DREISSIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS(C)

DREISSIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-10-27

KERNBOTSCHAFT: Wer aufrichtig in Beziehung zu Gott steht, schafft Raum für das Geschenk seiner Gnade.

Unser Selbst- und Gottesbild bestimmen unsere zwischenmenschlichen Beziehungen: Ich erkenne in diesem Gleichnis von Pharisäer und Zöllner, wie wichtig es ist, dass wir sehr darum bemüht sein sollten, mit unserem Selbst- und Gottesbild in enge Berührung zu kommen. Diese Übung ist nicht nur notwendig für eine lebendige Spiritualität, sondern für das Zusammenleben. Was ich von mir selbst halte, bestimmt mit, was ich von anderen Menschen halte und wie ich zu ihnen bin; was ich über sie denke. Genauso wichtig ist das Gottesbild, das wir tief in unserer Seele tragen. Es macht unsere Spiritualität, ja, unseren Glauben aus. Es beeinflusst auch, wie wir andere Menschen sehen.

Echte christliche Spiritualität: Was ist heute christliche Spiritualität? Wie gestaltet sie sich? Immer wieder lehrt Jesus die Menschen, was es heißt in Gottesbeziehung zu stehen. Er macht anschaulich die besondere Größe und Wichtigkeit christlicher Spiritualität: Groß sein und Erfüllung finden in Gott. Jesus warnt aber auch davor, dass die Praxis der Selbstgerechtigkeit uns von Gott und von unseren Mitmenschen entfremdet. Der Pharisäer ist in sich verfangen. Denn in seinem Gebet bringt er einen Gott zur Sprache, den er gegen seinen Mitmenschen in Stellung bringt. Echtes menschliches Wachstum, ob nun spirituelle oder allgemeinmenschlich geschieht nicht gut am Rücken der Mitmenschen! Jesus lehrt die Notwendigkeit wahrer Demut: Sie lässt die Menschen groß sein und innere Erfüllung finden in Gott. Es gibt eine Ironie der Haltung des Zöllners: Sein Sündenbewusstsein öffnete ihm den rettenden Raum der Gnade. Im Gebet des Zöllners steckt ein neues Leben, das Gott allein zu schenken vermag: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Sein Gebet erinnert an die Wirklichkeit der Gnade bei Paulus, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint: „Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20b). Vielleicht müssten wir alle das neu lernen! Unsere Selbstgerechtigkeit, unser vermeintliches Gutsein kann schon dazu führen, dass die Kirche Jesu Christi nicht wächst.

Die Hoffnung, die uns nach Hause und im Leben begleitet: Jeder und jede kann beten. Wie wir beten, darauf kommt es an. Es ist in unserem Glaubensleben wichtig, dass wir mit Gott im Gespräch zu bleiben. Es ist wichtig, dass wir mit unserer innersten Überzeugung im Einklang sind. Im Glaubensleben geht es nicht darum, dass wir „besser als die anderen dastehen“. Wir brauchen aber den Heiligen Geist Gottes, um zwischen der echten und der falschen Demut unterscheiden zu können. Es heißt, dass wir wohl auch von den guten Dingen erzählen können, dürfen und sogar sollen, die wir in unserer Beziehung zu Gott und durch diese hindurch erlebt haben. Ich bin davon überzeugt, dass eine lebendige christlich-katholische Glaubenskultur heute nicht aus falscher Rücksichtnahme auf die Erzählkultur verzichten darf. Diese Schiene der Evangelisierung ist ungemein wichtig. Wir müssen bedenken: indem wir vom Guten erzählen, könnten wir ja andere Menschen zum Handeln für das Gute anstacheln.

DREIUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C)_08.09.2019

DREIUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-09-08

BERGMESSE DER PFARRE

KERNBOTSCHAFT: Nur wer sich den Jesus der Evangelien nicht zurechtzimmert, wird den Ernst seiner Botschaft verstehen und im Glauben wachsen können.

