| Erster Adventsonntag_02.12.2018 |
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ERSTER ADVENTSONNTAG (C): 2018-12-02 KERNBOTSCHAFT: Gott ist mitten in allen Erschütterungen des Lebens der Fels in der Brandung für den Menschen, der an ihn glaubt. Das neue Kirchenjahr ist ein Zeichen der Veränderungen in unserem Leben: Immer sind wir mit Veränderungen konfrontiert. Manche sind einschneidend positiv für unser Leben. Denken wir beispielsweise daran, wie groß die Freude ist, wenn ein Kind einem jungen Paar geboren wird. Diese Geburt bedeutet nicht nur Freude, sondern genauso eine neue Herausforderung. Es gibt aber auch einschneidende Erschütterungen, die Menschen in eine Situation von Hilflosigkeit und Verzweiflung zurücklassen. Unsere erste Lesung an diesem ersten Adventsonntag spricht von der Heilszeit, die Gott herbeiführt. Es gibt das Heilswort, das Menschen Trost geben kann. GOTT selbst führt eine neue Zeit ein. ER setzt ein Zeichen der Hoffnung. ER sorgt dafür, dass sein Volk in Recht Gerechtigkeit lebt. Wo aber Recht und Gerechtigkeit herrschen, dort ist auch die wahre Sicherheit. Es wird keine Fortsetzung der Unzulänglichkeit menschlicher Rechts- und Gerechtigkeitssysteme sein. Der HERR selbst ist diese Gerechtigkeit. Weil der HERR selbst unsere Gerechtigkeit ist, wird der Mensch zur Vollkommenheit heranwachsen können. Vollkommenheit ist Neuwerdung. Es heißt, dass altbekannte Strukturen, liebgewonnene Gewohnheiten gewissermaßen zerstört und aufgebrochen werden müssen. Gottes Gerechtigkeit bedeutet, dass wir dem Neuen gerecht werden – ohne Angst. Mit Gottes Gerechtigkeit kann das Herz des Menschen – unser – gestärkt werden. Mitten in Angst können wir im Vertrauen auf Gott unsere Häupter erheben: Die apokalyptischen Grundzüge des heutigen Evangeliums sind uns überhaupt nicht fremd. Ratlosigkeit und Bestürzung begleiten Million Menschen und viele Länder. Aber auch nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft. Viele Menschen fristen ihr Leben in mehrfachen Traumatisierungen und Re-Traumatisierung. Sie werden von mehrfachen Ängsten regelrecht aufgefressen. Hoffnungsvolle neue Orientierung kommt vom „Menschensohn in der Wolke“. Diese Wolke ist das Zeichen der wirkmächtigen Gegenwart Gottes unter seinem Volk. In ihm bergen sich Gottes Kraft und Herrlichkeit. Das Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft durfte und konnte schon diese beglückende Erfahrung der begleitenden Wolke in der Hoffnungslosigkeit der Wüstenwanderung machen. Das Wort des HERRN ist wahr und trostreich: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“ Weder die Resignation noch die Gleichgültigkeit will unsere Haltung sein, sondern Achtsamkeit. Es gilt: in allem, was um und mit uns geschieht, will der HERR der Geschichte uns ansprechen, ja, sogar uns aufrütteln. Seine Heilszeit gilt dir und mir und heißt Zuspruch für das Leben. |
| NEUNUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 21.10.2018 |
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| 10. Monatswallfahrt in FATIMA. 13.10.2018 |
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| Siebenundzwanzigster Sonntag i. JK, 07.10.2018 |
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| ACHTZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 05.08.2018 |
