| ASCHERMITTWOCH 2020 |
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ASCHERMITTWOCH 2020-02-26 KERNBOTSCHAFT:Die Fastenzeit hilft uns, Gott näher zu sein, damit unsere zwischenmenschlichen Beziehungen besser gelingen können. Unterwegs zur Freiheit: Das größte Geschenk des Schöpfers an uns Menschen ist die Freiheit. Dieselbe Freiheit ist zugleich das gefährlichste Geschenk Gottes an die Menschen. Freiheit kann auch zu Beliebigkeit und Selbstverlust führen. Sie ist darum immer neu erringen. Wir können Ja oder Nein zum Schöpfer sagen. Der Preis einer falschverstandenen Freiheit ist allerdings sehr groß. Diese bittere Erfahrung hat das Volk Israel machen müssen. Die neu erhaltene Freiheit musste sich erst bewähren. Die biblische Geschichte über die Freiheit des Volkes Israel ist modellhaft für unsere eigene Freiheit. Die 40 Tage der heute beginnenden Fastenzeit erinnern uns nicht nur an die Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste in das Gelobte Land, sondern bezeichnen zugleich unser Heranreifen in die persönliche Beziehung zu Gott hinein. Das ist aber geradezu das, was Glauben heißt. In der Fastenzeit soll unsere Beziehung zu Gott, zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen gereinigt werden. Ja, auch unsere Lebensbeziehungen brauchen ihre Qualitätssicherungen. Im Glauben werden wir unter allen Bedingungen vom Leben getragen: Im Buch des Propheten Jesaja (7,9) steht dieser wunderbare kurze Satz: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ Hier wird auf die Wurzel des Glaubens und somit des Lebens in der Bibel angespielt: >>Aman<< [fest, sicher, zuverlässig sein]. Von diesem Wurzelwort haben wir unser >>Amen<<, das wir beim Gebet sprechen. Es kann bedeuten: „das Versprechen, zu einer Sache oder Person in Tat und Wahrheit zu stehen, die Treue Gottes nachzuahmen, auf Gott zu vertrauen und Gottes Boten und Zeugen*innen zu glauben, sich in Gott fest zu machen und Gottes Liebe zu trauen“. Hierin liegt die Zielsetzung der Fastenzeit: wir sollen uns nach unseren Möglichkeiten in Gott festmachen. Dazu geben uns am Aschermittwoch die Schriftlesungen wichtige Grundorientierungen. Wir sollen uns freimütig überall für Gerechtigkeit einsetzen, wo wir sie mittelbar oder unmittelbar erleben. Wir sollen unseren Mitmenschen in Notsituationen das Leben erleichtern. Wir sollen nicht um uns selbst kreisen, sondern die Augen öffnen, um zu sehen, wo wir gebrauchen werden. Vor allem sollen wir die Nähe zu Gott in der Übung unterschiedlichster Spiritualitätsformen bewusst suchen und pflegen. Bei alledem ist es Gott nicht wohlgefällig, wenn wir tierisch ernst sind. Unser Tun des Guten und des Gerechten muss für uns eine Erfüllung sein oder es wir wären auf dem falschen Weg zu Gott. Weil es nicht immer leicht ist, heißt nicht, dass wir es unterlassen müssen! Möge darum der Weg, den du in dieser Fastenzeit einschlagen möchtest, dich viel näher zu Gott und zu den Mitmenschen führen, aber auch deine Augen öffnen für die Menschen in besonders schwierigen Lebenssituationen. |
| FAMILIENGOTTESDIENST. 2020-01-26 |
