenblick vor der Gegenwart des HERRN vermag es, uns in unserem Glaubens- und Sendungsbewusstsein zu stärken.

Die Notwendigkeit von Orten der Kraft für unser Leben: Viele Menschen jammern über den Stress und wissen, dass er gesundheitsschädigend ist. Sie leben in der Spaltung zwischen der Sehnsucht nach Veränderung und der Hilflosigkeit. Manche liefern sich den sozialen Medien aus und beklagen sich gleichzeitig über den Zeitmangel. Es gibt aber einen Ausweg. Wir können bewusst Orte der Unterbrechung aufsuchen, wenn wir es auch wollen würden. Es sind Orte der Kraft, die uns nicht viel an Energie und Aufwand abverlangen. Der Berg ist in der gesamten Heiligen Schrift ein vorzüglicher Ort der Gotteserfahrung. Auf dem Berg haben sich Menschen besser und tiefer verstanden sowie ihre Sendung in der Welt. Selbstfindung tut uns alle Not! Die Fastenzeit ist eine wunderbare Zeit, um mit unserer innersten Wirklichkeit in Berührung zu kommen. Was ist aber diese unsere innerste Wirklichkeit getrennt von der Gottesfrage, getrennt von unserer persönlichen Beziehung zu Gott?

Gottes Gegenwart macht unser Leben hellsichtiger und unsere Welt durchsichtiger: Was unsere drei Schriftlesungen am heutigen zweiten Fastensonntag verbindet, ist eine Vision der Gottunmittelbarkeit. Die drei Apostel waren von der Aura Jesu auf dem Berg überwältigt. Es gibt dieses Überwältigt-sein von etwas, was nicht mehr in unseren alltäglichen Erfahrungen allein aufgeht. Es kann uns inmitten unserer Alltagserlebnisse etwas aufleuchten, was größer und tiefer ist als das Erlebte. Ich bin davon überzeugt, dass das Geheimnisvolle aus nicht dieser Welt noch nicht verschwunden ist. Unsere schöne und zugleich herausfordernde Aufgabe besteht darin, dass wir Raum schaffen für das Geheimnisvolle, damit es uns umgreifen kann. Eine solche Erfahrung ist aber eine kraftvolle Quelle für unser Leben und für unser Wirken in dieser Welt. Ja, für unser Wirken in der Kirche. Es geht um die Lebendigkeit unserer persönlichen Beziehung zu Gott Jesu Christi. Für die Pflege dieser Beziehung eignet sich die Fastenzeit besonders. Wir können von der Fülle der Gegenwart Gottes unterschiedlich berührt werden. Was uns allen gemein ist, ist das Ziel. Die Erfahrung der Geborgenheit, Kraft, Zuversicht und Heilung; die Erfahrung der bedingungslosen Liebe mit ihrem Sendungsaspekt. Darum legte Jesus den drei Aposteln das persönliche Zeugnis ans Herz, indem er sich wieder ins Tal schickte. Dieser Verkündigungsauftrag geht uns aber auch was an! Wenn wir als Kirche die Sendung Jesu leben wollen, müssen wir mehr davon erzählen, was uns trägt. Eltern und Großeltern müssten es lieben können, ihren Kindern und Enkelkindern von ihrem Glauben zu erzählen. Ist diese Fastenzeit nicht doch eine willkommene Zeit dafür?

ERSTER FASTENSONNTAG (C): 10.03.2019

ERSTER SONNTAG IN DER FASTENZEIT (C): 2019-03-10

Schrift: Dtn 26,4-10; Röm 10,8-13; Lk 4,1-13

KERNBOTSCHAFT:Wahre menschliche Freiheit und Lebenskraft hängen damit aufs Engste zusammen, was wir denken und woran wir uns binden.