Von der angstmachenden Verkündigung zur Verharmlosung der erlösenden Botschaft Jesu: Bei manchen Worten Jesu in den Evangelien stockt es in meinem Denkfluss. Ich frage mich immer dann, ob wir jemals den Jesus der Evangelien verstehen werden können. Wir, die wir nicht selten zu den Menschen gehören, die sich ihr eigenes Gottesbild nach Gutdünken zusammengezimmert haben. Wenn jedoch das Evangelium, die Frohbotschaft, uns gut erreichen soll, müssen wir uns schon in aller Vorbehaltlosigkeit auf Jesus der Evangelien einlassen. Die Frohbotschaft ist ja frohmachen, weil sie in die Tiefe geht! Immer will uns Jesus in der Tiefe erreichen, berühren. Das ist auch im heutigen Evangelium die Absicht Jesu. Seine Worte klingen jedoch überhaupt nicht zahm! Nein, da ist keine Spur von der Zahmheit!

„Die Sache Jesu braucht Begeisterte“ und Entschlossene: Liebe Schwestern und Brüder der Pfarre Starchant! Was mich immer wieder überwältigt auf einem Berg (oder sind wir heute auf einem Berglein? J), könnte auch die Erfahrung einiger von euch sein: die Erfahrung von einer unmittelbar unbeschreiblichen Freiheit! Ich finde, dass es Jesus geradezu um diese Freiheit des Glaubens, die Freiheit der Nachfolge, geht. Es geht Jesus stets um die Freiheit für Gott. Freiheit hängt jedoch stets mit der persönlichen Entscheidung aufs Engste zusammen, mit der Selbstverantwortung. Jesus verkündet uns die radikale Freiheit. Radikal, weil sie an die Wurzel geht. Wir müssen wurzelhafte bzw. wurzelfeste Christinnen und Christen sein, ja, werden! Die Worte Jesu entbehren nichts an Klarheit: „Wenn du merkst, es nicht zu schaffen, mir nachzufolgen, den Besitz zu lassen, wenn deine Mittel und Fähigkeiten zu gering sind, dann lass es lieber mit der Nachfolge“ (TE DEUM, Sept. 2019). Es ist dem Jesus der Evangelien ungemein wichtig, dass wir uns mit der Frage der konsequenten Nachfolge auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzung wird kaum gut gelingen, wird keine guten Früchte tragen, es sei denn, dass wir für die Weisheit von Oben offen sind. Das hörten wir aus der Lesung aus dem Buch der Weisheit: „Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen und einfältig unsere Gedanken; denn ein vergänglicher Leib beschwert die Seele und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Verstand.“ Darum bedeuten Glauben und Nachfolge Jesu, dass wir ganz offen sind für die Weisheit Gottes, in der wir erst richtig frei werden. Freisein aber wozu? Um die großen Taten des HERRN zu verkünden! Möge dieses Anliegen unsere aller Verantwortung sein!

ZWEIUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C)_01.09.2019

ZWEIUNDZWANZIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-09-01

Familiengottesdienst, Thema: TISCHGEMEINSCHAFT mit WÜRDE und DEMUT.

GRUNDBOTSCHAFT: Jesu Tischgemeinschaft hilft uns wachsen in Würde und Demut und erneuert so unsere Gesellschaft.

Kirche ist Vision und Mission: Der Blick auf diesen schöngedeckten Tisch sagt mir intuitiv: „dieses Fest findet sicher nicht statt!“ Die Spannung ist unübersehbar und spürbar! Allerdings, solange zwei Gäste dabei sind, gibt es Hoffnung: Würde und Demut. Ich vertraue zudem darauf, dass der Gastgeber Herr der Lage sein wird. Kirche hat nicht nur Vision und Mission einer Tischgemeinschaft, sondern sie ist diese Vision und Mission in ihrem Wesen.