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DRITTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-01-26 Vorstell-und Familiengottesdienst: „Gott ist mit uns unterwegs“ KERNBOTSCHAFT: Gott ist unterwegs mit uns, damit wir unser Lebensziel erreichen und ihn immer besser kennenlernen. Leben ist unterwegs zu sein: Immer sind wir unterwegs. Ja, wir verfolgen viele und unterschiedlichste Ziele im Leben. Manche Ziele erreichen wir viel leichter und viel besser mit anderen Menschen zusammen. Darum ist es wichtig, dass wir uns fragen, warum wir mit wem unterwegs sind wohin. Immer sind wir auf der Suche nach dem, was uns Freude macht, was uns erfüllt. Immer sind wir auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, nach neuen Erfahrungen. Was heißt es aber, wenn wir heute sagen: „Gott ist mit uns unterwegs“? Die Bibel – spannende Geschichten über Gott und seine Menschen: Ein schönes Kirchenlied heißt „Wer glaubt, ist nie allein.“ Ein Buch in der Bibel heißt Psalmen. In einem von diesen gibt es ein schönes Gebet: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“. Das erklärt uns schon, was wir meinen, wenn wir sagen, „Gott ist mit uns unterwegs“. Es bedeutet, dass wir eine schöne Energie haben, eine besondere Kraft, damit wir unser Leben gestalten können. Wenn Gott mit uns unterwegs ist, dann hat er sicherlich etwas mit uns vor. Ja, Gott hat etwas mit dir vor. Was könnte denn das sein? Gott möchte, dass wir seinen Herzschlag hören, dass wir ihn besser kennenlernen, dass wir unser Lebensziel besser erreichen und dass wir nicht schnell müde werden auf unserem Lebensweg. Er will mit uns die ganze Wegstrecke gehen. Er lässt uns nicht im Stich, wenn wir müde und verzweifelt werden. Die Bibel ist voll von den Geschichten, wie Gott mit den Menschen auf dem Weg ist. Mir gefällt das Bild in der Bibel, wo das Volk Israel in der Wüste weder ein noch aus wusste und Gott ihm Kraft und Weg war, indem er vor ihm im Zeichen der Wolken zog. So haben die Israeliten keine Angst mehr gehabt und wussten, dass sie ihr Ziel – eine neue Heimat in Geborgenheit – erreichen werden. Jesus zeigt uns den Weg zu Gott: Weil es nicht immer leicht ist, zu spüren und zu wissen, ob Gott mit uns unterwegs ist, ist er in Jesus von Nazareth Mensch geworden, einer von uns. Jesus wollte und will heute immer noch mit Menschen den Weg zu Gott gehen. Ich selber bin von diesem Jesus sehr begeistert. Vielleicht möchtest du immer mehr von ihm wissen. Das wünsche ich dir wirklich sehr. Ich finde es einfach wunderbar, dass ihr heute, wo ihr euch eurer Pfarrgemeinde vorstellt und an diesem „Sonntag der Bibel“, wir Papst Franziskus ihn ins Leben gerufen hat, eine Bibel als Geschenk der Pfarre bekommt. Ein ganz tolles Geschenk. Nehmt euch die Zeit, um aus der Bibel zu lesen, denn so werdet ihr erfahren, wie Gott mit uns Menschen unterwegs ist. Jesus, Gottes Sohn, hat, zum Beispiel, Menschen berufen, die mit ihm unterwegs sein sollten. So hat das begonnen, was wir heute Kirche nennen: Menschen, die sich im Namen Jesu versammeln. |
| ZWEITER SONNTAG IM JAHRESKREIS A. 2020-01-19 |
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ZWEITER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2020-01-19 KERNBOTSCHAFT: Die Gottsuche gehört zu den größten Grundbedürfnissen des Menschen. Auf diesem Weg ist Jesus die christliche Antwort. Die neue Blüte der Gottesfrage in unserer Zeit: Die gewaltige und erdrückende Sinnkrise unseres 21. Jahrhunderts steht außer Zweifel und lässt die Spiritualität und die Gottesfrage hochaktuell werden. Wo der Sinn des Lebens fehlt, dort öffnen sich Tür und Tor für alle möglichen Formen der zerstörerischen Spannungen in einer Gesellschaft. Ein Lied im Gotteslob bringt diese Gottsuche zum Ausdruck: „Seit Menschen leben, suchen sie nach Gott“ (GL 422). Am Ende dieser ersten Strophe heißt es dann: „Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen!“ Die meisten Menschen stellen zwar diese Gottesfrage nicht mehr im Raum der Großkirchen, aber sie lässt sie jedoch nicht kalt. Uns, die wir uns mitten in dieser Welt mit dem christlichen Glaubensgut im Rucksack unterwegs sind, lässt aber auch diese Gottesfrage nicht in Ruhe. Gott lässt sich nicht leicht verdrängen! Die Gottesfrage ist die christliche Gottsuche in Jesus von Nazareth: Für alle Menschen in der Tradition des jüdisch-christlichen Glaubens ist die Sinnfrage immer verbunden mit der Gottesfrage: Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben? In meinen Beziehungen zu meinen Mitmenschen? Die Bitte im erwähnen Lied hat auch damit zu tun, ob wir wirklich erkennen können, wenn Gott uns in bestimmten Situationen entgegenkommt. Gottsuche ist eine beständige Angelegenheit. Das erkennen wir in den Bekenntnissen des Täufers im heutigen Evangelium: „Auch ich kannte ihn nicht“, das zeigt wohl, dass die Gottsuche ein langer Prozess sein kann. Es kam jedoch der erhoffte Augenblick für Johannes den Täufer, um Jesus persönlich zu erkennen und auf ihn als Erlöser hinzuweisen. Er wollte unmissverständlich machen, dass es bei der Gottsuche darauf ankommt, auf Jesus zu blicken. Wir sollen diese dreifache Botschaft des Täufers heraushören: dass die Sünde der Welt getilgt wird; dass Jesus Israel offenbart wird und dass er uns mit dem Heiligen Geist tauft. Johannes der Täufer zeigt uns, worum es in der christlichen Verkündigung geht: ALLE wahren Verkündiger der frohen Botschaft vom angebrochenen Reich Gottes haben von sich selbst weg auf Jesus. Wer Gott wirklich sucht, hat darum auf die vielfältigen Zeichen in der eigenen Umgebung sowie auf die Stimme des Heiligen Geistes in seinem Inneren zu achten. Christlich zu glauben ist darum eine unaufhörliche Einübung in die Nachfolge Jesu. |
| TAUFE DES HERRN. 2020-01-12 |
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TAUFE DES HERRN. ERSTER SONNTAG NACH EPIPHANIAS. 2020-01-12 KERNBOTSCHAFT: Wir sind frei in Christus trotz unserer Hinfälligkeit und Hingeneigt-Sein zum Bösen. Wir leben als Christen*innen in einer Tradition der Verheißung und der Hoffnung: Der biblische Befund macht wiederholt deutlich, wie wichtig der Erwählungsgedanke für den jüdisch-christlichen Glauben ist. Die Bibel führt uns immer vor Augen, an welchen Gott wir glauben. Unser Gott ist ein Gott der Verheißung. In der ersten Lesung heute heißt es: „Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht. […] ja, er bringt wirklich das Recht.“ Mit >>Recht<< ist allerdings kein Rechtssystem gemeint, sondern vielmehr „gerechte und für die Menschen hilfreiche und heilsame Verhältnisse.“ Gottes Verheißung ist immer konkret und meint den konkreten Menschen in seiner konkreten Lebenssituation, und in seiner Freiheitsgeschichte; eine Freiheitsgeschichte, die immer wieder auch Unheilgeschichten schreibt. Denken wir an die Erwählung Abrams währenddessen Gott zu ihm sprach: „Ich werde dich zu einem großen Volk machen. Ein Segen sollst du sein. […] Durch dich sollten alle Sippen der Erde Segen erlangen“ (1. Mose 12,2.3b). Gerade diese Verheißung ist mit einer großen Hoffnung verbunden: Gott hat seinen Blick auf die ganze Menschheitsfamilie, auf „alle Sippen der Erde“. Darauf nimmt Petrus, der Apostelfürst, wenn er in der zweiten Lesung die Kraft christlicher Hoffnung hervorhebt: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was Recht ist.