Die Macht der Erinnerung: „Das tragende und inspirierende Element der jüdischen und christlichen Religion ist die Erinnerung. Alle Gottesdienstfeiern, die wir vollziehen, sind Erinnerungsfeiern. Eine positive Erinnerung ist eine unbändige Kraft für die Gestaltung der Gegenwart wie auch der Zukunft. Das jüdische Volk erinnert sich an seine Horrorjahre in Ägypten. Es erinnert sich jedoch noch mehr an die Großtaten seines Gottes. Gerade diese positive Erinnerung stärkt seinen Glauben und seine Zuversicht. Mit diesem Glauben und dieser Zuversicht wusste sich das Volk mit seinem Gott auf dem Weg des Lebens. Um diese Kraft der Erinnerung geht es Paulus in seinen ermutigenden Worten an seine Gemeinde von Rom. „Nahe ist dir das Wort in deinem Mund und in deinem Herzen. Das heißt: das Wort des Glaubens, das wir verkünden; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: >>Herr ist Jesus<< - und in deinem Herzen glaubst: >>Gott hat ihn von den Toten auferweckt<<, so wirst du gerettet werden“ (Röm 10,8-9). Die Rettung liegt für alle Christinnen und Christen in der Fähigkeit und in der Freude der Erinnerung an die Auferstehung Jesu. Warum? Diese Erinnerung sagt uns, dass Gott auf der Seite des Lebens ist, auf der Seite des Menschen. Wir finden bei Paulus in unserer zweiten Lesung eine Kurzformel des Christseins, wie der große Jesuitentheologe Karl Rahner vor vielen Jahren von der Kirchenleitung eingefordert hatte: >>Herr, ist Jesus<< und >>Gott hat ihn von den Toten auferweckt<<

Die Kraft zum Sieg und zur Bewältigung schwieriger Lebenssituationen liegt in der bewussten Erinnerung an unsere Rückbindung an Gott: Jesus lebte im vollen Bewusstsein seiner Rückbindung an seinen Vater. In der hartnäckigen Versuchung durch den göttlichen Widersacher erinnerte er sich an seine ungetrübte Beziehung zu seinem Gott. Aus dieser Kraft entmachtete er die bösen Verführungen des Teufels, des Widergöttlichen, zu falscher Macht, Reichtum und Götzendienst. Diese Fastenzeit lädt uns dazu ein, unser Leben zu überprüfen, um damit vertraut zu werden, wovon unsere Köpfe voll sind, was uns beschlagnimmt, so dass wir unsere Bestimmung verfehlen. Die Fastenzeit ist für uns eine Erinnerungsarbeit. Unsere Erinnerung ist gewöhnlich wie eine Kinoleinwand, auf der sich unzählige negative und positive Gedanken tummeln. „Deswegen ist es sehr wichtig, zu erforschen, was im täglichen Kopfkino auf dem Programm steht. Sind es lebensbejahende Gedanken? Oder beeinträchtigen sorgenvolle Gedanken unnötig die Lebensqualität?“ (Katharina Schmid, Kopfsache Gesund. 2018. S. 67). Ich lade dich zu einem >>Gedankenfasten<< ein. Du könntest es dir in dieser Fastenzeit zur Gewohnheit machen, bewusst schöne und sinnstiftende Gedanken zu denken und dich daran zu erfreuen. Du wirst reichlich mit dem tiefen Gefühl der Freude und der Zuversicht belohnt und du wirst ein Segen für dein Umfeld sein. >>Gedankenfasten<< bedeutet, dass wir das Giftige in unseren Köpfen – und Herzen – ausmisten. >>Gedankenfasten<< macht uns viel freier und führt uns zu einem erfüllten Leben, indem es Raum für Neues, Schönes, Gutes und Kraftvolles schafft.

ACHTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 03.03.2019

ACHTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-03-03

KERNBOTSCHAFT: Jesus zeigt uns den Weg zum wahren Glück, indem er das Gute und Schöne in allen Menschen sieht und fördert.

Eine geistige Erneuerung tut unserer gegenwärtigen Gesellschaft Not: Meine Wahrnehmung sagt mir, dass unsere gegenwärtige Gesellschaft, inklusive der Kirche, eine gute Portion geistiger Erneuerung dringend bedarf. Jesus hat in allen seinen Lehren die Absicht gehabt, den Menschen größer zu machen als er war, ihn in die unmittelbare Nähe Gottes zu führen. Dabei waren ihm bestimmte Grundhaltungen unentbehrlich. Von solchen Grundhaltungen hörten wir am vergangenen Sonntag bei Jesu Aufforderung, auf das Urteilen zu verzichten. Jesus erweitert die Mahnung im heutigen Evangelium, wenn es um die Kritik geht. Warum aber ist das Urteilen für uns ungesund? „Das Urteilen verschafft uns keine Ruhe. Denn indem wir den andern verurteilen, spüren wir unbewusst ja doch, dass wir auch nicht perfekt sind. So ist der Verzicht auf das Urteilen und Richten ein Weg zum inneren Frieden mit uns selbst. Wir lassen die andern sein, wie sie sind, und können auf diese Weise auch wir selber sein.“ Die Selbstkritik ist für Jesus die beste geschwisterliche Korrektur. Nur wenn wir bei uns selbst richtig sind, können wir bei unseren Mitmenschen sein, sei es nun es nun in der helfenden Kritik oder in der Wertschätzung.