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ACHZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2018-08-05 KERNBOTSCHAFT: Christlich glauben, heißt durchhalten im Dunstkreis von Gottes Gegenwart und Gnade. Was tun wir, wenn Gott und seine Verheißung ausbleiben? : Es sind nicht wenige Menschen, die schon an Gott verzweifelt sind. Ja, unser Glauben an Gott kann ordentlich ins Wanken geraten. Das Vertrauen in Gott schwindet sukzessiv. Die Perspektivlosigkeit kann Menschen wie eine unheilbare Krankheit befallen. Immer wieder bin ich solchen begegnet. Immer wieder war ich selber in solchen Begegnungen in Sprachlosigkeit und Ohnmacht verfangen. Ja, es gibt es: die Ohnmacht und die Hoffnungslosigkeit. Nur die unmittelbar betroffenen sind berechtigt zu sagen, wie es ihnen tatsächlich geht! Von solcher existenziellen Erfahrung erzählte uns unsere erste Lesung aus dem 16. Kapitel des Buches Exodus. Die Befreiung aus der Knechtschaft führte in eine neue Situation der Hoffnungslosigkeit. Der Weg in das verheißene Land neuen Lebens in der Selbstbestimmung schien zu einer Fata Morgana geworden zu sein. Das Erhoffte verblaste. Verzweifelt zusammen mit dem Volk, das er in die Freiheit führen sollte, wandte sich Moses an Gott. Gott schenkte ein äußeres Zeichen neuer Hoffnung. „Durch die unerwartete Gabe macht Gott ihnen klar, dass er präsent ist, gerade in Situationen, die hoffnungslos erscheinen. Das sollte ihnen Mut und Kraft für alles geben, das noch auf sie zukommen wird“ (TD August 2018). Durch das Eingreifen Gottes fand das Volk Israel erneut zu seiner Identität. Christliche Identität kennen und leben: Wie beim Volk Israel geht es auch in den christlichen Gemeinden um die wahre christliche Identität. Darum ging es Paulus in seinem Brief an die Ephesergemeinde. Offensichtlich kam es zu einem Synkretismus, einer Identitätsvermischung. Er schreibt: „Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken!“ „In der Gemeinde, an die sich der Epheserbrief richtet, gibt es aus Sicht des Paulus offenbar ein Identitäts-Problem. In den Gemeinden der dritten christlichen Generation ist das keine Seltenheit. Die Christinnen und Christen von Ephesus sollen wissen, wer sie sind – in Christus. Ähnliches Identitäts-Problem gibt es auch heute unter den Christinnen und Christen. In einer pluralistischen Gesellschaft ist das kein Wunder, aber die echte Herausforderung. In einem Dschungel von Sinnangeboten haben wir immer neu die Frage nach dem wirklich Christlichen zu stellen. Die Sehnsucht hinter dem Hunger nach dem Brot: Im christlichen Glauben kann es zu einer Identitätsverwechslung kommen; da bleiben dann Menschen an der Oberfläche und können oder wollen nicht weiter dringen. „Im Johannesevangelium gibt es häufig Situationen, in denen Jesus und seine jüdischen Landsleute wortreich aneinander vorbeireden.“ Denken wir etwa an die Szene am Jakobsbrunnen bei der Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin. Ähnlich verhält es sich auch mit der Brot-Rede. Jesus will, dass die Menschen, die ihm nachfolgen, das Motiv ihres Glaubens überprüfen und nimmt dabei kein Blatt vor dem Mund: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“ Sie sollen nicht beim vergänglichen Brot bleiben. Hinter dem Brot sollen sie den Geber erkennen und zu ihm finden. Möge uns jede Eucharistiefeier helfen, Jesus immer tiefer zu erkennen und zu lieben. Amen. |
| SIEBZEHNTAG IM JAHRESKREIS (B): 29.07.2018 |
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SECHSZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2018-07-22 Schriftlesungen: Jer23,1-6; Eph 2,13-18; Mk 6,30-44 KERNBOTSCHAFT: Wir als Getaufte dazu berufen, in unserer Einzigartigkeit Christinnen und Christen zu sein. In vielen Kulturen steht der Name für ein ganzes Lebensprogramm: Es kann sehr bedeuten für viele Menschen, welchen Namen sie tragen. Ein kann sehr prägende sein für ein Kind, für einen erwachsenen Menschen. Ein Name kann zu einer Lebensberufung und in der Folge zu einem sozialen Programm werden für einen Menschen. Das ist beispielsweise so in meinem ursprünglichen Kulturkreis, wo jeder Name mit