“ Wie unschätzbar sind doch diese Worte des Petrus für das christliche Denken wie auch gleichzeitig für das friedvolle Zusammenleben der Völker in unserer polarisierten Welt! Die christliche Taufe ist das schönste Geschenk Gottes an uns: Oft denke ich mir, wieviel besser unser Leben ausschauen könnte, würden wir stets im vollen Bewusstsein unserer Taufgnade denken, reden, leben und handeln. In der Taufe sind wir nämlich in die Verheißung Gottes hineingenommen worden, die uns zur Hoffnung geworden ist. Wir sind gerade dadurch, dass Jesus sich hat taufen lassen, in das unzertrennliche und unzerstörbare Leben mit ihm hineingenommen worden. Durch seine Taufe hat er unser irdisches Schicksal auf sich genommen. Trotz aller unserer Hinfälligkeit und unseres Hingeneigt-Sein zum Bösen können wir nicht verloren sein. Seine Worte an den Täufer gelten besonders für uns, die wir durch Hochmut Gott den Zugang in unser Leben verwehren: „Lass es zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.“ Gottes geschenkte Zuwendung ergreift uns immer dann, wenn und wann wir von uns loslassen und zulassen, dass Gott an uns handelt, dass sein Wille an uns geschieht. „Die Gerechtigkeit ganz erfüllen“, das heißt, dass Jesus das Leben seiner Zeitgenossen teilte und am Ende durch seinen Kreuzestod besiegelt. Das ist eine Liebe ohne Maß! In dieser Liebe ohne Maß sind wir gut aufgehoben, wenn wir sie zulassen. |
| ERSCHEINUNG DES HERRN. 2020-01-06 |
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HOCHFEST ERSCHEINUNG DES HERRN (A). 2020-01-06 KERNBOTSCHAFT: Gott geht zu den Menschen in ihrer Not und in ihrer Hoffnung durch die Jüngerinnen und Jünger Jesu Christi. Ich kenne manches Mal eine tiefe Traurigkeit und einen heiligen Zorn: Liebe Kinder! Ich finde, dass wir einander immer die Wahrheit sagen sollen. Ich sage euch heute meine Wahrheit und sie hat zwei Gesichter. Das erste Gesicht meiner Wahrheit ist sehr traurig. Ich wiederhole, was wir in der Lesung gehört haben: „Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker.“ Wisst ihr auch, warum das so ist? Das Stück Wellblech, das wir heute bei dieser Messfeier haben, führt uns vor Augen, dass sehr viele Menschen weltweit in großer Armut leben müssen, während andere im Überfluss leben und Nahrungsmittel wegwerfen müssen. Viele Menschen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen sterben an Krankheiten, die geheilt werden könnten, wenn es gute Spitäler gäbe. Viele Kinder und Jugendliche wissen nicht, was Schulbildung, Berufsausbildung oder Freizeit ist, weil ihren Eltern das nötige Geld fehlt. Das verstehe ich als „Finsternis“ und „Dunkel“, die die Erde und die Völker bedeckt. Es ist die Finsternis der Ungerechtigkeit und der Gleichgültigkeit. Es gibt aber, Gott sei Dank, das andere Gesicht der Wahrheit. Die Wahrheit mit dem Gesicht der Hoffnung: „Steh auf, werde Licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht und der Glanz des Herrn geht strahlend auf über dir.