Es ist gut, unsere verbohrten Selbstverständlichkeiten und Einstellungen neu zu [be]denken: Die Frage bringt uns zum Nachdenken: Bringt wirklich jeder guter Baum immer gute Früchte? Was ist mit den besten Frauen und Männern in den Beziehungen, wie sie angepriesen werden, die jedoch im Laufe der Zeit zu Beziehungstyrannen werden? Was ist denn mit Kindern und Jugendlichen aus dem guten Hause, die für sich selbst und für die anderen asozial geworden sind? Kann denn ein guter Baum noch gute Früchte hervorbringen, wenn es vom Himmel Hagel regnet? Wenn eine Hitzewelle alles verdorrt? Wenn eine Überschwemmung alles hinwegrafft? Ich glaube nicht, dass Jesus an solche negativen Umwelteinflüsse gedacht hat. Unbeschadet dieser negativen Realmöglichkeiten bleibt die Perspektive Jesu der Gottesoptimismus. Seine Botschaft ist eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung. Jesus lädt uns zur kritischen Selbstachtung ein. Ihm liegt daran, dass wir die guten Bäume sind, die gute Früchte hervorbringen. Er weiß aber auch, dass dies durchaus möglich ist. Es ist jedoch unverzichtbar, dass wir diese Bäume gut pflegen, die wir selbst sind.

SIEBENTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): KLOSTER

SIEBTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-24

Messfeier im Kloster der Benediktinerinnen der Anbetung

KERNBOTSCHAFT: Jesus, der Sohn Gottes und Menschenfreund sieht den Menschen aus der Perspektive Gottes und führt jeden Menschen zum Bewusstsein seiner wahren Größe.

Grenzerfahrung in der Bibel: Überfordert uns Menschen nicht die Botschaft der Bibel? Können wir den Forderungen Gottes überhaupt entsprechen? Drängt uns das Wort Gottes nicht oft bis an den Rand unserer menschlichen Möglichkeit? Dieses Gefühl habe ich immer noch jedes Mal, wenn ich diese Passage im Lukasevangelium höre und lese. Mitten in diesem Gefühl der Grenzerfahrung tauchen andere Fragen bei mir auf: Woran können wir die wahre Größe eines Menschen merken? Wie können Menschen zum Segen für ihre Gesellschaft werden? Worin lässt die Würde des Menschen [neu] definieren? Alle diese Fragen meinen uns als Christinnen und Christen. Darum ist auch die Frage berechtigt: Worin unterscheiden sich die Christinnen und Christen von allen anderen Menschen?

Auf die Haltung kommt es an: Immer wieder staune ich über das Verhalten von David und es berührt mich tief in meinem Seelengrund. Der König Saul war entschlossen, David aus Angst vor Machtverlust und aus Eifersucht zu töten. Er verfolgte ihn überall und machte ihn zu einem Flüchtling. Abischai, der mit David auf der Flucht war, erkannte die Gunst der Stunde, die David nachhaltig Ruhe verschafft hätte: „Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert.“ David dachte und handelte allerdings anders aus einer tieferen Einsicht: „Bring ihn nicht um! Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhoben und ist ungestraft geblieben?“ Seine innere Haltung ist sein Gottvertrauen: „Der HERR wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.“ Davon ist Jesus im Evangelium überzeugt. Zu diesem Vertrauen lädt er seine Jüngerinnen und Jünger ein. Gewalt erzeugt in der Regel immer mehr Gewalt. Jesus fordert die Menschen in seiner Jüngerschaft keineswegs dazu auf, sich der Gewalt blindlings auszuliefern. Aber er fordert sie dazu auf, die Gewaltkette mit der inneren Waffen der Gotteskraft zu brechen. Wie soll das denn gelingen?