Die Menschheitsgeschichte schreibt sich ganz schlecht mit Hochmut und falschem Stolz: Genau heute vor 80 Jahren fingen Hochmut und falscher nationaler Stolz an, die schrecklichste Geschichte der größten Verwüstung der Menschheitsfamilie zu schreiben. 60 Millionen Menschen (!) mussten sterben, weil Hochmut und falscher Stolz am Werk waren. Gott bewahre uns vor Wiederholungen!

Die wahre christliche Botschaft ist gut gewappnet, die Welt vor den schrecklichen Folgen von Hochmut und falschem Stolz zu retten: Klarer kann diese rettende und erneuernde Botschaft im Buch Jesus Sirach nicht sein: „Mein Kind, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen! Je größer du bist, umso mehr sei demütig, das heißt, erkenne, dass deine Größe selbst ein Geschenk Gottes ist.“ Jesu Tischgemeinschaft ist das schönste Geschenk christlichen Glaubens; das schönste Geschenk der Kirche an die Welt; sie ist der privilegierte Ort, an dem wir lernen können, was Würde und Demut ist. Ich muss eingestehen: Mir fehlt es sehr schwer, zu begreifen, warum viele Menschen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, oft dieser heilenden und erbaulichen Tischgemeinschaft ruhigen Gewissens fern bleiben. JESUS will DICH an seinem Tisch!

Vierter Sonntag der Osterzeit 2019

VIERTER SONNTAG DER OSTERZEIT (C): 2019-05-11

KERNBOTSCHAFT: Heute noch hat das Wort Gottes die Kraft, Menschen und Städte für die Sinnfindung ihres Lebens zu verwandeln.

Die Kirche braucht den Enthusiasmus und den Freimut der Apostel: Es lag den beiden Aposteln Paulus und Barnabas sehr am Herzen, die Menschen dort aufzusuchen, wo sie gerade waren. Es wird berichtet, dass sie am Sabbat in die Synagoge gingen und sich einfach zu den Menschen hinsetzten. Es folgte etwas Ergreifendes, was jedoch leider von der Liturgiekommission völlig ausgeklammert wird. Im folgenden Vers 15 heißt es, „Nach der Lesung aus dem Gesetz und den Propheten schickten die Synagogenvorsteher zu ihnen und ließen ihnen sagen: Brüder, wenn ihr ein Wort des Zuspruchs für das Volk habt, so redet!“ Eigenartig finde ich es schon, dass ausgerechnet, die Synagogenvorsteher wollten, dass sie Worte des Zuspruchs für das Volk sprechen, da sie doch die Verantwortung für die Auslegung des Gesetzes innehatten. Nun, was bedeutete das? Was sagt uns diese Einladung? Ich glaube, dass sie erkannt hatten, dass die Apostel eine befreiende Botschaft zu verkündigen hatten; sie erlebten, dass ihre Worte die Menschen berührten. Ihre Worte berührten die Menschen, weil sie durch die Worte von Paulus und Barnabas in Berührung mit einer Wirklichkeit gekommen waren, die sie unbedingt anging, mit einer Wirklichkeit, die sie umfing. Was danach geschah, wäre auch noch in unseren Tagen möglich: „Am folgenden Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort des Herrn zu hören.“ Es kam allerdings zu einer negativen Kehrwende: die Menschen, die sie ursprünglich einluden, waren plötzlich voller Eifersucht, sie fürchteten sich augenscheinlich um ihre Machteinfluss. Was hatten aber Paulus und Barnabas gemacht? Sie zeigten den eifersüchtigen Synagogenvorstehern, dass es nicht um sie selbst ging, sondern um etwas Größeres, in dessen Dienst sie standen. Ohne Zögern machten sie es, wie Jesus zu seiner Lebenszeit empfohlen hatte: „Paulus und Barnabas aber erklärten freimütig: Euch musste das Wort Gottes zuerst verkündet werden. Da ihr es aber zurückstoßt und euch des ewigen Lebens unwürdig zeigt, wenden wir uns jetzt an die Heiden.“