“ Ihr seid mit so vielen Kindern und Jugendlichen aufgestanden und möchtet Licht sein. Mit Jesus, dem Christkind zu Bethlehem, möchtet ihr Licht sein für andere, für die Welt, in der die Finsternis der Armut regiert. Ihr geht mit den Begleitpersonen, die euch sagen, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, dass das, was ihr tut, ganz richtig und wichtig ist. Ihr bringt mit eurem Singen, mit euren Sprüchen und mit Weihrauch Licht in die Wohnungen und holt Hoffnung für die vielen Menschen ohne Hoffnung. So seid ihr Boten und Botinnen des Lichts und der Hoffnung. Ihr seht die hilfsbedürftigen Menschen in Kenia und geht für sie auf die Straßen, während viele Touristinnen und Touristen die vielen Tiere in der Safari sehen. Ihr geht sammeln für sie, damit sie ihre Würde nicht verlieren, während sie bei den Touristinnen und Touristen betteln und ihre Würde verlieren. Ihr seid wirklich Super Königinnen und Könige, denn echte Königinnen und Könige schauen darauf, dass es den Menschen gut geht. Ihr bringt Licht, weil ihr vom Licht Christi überzeugt seid, die in euch ist. Ich sage euch dafür einen herzlichen Dank! |
| ZWEITER SONNTAG NACH WEIHNACHTEN. 2020-01-05 |
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ZWEITER SONNTAG NACH WEIHNACHTEN (A). 2020-01-05 KERNBOTSCHAFT: Dass wir stets in das Bewusstsein der geschenkten Zuwendung Gottes hineinwachsen. Langweile oder Sinnvertiefung? : Seit dem Christtag wurde den Prolog des Johannesevangeliums [den Anfang des ersten Kapitels] schon mehrmals bei den Gottesdiensten vorgelesen. Die Gefahr ist groß, dass sich einige von uns bei diesem wiederholten Zuhören gelangweilt fühlen. Irgendwie ertappte ich mich auch bei diesem Empfinden der Langeweile dieser Wiederholungen. Ich möchte aber kein Opfer eines solchen Gefühls sein! Ich muss dieser Gefahr Einhalt gebieten und mich nach dem Sinn solcher Wiederholungen fragen. Wir können auch diese Wiederholungen aus der Perspektive unserer Alltagserfahrungen betrachten, wenn wir uns oft nach unseren Lieblingsspeisen oder noch tiefer, nach bestimmten Beziehungen, die uns gut getan haben und immer wieder gut tun sehnen. Es gibt Erfahrungen und Beziehungen bei denen wir ganz weg sind. In meinem Ursprungskulturkreis lautet darum eine Redewendung: „Wenn der Weg gut ist, geht man ihn zweimal.“ Besonders am Anfang dieses neuen Jahres ist es gut, mehrmals auf dem Weg der Menschwerdung Gottes zu sein. Es ist die Absicht der Kirche, den Menschen die unermessliche Botschaft der Menschwerdung Gottes nahezubringen. Gerade in der Menschwerdung Gottes liegt unsere eigene Menschwerdung – jeden Tag neu! Sich von der Weisheit Gottes getragen wissen: Alle drei Schriftlesungen am heutigen Sonntag wollen uns eine konkrete Wahrheit über die Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus ans Herz legen: Wir sind nämlich umgeben von der Weisheit Gottes. Wir sollen und können uns im Raum der helfenden Zuwendung Gottes zu uns Menschen bewegen. Seine an uns geschenkte Zuwendung ist die Kraft, die uns in allen Lebenssituationen trägt. Paulus begründet diese Zuversicht so: „Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.“ Schwestern und Brüder, es heißt, dass wir zu einer Gemeinschaft berufen sind, die über alles Irdische übersteigt. Der Apostel knüpft die Frohbotschaft des unergründlichen Geheimnisses der Menschwerdung Gottes mit einem Gebet für seine Gemeinde von Ephesus: „Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.“ Diese „Heiligen“, das sind wir – kraft der geschenkten göttlichen Zuwendung in der Taufe. Mehr ... |
| DARSTELLUNG DES HERRN. 2020-02-02 |
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FEST DER DARSTELLUNG DES HERRN. 2020-02-02 KERNBOTSCHAFT: In einer zunehmend irdisch orientierten (säkularisierten) westlichen Welt bleibt das Überleben des Christentums eine Herausforderung eines persönlichen Zeugnisses.