Auf die höhere Bewusstseinsebene im Leben kommt es an: Es war sicherlich nicht immer leicht mit solchen Konfliktsituationen in der Urkirche. Der Apostel Paulus musste sich des Öfteren den bewegten Fragen seiner Gemeinden stellen. In allen schwierigen Situationen lebte er selbst von der unbesiegbaren Macht des Lebens Jesu Christi, die ihm zuteil geworden war. Das drückte er in diesem schönen Bild in unserer zweiten Lesung aus: „Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.“ Bei allem, was wir tun, sollen wir also an das Himmlische in uns glauben. Dieses Bewusstsein macht den großen Unterschied! Für Jesus hat dieses Bewusstsein ein großes Ziel. Es geht um eine gottähnliche Vollkommenheit: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Und es geht um die Lebensfülle: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.“ Wir sind für Größeres geschaffen – in Christus! Dabei ist Gottes Gnade unsere Kraft.

SIEBENTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C):

SIEBTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-24

Familiengottesdienst zur Vorstellung der Erstkommunionskinder

LEITGEDANKE: „Willkommen in unserer Mitte“

Sehnsucht nach Zugehörigkeit: Liebe Erstkommunionkinder! Zusammen mit euren Eltern habt ihr euch allen Menschen in dieser Kirche, in diesem Gotteshaus, vorgestellt. Warum und wozu ist es wichtig, dass ihr euch den Gemeindemitgliedern vorgestellt habt? Zuerst ist es wichtig, dass wir einen eigenen Namen haben; wir sind wir und niemand kann uns ersetzen; niemand hat mein Gesicht und niemand meine Stimme. Wenn sich Menschen nahe und zum Austausch kommen, dann ist es sehr wichtig, dass sie einander vertraut werden. Dann verlieren sie Berührungsängste. Und wozu ist es wichtig, dass ihr euch unserer und eurer Kirchengemeinde vorgestellt habt? Es gibt eine Ur-Erfahrung des Menschen, die ihn krank macht, wenn er sie nicht macht: die Erfahrung der Zugehörigkeit. Jeder Mensch will wissen, wo er hingehört. Wo er hingehört, ist aber der Ort seiner Geborgenheit, der Ort seiner vollen Entfaltung als Mensch, der Ort seiner Freude und Hoffnung.

Unsere biologische und geistige Familie ist sehr wichtig für unser Menschsein: Liebe Kinder! Ich freue mich sehr für euch, dass ihr wunderbare Familien habt. Es ist gar nicht so für viele Kinder, Jugendlichen und Erwachsene. Eine gute Familie, in der die Menschen für einander da sind, ist die schönste Heimat. Zu ihr kehren wir immer wieder zurück, um Liebe, Freude, Kraft und Zuversicht ohne Rechnung zu empfangen. Das ist nun unsere Zugehörigkeit durch die Geburt. Es gibt aber eine andere Geburt hinein in eine viel größere Familie. Es ist eine geistige Geburt, eine neue Geburt in Gott, der eine kraftvolle Gemeinschaft ist; ER hat alle Menschen durch die Macht seines Wortes erschaffen, er hat sich als einen Menschen unter den Menschen gezeigt (Gott ist Jesus und Jesus ist Gott), und Gott führt die Menschen zusammen zu einer großen Familie durch seinen lebendigen Geist. So versteht sich Kirche. Ich liebe diese Kirche, weil alle Menschen ohne Ausnahme dazu gehören können. Die Mitte ist Jesus Christus, Gottes Sohn und Menschenfreund. Es ist schön, dass wir zu Jesus Christus gehören. Aber kennen wir ihn wirklich? Deshalb müssen wir seine Frage sehr ernst nehmen: „Ihr, die ihr zu mir gehört, wer bin ich eigentlich für euch?“ Wer Jesus kennt und liebt, verzichtet auf Gewalt. Liebe Kinder! Unsere zweite Geburt hinein in die Kirche hat in der Taufe begonnen, im Taufbrunnen. Das ist der Brunnen der Liebe, die Gott selbst ist. Aber schön ist es sicherlich nicht in einer Familie, die nicht zusammenkommt; in einer Familie, die nicht gemeinsam isst, trinkt und feiert. Wir sagen nun gemeinsam zu Jesus: Willkommen in unserer Mitte!

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