Wer auf die Stimme des Auferstandenen durch das Wort der Verkündigung hört, der findet das wahre Leben: Es wäre vielleicht gar nicht schlecht, wenn die Verkünder und Verkünderinnen des Wortes es Paulus und Barnabas gleich machen würden: bei verschlossenen Herzen einfach weiter zu ziehen. Die wunderbare Botschaft ist jedoch diese: Wer auf die Stimme des Auferstandenen hört, dem ist das ewige Leben sicher. Die Worte des Herrn sind wahr: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben.“

Dritter Sonntag der Osterzeit 2019

DRITTER SONNTAG DER OSTERZEIT (C): 2019-05-05

KERNBOTSCHAFT: Auf die EINE STIMME kommt es an für unsere Lebensorientierung und –Lebenserfüllung.

Der Zeitgeist der vielen Stimmen: Fake News ist ein besonderes Erscheinungsbild unserer Zeit. Was die Wahrheit in den sozialen Medien ist, ist oft nicht gleich erkennbar. Die falschen Nachrichten kommen jedoch nicht nur in den sozialen Medien vor. Die Meinungsbildungen geschehen auch ohne sie. Es ist gefährlich, wenn sich Menschen erlauben, außengesteuert zu werden, sich von den schwankenden Meinungen anderer abhängig zu machen. Wir bedürfen des Geistes der Unterscheidung, um uns besser zu orientieren! Wir brauchen einen inneren Anker!

„Vox populi, vox Dei“ – die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes: So sagt es der alte Volksmund. Stimmt es denn wirklich? Welche Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes? Welches Volk ist gemeint? Wann ist die Stimme des Volkes die Stimme Gottes? Was unterscheidet das Individuum von der Masse? Wann gibt das Individuum der Masse seine Stimme und wann geht es in der Masse unter? Welches Volk denn jubelte Adolf Hitler zu mit „Heil Hitler!“? Welches Volk umgibt heute einen Diktator? Welche Stimmen verstummen im Angesicht der Menschenrechtsverletzungen? So viele Fragen, die darauf warten, dass sie immer wieder gestellt werden sollen! Vielleicht sind wir selber ein Teil der notwendigen Antwort.

Die EINE Stimme macht uns Mut und bringt unser Leben zum Blühen: Die Haltung der Apostel, ihre Standhaftigkeit angesichts des Schmerztiegels vielfältiger Anfeindungen ist weit mehr als eine Faszination für uns; sie ist eine große Motivation für die Gestaltung unseres Lebens und unseres Glaubens. Sie fühlten und wussten sich einer einzigen Stimme verpflichtet: der Stimme Gottes tief in ihrer Seele, der Stimme ihres Gewissens. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, so sagten es die Apostel ihren Verfolgern in der Apostelgeschichte. In allen Dingen, die wir tun mehr auf Gott zu hören als auf Menschen ist eine tragende Kraft in unserem Leben. Es verhält sich aber auch genauso mit der einen Stimme, auf die sich die Apostel beim Fischen eingelassen und dabei einen großen Fang gemacht haben. Es ist dies die Stimme des Auferstandenen, die uns neue Lebensperspektiven eröffnet und schenkt. Der reiche Fischfang steht für unser blühendes Leben, wenn wir auf die Stimme des auferstandenen Herrn hören.

Fatima 11. Monatswallfahrt 2019.04.13

FATIMA: 11. MONATSWALLFAHRT. 2019-04-13

LEITGEDANKE: „Maria, Mutter der Versöhnung“

Der Hunger der Welt nach Versöhnung: Die größte Schwierigkeit unserer gegenwärtigen Weltgesellschaft scheint mir der akute Mangel an Versöhnung zu sein. Es gab und gibt so viele Kränkungen, die wie ein Vulkan unter dem Existenzboden unseres Zusammenlebens brodeln. In vielen Regionen sind bereits solche Vulkane ausgebrochen und haben Städte und Dörfer in Schutt und Asche gelegt. Ich bedanke mich darum bei unserem Vorbereitungsteam für die wunderbare Entscheidung, das große Thema der Versöhnung in den Mittelpunkt unserer 11. Monatswallfahrt zu stellen. Einmal mehr haben sie unter Beweis gestellt, dass wir im Glauben die notwendige spirituelle Quelle für die nachhaltige Lösung vieler Probleme, mit denen sich unsere Weltgesellschaft herumschlagen.