Heute christlich glauben in einer langen Geschichte der Säkularisierung: Bei der Lektüre des heutigen Evangeliums viel mir der Name Betrand Russell ein. Er wurde 1872 geboren und starb 1970. Er war ein britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker. Seine Ansichten über Religion hat er in dem langen Essay Warum ich kein Christ bin(1927; erw. 1957) zusammengefasst. Er hielt Religion im Allgemeinen, insbesondere aber das Christentum, für ein Übel, eine „Krankheit, die aus Angst entstanden ist. Dieser Mann, der sich leidenschaftlich für den Weltfrieden engagierte und mit dem Nobelpreis für den Frieden belohnt wurde, prägte sehr stark die Geschichte des Atheismus und der Säkularisierung in Europa mit. Die Früchte von diesem großen Baum sind heute nicht zu verkennen! Was hat dieser Mann aber mit der Botschaft dieses Sonntags zum Fest der Darstellung des Herrn zu tun? Ich stelle dieser Geschichtsprägung eine Prägung der Erfüllung gegenüber: Es gibt im heutigen Europa vielen Millionen von Menschen, die sich den Buchtitel des britischen Philosophen „Warum ich kein Christ bin“ zu Eigen gemacht haben. Was sollte unsere Antwort darauf sein? Was ist deine Antwort darauf? Unser Leben, dein Leben sollte das neue Buch mit dem Titel „Warum ich gern ein Christ*in bin“ heißen. Was sollte denn drinnen stehen? Ein persönliches Zeugnis, ein persönliches Glaubensbekenntnis auf der Grundlage deiner persönlichen Lebenserfahrungen mit Gott, vor allem mit Jesus, dem Mensch gewordenen Gott. Gerade in einer Gesellschaft mit einem krankmachenden Leistungsfanatismus und einer Selbstbedienungsanleitung geht es um die Freude am Sein, um die Freude am geschenkten Mensch-Sein. In diesem neuen Buch, das du selber bist, geht es um die Erfüllung, die uns im Angesicht der Gegenwart des Herrn zuteilwird. Gerade diese Frage der Erfüllung scheint mir die wichtigste Frage unserer Zeit zu sein. Haben wir denn wirklich eine große Erfüllung bei all den Dingen, die wir leisten und meinen, dass sie für unser Leben so ausschlaggebend sind? In unserem heutigen Evangelium geht es jedoch um die Erfahrung dieser Erfüllung in der Gegenwart des Herrn. Das bezeugen uns die zwei alten Menschen Simeon und Hanna. Es ist allerdings nicht zwingend notwendig, dass wir so alt wie sie werden, um die erfüllende Erfahrung mit Jesus zu machen. Christ-Sein heißt, sich mit dem Herrn innig verbunden zu wissen und diese Verbundenheit mit anderen zu leben. Es heißt, in seiner Gegenwart das Leben zu gestalten. Es heißt, wie wir von der Prophetin Hanna gehört haben, sie „pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten“, dass wir mit Freude den Menschen von unseren persönlichen Erfahrungen mit Jesus erzählen; dass wir frohgemut überall erzählen, „Warum wir gern Christen und Christinnen sind“. |
| HOCHFEST DER GOTTESMUTTER. 2020-01-01 |
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NEUJAHR. HOCHFEST DER GOTTESMUTTER MARIA. 2020-01-01 KERNBOTSCHAFT: Gott ist nicht nur die Brücke, die uns in das neue Jahr überführt. Er ist zugleich der Weg, der uns nach der Überquerung dieser Brücke weiterführt. „Von guten Mächten treu und still umgeben“ (GL 897): Erstaunlich, wie weitverbreitet dieses geistliche Gedicht des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer ist. Verfasst im Dezember 1944 in der Gestapo-Haft, ist es Bonhoeffers letzter erhaltener theologischer Text vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945. Heute ist es ein viel gesungenes geistliches Lied. Es berührt mich immer wieder vom Neuen, welche Zuversicht in diesem Lied steckt, auch 75 Jahre nach seiner Hinrichtung. Zweifelsohne ist das, wovon er in jener unentrinnbaren Situation erfüllt war, unvergleichlich größer als