einem bestimmten Umstand aufs Engste verbunden und im Rahmen einer Namensgebungszeremonie eingebettet ist. Da kommen zwei Komponenten zusammen: die soziale Identität (Zugehörigkeit) und die Lebensphilosophie (Selbstbild). Meistens geht es bei fast allen Namensgebungen um das Lebensprinzip und um das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen. Manche männlichen Menschen heißen zum Beispiel Ikechukwu (Gottes Kraft), Ndubuisi (das Leben ist das Wichtigste), Ndubueze (das Leben ist König); weiblich tragen viele Mädchen und Frauen solche Namen wie: Chinwendu (Gott allein gehört das Leben), Onyinyechukwu (Gottes Geschenk). Es wäre sicherlich nicht abwegig, sich mit der Bedeutung des eigenen Namens zu beschäftigen, ganz besonders mit der Lebensgeschichte des eigenen Namenspatrons. Jesus Christus ist das nachhaltige Lebensprojekt aller Getauften: Schon bei der Verkündigung wird uns gesagt, was der Name des erwarteten göttlichen Kindes bedeutet: Jesus – der das Gottesvolk von seinen Sünden erlösen wird. Ein Name, der große Hoffnung und Freude in eine Welt „Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.“ Das Wort Gottes schafft eine neue Wirklichkeit in uns und durch uns in unserer Welt: Der Apostel Paulus bringt es auf einen Punkt, was es heißt, eine Christin oder ein Christ zu sein: im Jesu Namen alle Barriere und Trennungen zu überwinden. Denn wenn wirklich Jesus, der gute Hirte, die Menschen um sich sammelt, dann fallen alle Mauern der Trennung nieder, die Angst davor zu kurz kommen zu müssen verschwindet und alle werden genug zum Essen haben. Weil unsere Namen uns einmalig und einzigartig machen, sollen wir geradezu in dieser unserer Einzigartigkeit in unserer Gesellschaft Christinnen und Christen sein. Dazu können wir sicherlich etwas von unseren Namenspatroninnen und Namenspatronen lernen. Amen. |
| VIERZEHNTER IM JAHRESKREIS (B): 08.07.2018 |
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VIERZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2018-07-08 KERNBOTSCHAFT: Dass wir mitten im Alltag Gott als die Quelle unserer Lebenskraft erkennen. „Meine Gnade genügt dir“: Das ist Wohlwollen, Zuspruch für das Leben, Gottes unbedingte Zusage seiner Gegenwart. Gottes Wohlwollen wird uns zuteil nicht dort, wo wir die Starken und die Selbstzufriedenen spielen, sondern nur dort, wo wir uns unserer Erlösungsbedürftigkeit bewusst werden. „Sie (meine Gnade, Anm.) erweist ihre Kraft in der Schwachheit“. Wo wir mit unserer Schwachheit konfrontiert sind, dort wartet Gott mit seinem Wohlwollen auf uns. Ja, dort kommt er uns mit seiner aufrichtenden Liebe entgegen, wie Jesus dies im Gleichnis vom verlorenen Sohn geschildert hat. Der Apostel Paulus legt uns darum die Logik der Heilung und des Heils vor: „Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt“ (V 9b). Es geht also in unserem Glauben darum, dass die „Kraft Christi auf uns herabkommt“. Seine Kraft wird allerdings nur dann auf uns kommen können, wenn wir in unserem Leben Raum für Jesus schaffen. Für uns unfassbar sind folgende Worte des Apostels: „Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Das alles geht wohl über unser Erfassungsvermögen hinaus! Da bewegen wir uns im Raum der Mystik, des Eins-Seins mit Jesus Christus, als dem Sohn Gottes, von dem uns Lebenskraft zufließt. Im Alltäglichen das große Wunder Gottes sehen: Schwestern und Brüder, wer von uns kann wirklich mit dem Apostel Paulus diesen Satz aus tiefster Überzeugung aussprechen: „denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“? Ich meine, nur der Mensch, der keinen Zweifel darauf kommen lässt, wer Jesus ist und was er wirken kann, wie die Menschen in seiner Heimatstadt. Nur der Mensch, der