Wie schaut die Versöhnung unter den Menschen aus? : Üblicherweise denken wir beim Wort Versöhnung an vollzogenen Verletzungen und anhaltenden Wunden. Das stimmt. Vielleicht gibt es auch die Gruben der Unterlassung, der Verachtung oder Missachtung. Vielleicht gibt es auch Verletzungen durch Gleichgültigkeit, wenn uns die Not anderer Menschen uns nicht mehr berühren. Dann bedeutet dies, dass wir uns mit dem Leben versöhnen, ja, mit unserer Lebenseinstellung. Versöhnung heißt in beiden Aspekten Zusammenkommen, einander gegenseitig in Liebe annehmen, füreinander sorgen und füreinander da zu sein. Versöhnung heißt nach beiden Richtungen Mensch zu sein für den Menschen; Segen zu sein, wie dies Gott zu Abraham sagte: Segen sollst DU sein. Wir erkennen also, dass Versöhnung die Seele einer Gesellschaft ist. Es geht auch um die Versöhnung zwischen den Generationen, beispielsweise hinsichtlich der Altersversorgung. Werden wir jedoch nicht überfordert bei den Schritten zur Versöhnung?

Auf den Gekreuzigten schauen: Schon heute nehmen wir die Gedächtnisfeier vom Karfreitag vorweg, die Kreuzigung des Menschenfreundes und Gottessohnes, Jesus. Wir brauchen unbedingt eine Kraftquelle, damit die Schritte zur Versöhnung uns nicht überfordern. Unter dem Kreuz und gerade durch das Kreuz findet Versöhnung statt, die von Gott ausgeht und alle Menschen guten Willens umfassen und erfassen soll. Durch die Liebe und die freiwillige Hingabe Jesu wird uns die Versöhnung mit Gott geschenkt. Dieses Geschenk ist Kraftquelle für uns. Denken wir immer daran, dass Versöhnung von Gott ausgeht und uns mit seiner versöhnenden Liebe entgegenkommt. Gott hat durch seine versöhnende Liebe einen Neubeginn der Beziehung zu ihm und unter uns Menschen gesetzt. Wie schön und heilsam, wenn wir uns der Liebe Gottes öffnen; wenn wir trotz aller Fehler uns von Gott geliebt fühlen; wenn wir bewusst seine Liebe annehmen! Denken wir immer nach über das Gleichnis vom barmherzigen Vater. Jesus hat ein für alle Mal unterstrichen, dass Gott ein verzeihender und barmherziger ist.

Warum ist Maria ein Urbild der Versöhnung? : Gerade in der Situation der Hoffnungslosigkeit, der Ohnmacht und der Endgültigkeit schafft Jesus den Raum für Neues. Er sieht in seiner leidenden Mutter die Quelle der universalen Versöhnung für alle Menschen. Er vertraut den Jünger, den er besonders liebte, in der Stellvertretung für alle Jüngerinnen und Jünger, seiner Mutter an. Der Fremde, der Apostel erhält eine neue Mutter. So stiftet Jesus im Angesicht seines Todes eine neue Beziehung, in der die Wunden der Enttäuschung geheilt werden. Nun setzt Maria fort, was Gott ursprünglich mit ihr begonnen hat: Durch ihr Jawort begann die göttliche Initiative der versöhnenden Liebe für die Menschheit. Es liegt Maria am Herzen, dass alle Menschen zu Gott finden. Vielleicht ist es glaubwürdige Theologie der Marienerscheinungen. Gehen wir also mit Maria in die Karwoche hinein.

Fest des Heiligen Josef 2019

FEST DES HEILIGEN JOSEF, DES ARBEITERS. 2019-05-01

KERNBOTSCHAFT: Die Freiheit und die Würde des arbeitenden Menschen sind eine weltweite Herausforderung für die christliche Verkündigung.

Die Geschichte bleibt eine beständige Herausforderung für die christliche Botschaft: Was vor 133 (1886) Jahren in den USA begonnen hatte, erfasste auch Deutschland nach dem 1. Weltkrieg: Der 1. Mai wurde zu einem Tag der Arbeiterbewegung im Kampf um soziale Rechte. Durch die Person des Papstes Pius XII., der für seine politische Intelligenz bekannt war, legte die katholische Kirche den Gedenktag des heiligen Josef, des Arbeiters an diesen >>Tag der Arbeit<< fest. Zu den Forderungen für die sozialen Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter akzentuierte Papst Pius XII. die unverzichtbare Dimension des Menschen: seine unantastbare Würde als Ebenbild Gottes. Das war aus seiner Sicht die Grundbedingung für die sozialen Frieden. Für unsere moderne und gar post-moderne Gesellschaft hat sich an dieser Forderung nichts geändert. Ganz im Gegenteil! Die Würde des arbeitenden Menschen ist mehr denn je zu einer brennenden sozialen Frage geworden. In den meisten außereuropäischen Ländern sind Abermillionen Kinder zu Sklavinnen und Sklaven der Arbeit und der sexuellen Ausbeutung durch Prostitution verurteilt. Am 1. Mai bleibt der Aufruf zur internationalen Solidarität ein Kernbereich christlicher Verkündigung!

Die Gottesfrage des 21. Jahrhunderts ist eine Menschenfrage: Die Botschaft christlichen Glaubens ist die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi, die Botschaft der Befreiung, die Botschaft einer Hoffnung, die stärker ist als alle Gewalt dieser Welt. Wie zur Zeit der Anfänge der Kirche, gibt es aber auch heute Menschen, die die Sprengkraft dieser Botschaft der Auferstehung verhindern wollen. Sie haben Angst davor, dass die Menschen – das sind die Unterdrückten und Ausgebeuteten – die befreienden Worte des Lebens hören und befolgen. Sie bauen deshalb geistige Mauern um ihre Firmen und Betriebe. Ähnlich erging es Jesus in seiner Heimatstadt: die Menschen hatten Angst vor der Umstellung ihres Lebens. Bei den Aposteln wurden sie wegen der Wirkmächtigkeit ihrer Verkündigung ins Gefängnis geworden. Es war aber auch gerade diese Botschaft der Freiheit, die ihnen die Gefängnistore öffnete. Heute kann es Christinnen und Christen nicht gleichgültig sein, ob sich die vielen Gefängnistore in unserer Welt öffnen, wo Menschen in der Arbeit ihre Würde verlieren. Christlicher Aktivismus ist auch eine Art des Christseins! Die Möglichkeit dazu gibt es zur Genüge.

Zweiter Sonntag der Osterzeit 2019

DRITTER SONNTAG DER OSTERZEIT (C): 2019-05-05

KERNBOTSCHAFT: Auf die EINE STIMME kommt es an für unsere Lebensorientierung und –Lebenserfüllung.

Der Zeitgeist der vielen Stimmen: Fake News ist ein besonderes Erscheinungsbild unserer Zeit. Was die Wahrheit in den sozialen Medien ist, ist oft nicht gleich erkennbar. Die falschen Nachrichten kommen jedoch nicht nur in den sozialen Medien vor. Die Meinungsbildungen geschehen auch ohne sie. Es ist gefährlich, wenn sich Menschen erlauben, außengesteuert zu werden, sich von den schwankenden Meinungen anderer abhängig zu machen. Wir bedürfen des Geistes der Unterscheidung, um uns besser zu orientieren! Wir brauchen einen inneren Anker!