die Fähigkeit besitzt, zu staunen über Gottes eigene Möglichkeiten mitten im Leben. Nur derjenige Mensch, der dem Allmachtswahn nicht verfallen ist. Vielleicht gibt es mehr Unglauben als Glauben in uns, weil wir uns allzu sehr mit unseren begrenzten Handlungsmöglichkeiten beschäftigen. Wer sich nämlich allzu sehr mit sich selbst beschäftigt, wird im Alltag in unterschiedlichsten Situationen die Gelegenheit verpassen, „die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn“ zu erkennen. Es vollzieht sich immer in uns eine innere Anbetung, wenn wir diese „Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn“ im Alltag erkennen. Dann wird für uns gelten, was dem Propheten Ezechiel gesagt worden ist: „Stell dich auf deine Füße!“ Das ist aber ein Zuspruch der Ermächtigung. Und wie sehr brauchen wir solche aufrichtenden Worte im Alltag! Gott ist die tragende Kraft, die uns hilft, dass wir uns „auf unsere Füße“ stellen. Mögest DU immer wieder diese Erfahrung machen. |
| DREIZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS(B): 01.07.2018 |
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DREIZEHNTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 2018-07-01 Schriftlesungen: Weish. 1,13-15; 2,23-24; 2 Kor 8,7.9.13-15; Mk 5,21-43 KERNBOTSCHAFT: Gott schafft und schenkt neues Leben über die Grenzen unserer Vorstellungen und Möglichkeiten hinaus. Aller Lebensschutz hat seinen Ursprung in Gott: Die jüdisch-christliche Bibel ist das Buch für das Leben schlechthin. Wie wertvoll das Menschenleben ist, wie es zu schützen ist und wie es am besten gelingen kann, das ist der Hauptinhalt der gesamten Bibel. Unsere erste Lesung aus dem Buch der Weisheit verkündet uns die Ursprünglichkeit des Lebens, die Gott selbst ist: „Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden. … das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde; denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.“ Diese Unsterblichkeit des Menschen wird von ihrer inneren Logik her erläutert: „Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.“ Hierin liegen die größte Hoffnung und die stärkste Zuversicht aller, die an Gott glauben. Er hat uns „zum Bild seines eigenen Wesens gemacht“. Was heißt das für uns? Für uns, die wir beständig von unterschiedlichsten Lebensumständen konfrontiert werden? Zum Leben zurückfinden: Unsere Berufung als Christinnen und Christen besteht darin, dass wir immer wieder darum bemüht sein sollen, zu unserem eigentlichen Ursprung zurückzufinden; wir sollen in persönliche Berührung kommen mit dem Wesen Gottes in uns. Das ist die Entscheidung, die der Christenmensch jeden Tag neu zu treffen hat. Die Suche nach Gott ist die besondere Quelle unserer Lebenskraft. Mit Gott Berührung zu kommen – in seiner Schöpfung, in Gebet und Meditation, in Begegnungen und Gesprächen mit den Menschen – ist die schönste Quelle unserer Lebenserneuerung. Wenn aber unsere Lebenserneuerung gut gelingt, färbt sie sich notwendigerweise an der gesellschaftlichen Erneuerung ab. Mit Gott stets in Berührung, werden wir immer wieder die nötige Kraft finden, um aufzustehen, wenn uns manche Bürden des Lebens niederdrücken. „Talita kum!“ – „Mädchen, ich sage dir, steh auf!“: Mit diesem kurzen Satz geschah das Unfassbare! Dieser Satz war für Jesus mit einem großen Risiko verbunden: „Einen Toten anzufassen war in der damaligen Zeit für einen Juden der schwerste Grad der Verunreinigung. Jesus verunreinigte sich, damit andere leben können.