„Vox populi, vox Dei“ – die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes: So sagt es der alte Volksmund. Stimmt es denn wirklich? Welche Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes? Welches Volk ist gemeint? Wann ist die Stimme des Volkes die Stimme Gottes? Was unterscheidet das Individuum von der Masse? Wann gibt das Individuum der Masse seine Stimme und wann geht es in der Masse unter? Welches Volk denn jubelte Adolf Hitler zu mit „Heil Hitler!“? Welches Volk umgibt heute einen Diktator? Welche Stimmen verstummen im Angesicht der Menschenrechtsverletzungen? So viele Fragen, die darauf warten, dass sie immer wieder gestellt werden sollen! Vielleicht sind wir selber ein Teil der notwendigen Antwort.

Die EINE Stimme macht uns Mut und bringt unser Leben zum Blühen: Die Haltung der Apostel, ihre Standhaftigkeit angesichts des Schmerztiegels vielfältiger Anfeindungen ist weit mehr als eine Faszination für uns; sie ist eine große Motivation für die Gestaltung unseres Lebens und unseres Glaubens. Sie fühlten und wussten sich einer einzigen Stimme verpflichtet: der Stimme Gottes tief in ihrer Seele, der Stimme ihres Gewissens. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, so sagten es die Apostel ihren Verfolgern in der Apostelgeschichte. In allen Dingen, die wir tun mehr auf Gott zu hören als auf Menschen ist eine tragende Kraft in unserem Leben. Es verhält sich aber auch genauso mit der einen Stimme, auf die sich die Apostel beim Fischen eingelassen und dabei einen großen Fang gemacht haben. Es ist dies die Stimme des Auferstandenen, die uns neue Lebensperspektiven eröffnet und schenkt. Der reiche Fischfang steht für unser blühendes Leben, wenn wir auf die Stimme des auferstandenen Herrn hören.

Zweiter Sonntag der Osterzeit 2019

ZWEITER SONNTAG DER OSTERZEIT (C): 2019-04-28

Sonntag der Barmherzigkeit – Weißensonntag.

KERNBOTSCHAFT: Jesus Christus ist die von Gott gewollte Anziehungskraft in dieser Welt für Lebensglück und Sinnerfüllung.

Jesu Bekundung seiner Sendung zündet sich nach seiner Auferstehung im Leben vieler Menschen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Berührt, fasziniert und ergriffen bin ich vom Leben der Apostel und ihres sozialen Umfeldes nach der Auferstehung Jesu. Ich staune über die Dynamik des Anfangs! Der ängstliche Petrus übernimmt eine unglaubliche Führungsrolle und erwacht zu einer verblüffenden Dreistigkeit. Mitten in allen möglichen Widerwärtigkeiten und Feindseligkeiten entfaltet sich in ihrer Verkündigung eine unwahrscheinliche Anziehungskraft. „Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt, Scharen von Männern und Frauen. Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Liegen, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel. Auch aus den Städten ringsum Jerusalem strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt“ (Apg 5,14-16). Davon können wir wohl heute in der Kirche träumen! Woran lag die Faszination damals? Ich glaube, es war das Berührt-sein, die Echtheit und das Sich-zurück-Nehmen, damit der Auferstandene in seiner Wirkmacht aufleuchten konnte. Worin liegt aber heute die Ermüdungserscheinung in der katholischen Kirche?

Die Auferstehung Jesu ist das Lebensbuch, das wir täglich neu aufzuschlagen haben: Für die Apostel und die ersten Christinnen und Christen war die Auferstehung Jesu ein umwerfendes Ereignis der Hoffnung. Sie spürten, dass sein ganzes Leben mit ihrem eigenen Leben etwas zu tun hatte. Sie spürten, dass Gott ganz im Spiel war und sie gemeint waren. Sie sahen in der Auferstehung das Lebensbuch schlechthin, dass sie täglich neu aufzuschlagen hatten. Die Erfahrung ihrer Lebenswirklichkeit spielgelt sich im Buch der Offenbarung: „Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt“ (Offb. 1,17-18). Der Auferstandene ist die Garantie dafür, dass mein Leben gut gelingt, denn in seiner Nähe kann ich nicht mehr von Angst besessen sein. Wir hörten im Evangelium diesen Mut Macher: „Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch“ (Joh 20,26b). Jesus kann zu dir kommen, egal, wie schmal der Spalt in deinem Leben ist.

Christlicher Glaube ist Freude in der Begegnung mit Jesus: Es ist eine Glücksfülle, wenn mitten im Lebenszweifel uns die Erfahrung der Begegnung mit Jesus geschenkt wird. „Als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen“ (Joh 20,19b-20). Und wir? Wie groß ist unsere Freude über die Begegnung mit Jesus?

Ostermontag 2019

OSTERMONTAG (C): 2019-04-22

KERNBOTSCHAFT: Wir müssen den Zweifel zulassen, um im Glauben weiterkommen zu können.

Die Fragen der Hinterbliebenen: Nach dem Tod eines lieben Menschen bleibt das Leben nicht mehr, wie es war. Es gibt viele Fragen, die nicht gleich beantwortet werden können. Solche Fragen sind dann umso erdrückender, je jünger der verstorbene Mensch ist. Der Lebenszweifel wird zu einem beständig ungebetenen Wegbegleiter. Von allen Fragen, die auftauchen, bleibt diese eine am hartnäckigsten: Wie soll es nun weitergehen? Es ist gut, in solchen Situationen den Zweifel zuzulassen. Es ist aber etwas anderes, auf das Vergangene zu verharren. Dieses Verharren kann bedeuten: das Verharren in der Trauer, in Gewohnheiten, im Althergebrachten.

Der Zweifel der zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus ist die Würze des Glaubens: Es mag schon manchen von uns widersprüchlich erscheinen, dieses „Loblied“ auf den Glaubenszweifel zu hören. Ich finde es jedoch ganz in Ordnung! Denn wer zweifelt, bleibt lebendig. Wer zweifelt, ist auf dem Weg der Selbstfindung. Wer zweifelt, stellt Fragen, die auf richtige Antworten warten. Wer zweifelt, findet sich mit dem Vorhandenen, mit dem Gegebenen nicht ab. Wer zweifelt, schafft schlussendlich Raum für Begegnung und Dialog. Schauen wir darauf, wie es bei den zwei Emmausjüngern war: Ihr Herz ist schwer und dennoch lassen sie sich ein auf die Begegnung mit dem verkannten Auferstandenen, sie lassen sich ein auf sein Wort und auf das Sakrament seiner Gegenwart.

Ich habe meinen Zweifel und meine offenen Fragen: Ausgerechnet am Ostersonntag, wo die Christinnen und Christen in Sri Lanka ihren Glauben und ihre Hoffnung beim Gottesdienst feierten, kam es zu mehrfachen Bombenattentaten. Es starben laut die letzte Berichterstattung 207 Menschen, über 560 Menschen wurden schwer verletzt. Was bedeutet die Osterfreude für die Christinnen und Christen in Sri Lanka? Was bedeutet sie für uns, die wir in Österreich noch in einem sicheren Land leben dürfen? Kann denn wirklich die Liebe über den Hass, über das Böse siegen? Ich darf wohl such Fragen stellen! Ich erspüre eine Antwort im Emmausereignis: Ein aufgeklärtes Ende des zunehmenden skrupellosen und hasserfüllten Mordens in unserer Welt besteht nach meinem Verständnis der Botschaft der Auferstehung darin, dass sich die Menschen zu einem gemeinsamen Tisch des Wortes zusammensetzen und tragende Antworten auf ihre Lebensfragen suchen und finden. Das verlangt der Auferstandene zuerst von uns, dann durch uns von allen anderen.

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