“ Das Leben dieses Mädchen war ihm viel wichtiger als die Einhaltung eines Reinheitsgesetzes! Jesus sagt uns, dass das Mädchen nicht tot ist, sondern „nur schläft“. Vielleicht ist dies der Hinweis darauf, dass sie sich „wie vom Leben abgetrennt vorkommt“. Gibt es nicht auch in unseren Tagen (und vielleicht in unserer Umgebung) Menschen, die sich selber wie vom Leben abgetrennt vorkommen? Wie gut würde es solchen Menschen tun, an die Hand genommen zu werden, ein heilendes, erlösendes und aufrichtendes Wort zu hören: „Steh auf, du wirst es schaffen!“ Das sollen wir immer wieder bedenken: „Wir alle leben davon, dass uns ein anderer anspricht, dass uns ein anderer meint, dass uns ein anderer ernst nimmt, und, dass uns ein anderer annimmt“. Jesus sendet uns aber nicht nur zu den anderen; er sendet uns auch zu uns selbst, indem er meint, „dass wir ausbrechen wollen aus den vielen Gefängnissen dieses Lebens, in die wir eingesperrt sind. Wir müssen aufstehen wollen“. Und darüber hinaus: Wir dürfen uns den Weg zu ihm nicht versperren lassen. "Talita kum!“ – „Steh auf!“ |
| ELFTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B): 17.06.2018 |
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ELFTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (B). 2018-06-17 Schrift: Ez 17,22-24; 2 Kor 5,6-10; Ev. Mk 4,26-34 KERNBOTSCHAFT: Gott berührt unsere Seele und verwandelt unser Leben durch unterschiedlichste Bilder aus der Natur. Gott erreicht uns in der Unscheinbarkeit des Lebens: Viele Bilder in der Bibel laden uns dazu ein, dass wir in die Wirklichkeit Gottes eintauchen, damit wir zu neuen Erkenntnissen über uns selbst, über unsere Mitmenschen, über die Sinnfülle der Schöpfung und vor allem über Gott wiederauftauchen können. In unserer ersten Lesung ist die Rede vom Wipfel des Baumes. Er ist der schwankende Teil, die sich bewegende Spitze von Pflanzen, besonders aber von Bäumen. Im Zusammenhang mit dem mittelhochdeutschen Verb „Wipfeln“ ist das eine Assoziation mit Sich-schwingend-Bewegen. Es klingen dabei Freiheit und Leichtigkeit und Hüpfen mit dabei. Wir erinnern uns an die große Freude als das Kind im Schoß von Elisabeth bei der Begegnung mit Maria „hüpfte“. Christlicher Glaube schenkt Freiheit und Leichtigkeit. Naturbilder sind auch Glaubensbilder: „Wipfeln“ als eine besondere Kunst in der Obst- und Forstwirtschaft hat mit dem Abschlagen des Wipfels eines Baumes zum Zweck der Förderung des Antriebes jungen Holzes zu tun. Die Obstbäume, die fast dem Ausgehen (ein Ausdruck existenzieller Bedrohung!) nahe sind, erhalten dadurch frische Kraft und werden wieder fruchtbar. Historisch betrachtet, ist das „Wipfeln“ der Ursprung des Christbaumes. Was ist nun die Frohe Botschaft dieser göttlichen forstwirtschaftlichen Tätigkeit? Wie es im Buch der Weisheit heißt, ist Gott ein Freund des Lebens (Weish 11,26). Er schenkt uns immer wieder die Möglichkeit, damit unser Leben gut gelingt. Aus meiner Sicht passt auch die Aussage des Apostels Paulus in diese göttliche forstwirtschaftliche Tätigkeit hinein: „Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein“ (2 Kor 5,8). „Beim Herrn zu sein“, ist nicht nur etwas, was erst „am Ende der Zeiten“ passieren wird. Diese Aussage steht auch für das uns in der Gegenwart zugesagte Leben. Ich nenne darum dieses „aus dem Leib auszuwandern“ ein „spirituelles Wipfeln“, und zwar zur Erlangung der unverdorbenen Freiheit eines Christenmenschen. Mit Jesus die Exerzitien im Alltag immer wieder wagen: Jesus, der Herr, wusste, dass das Reich Gottes uns Menschen am wirkvollsten durch Bilder zugänglich gemacht werden kann. Er liebte deshalb die natürliche Sprache, die Bildersprache, die mit den Schwingungen unserer Seele gut im Einklang stehen. Immer ging Jesus vom Vertrauten zum Unvertrauten, vom Sichtbaren zum Unsichtbaren. Das Selbstverständliche war kaum selbstverständlich für ihn. Das Staunen gehört wesentlich zum Glauben dazu. Er wollte darum die Menschen zum Staunen anleiten. „Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort Gottes, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen“, heißt es im heutigen Evangelium. Aufschlussreich sind die letzten Worte dieses Evangeliums: „seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war“. Wir lernen daraus, dass wir Jesus und seine Reichgottesverkündigung viel besser in der Unmittelbarkeit seiner Nähe verstehen können. Es gilt deshalb, diese persönliche Beziehung intensiv zu pflegen. |
| Hochfest Dreifaltigkeit. 27.05.2018 |
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HOCHFEST DER DREIFALTIGKEIT (TRINITATIS-SONNTAG): 2018-05-27 Schrift: Dtn 4,32-34.39-40; Röm 8,14-17; Ev. Mt 28,16-20 KERNBOTSCHAFT: Das Leben aus Beziehungen macht den Menschen aus und gelingt umso mehr, je mehr wir uns vom Geist Gottes leiten lassen. Das größte und schönste Geheimnis christlichen Glaubens ist die Wirklichkeit der Dreifaltigkeit: Wenn alle Einzelheiten wegfallen, bleibt die eine Urwirklichkeit, die uns als Menschen auszeichnet: die Beziehung. „Die jüdische und die christliche Religion lebt aus der lebendigen Erinnerung an ihre Anfänge, in denen Gott selbst die Initiative ergriffen hatte, sich den Menschen zu offenbaren.“ (TD Mai 2018) Diese Erinnerung an die Anfänge gibt unserem Leben Grundorientierung, Inhalt und Halt. Diese Erinnerung ist zugleich mit der wichtigen Frage des Lebens untrennbar verbunden: Woher kommen wir? Ebenso wichtig ist die zweite: Wohin gehen wir? Diese zwei Fragen sind für unseren Lebensvollzug in dieser Welt sehr ausschlaggebend. Nach unserer ersten Lesung sind wir aus Gott. Ja, wir sind, weil Gott uns ins Leben gerufen hat. Wie wichtig ist dieses Wissen: Der Mensch – jeder Mensch – ist der von Gott ins Leben Gerufene. Wir sind Wesen der Erinnerung und der Beziehung: Erinnerung und Beziehung, diese zwei, sie machen uns als Menschen wesentlich aus. Und: Als Christinnen und Christen sind wir eine Erinnerungsgemeinschaft. Christlich zu glauben, heißt Zugehörigkeit zu dieser Erinnerungsgemeinschaft. Sich zu erinnern, bedeutet, dass wir die Worte der zweiten Lesung beherzigen, denn es stecken viel Kraft und Zuversicht in ihnen: „Wir sind Kinder Gottes; wir sind Erben Gottes und Erben Christi.“ Ich habe geradezu in der Weiterführung dieser Worte des Apostels entdeckt, dass die Mystik für unser Leben unverzichtbar ist: „Wenn wir mit ihm [Christus] leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.“ Es heißt, dass unsere gesamte Existenz mit der Existenz Jesu Christi ganz verwoben ist. Wenn wir leiden müssen, ist es zwar unser Leid, dennoch leiden wir nicht allein. Das Ende unseres Leids wird die neue Existenz in Christus sein. Dieses Bewusstsein tut uns gut! Dass wir Kinder Gottes sind, hat Konsequenzen für unser persönliches Leben sowie für die Glaubensverkündigung: Wenn wir Kinder Gottes sind, bedeutet dies, dass wir uns bei allen Gedanken, die wir hegen, bei allen Worten, die wir sprechen und bei allen Entscheidungen, die wir fällen, uns fragen sollen, ob sie dem Geist Gottes entsprechen. Sich vom Geist Gottes leiten zu lassen, braucht eine Sicherheitsgarantie, die uns nicht überfordert und weit über unsere natürliche menschliche Kraft. Diese Sicherheitsgarantie liegt in der Zusicherung Jesu selbst: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Schwestern und Brüder! In diesem wohltuenden Bewusstsein sollen wir als Christinnen und Christen leben und handeln. Es ist die Urdynamik unserer christlichen Existenz und unseres Evangelisierungsauftrags. Es ist letztendlich eine Urdynamik der Beziehung, die wir im Glauben an die Dreifaltigkeit bekennen. |
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