die unmittelbare Bedrohung seiner Liquidierung. Seine Unerschütterlichkeit berührt einfach und übersteigt alle menschlichen Vorstellungen. Sein aus seiner inneren Haltung entsprungenes Lied regt zum Nachdenken an. Großartige Friedensgesinnung und Menschlichkeit zum Jahreswechsel: Der Jahreswechsel und der Neujahrsbeginn sind Zeiten des Glücks und der Erfüllung. Was für Bilder und Worte der Glückwünsche kreuzen sich da über die sozialen Medien! Auch wenn manche Bilder nach meinem Empfinden zu kitschig sind, laufen diese vielen Bilder und Worte auf ein gemeinsames Ziel: Sie überbringen das Wohlwollen der Mitmenschen; sie übermitteln den Mitmenschen das Wohlergehen in einem unsicheren neuen Jahr. Ich finde, wir dürfen die große Bedeutung solcher Bilder- und Wortwünsche nicht geringschätzen. In ihnen steckt eine Friedensgesinnung, die darauf harrt, dass sie die gesamte Menschheitsfamilie erfasst. Ja, der Weltfrieden beginnt im Kleinen! Ja, immer beginnt der Friede oder der Krieg – im Kleinen wie auch im Großen – mit den Worten, die wir sprechen. Der Friede fängt an mit unserer Art der Kommunikation! Mit der Gottesmutter Maria auf dem Weg zum Frieden: Als ich heute Nachmittags meinen Computer eingeschaltet habe, um meine Predigtgedanken niederzuschreiben, sprang auf dem Bildschirm ein wunderschönes Bild einer Brücke in die Augen, die eine tiefe Kluft verbindet, in der ein großer Fluss fließt. An beiden Enden sind zwei wuchtige Säulen, die diese Brücke tragen. An dieser Brücke soll das Bungeejumping seinen Lauf genommen haben. Dieses schöne Bild wurde gleich für mich zum Sinnbild für dieses neue Jahr, an dessen Anfang wir stehen. Was sind und möchten die Säulen sein, die dich tragen in diesem Jahr? Auf welcher Brücke möchtest du in deinem Leben gehen? Über welchen Fluss oder über welche Grube soll dich welche Brücke tragen? Bei diesen und ähnlichen Fragen ist es gut, auf Maria zu schauen. Zuerst ist sie uns eine Lehrmeisterin der Nachdenklichkeit und ohne gewollte Nachdenklichkeit verwirken wir unser Leben und verbauen unsere Beziehungen. Maria ist aber auch geradezu die Frau, „in der Gott durch ihre Erwählung und vor allem in der Geburt ihres Sohnes einen neuen Anfang setzt“. Gott vermag es, wie mit Maria, mit uns, in uns und durch uns einen neuen Anfang zu setzen. Das tut er, indem wir sein Wort aufnehmen, indem wir Gott beim Wort nehmen. Mehr ... |
| EINUNDDREISSIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C) |
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EINUNDDREISSIGSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-11-03 Bibeltexte: Weish. 11,22-12.2; 2 Thess. 1,11-2.2; Lk 19,1-10 KERNBOTSCHAFT: Ich will dazu einladen, neugierig zu werden auf Jesus, der seinen Blick auf uns wirft und uns in unserer Unzulänglichkeit mit seiner Gnade zuvorkommt. Der Baum des Verstecks ist zum Baum eines neuen Lebens geworden: Der Baum ist im Bewusstsein der Völker ein Symbol des Lebens. In der Ahnenforschung, die zu einem Brennpunktphänomen unserer Zeit geworden ist, erstellen die Menschen ihre „Lebensbäume“. Die Menschen wollen wissen, woher sie kommen, mit wem sie blutsverwandt sind, wo ihre Wurzeln liegen. Dieser Wunsch entspricht auch durchaus dem Phänomen der Entwurzelung, der existenziellen Erfahrung vieler Menschen. Im heutigen Evangelium wird der Baum zum Ort der Begegnung für Zachäus, zum Ausgangspunkt eines neuen Anfangs. In seiner Steuerhoheit in Jericho macht er die Erfahrung der Entwurzelung. Das Leben kann ihn nicht mehr tragen. Sein Reichtum trägt ihn nicht mehr. Nun spürt er, dass er getragen werden muss. Er setzt auch den einzig nötigen Schritt dafür: Er will anders werden. Die Neugier kann eine heilende Wirkung auf unser Leben haben: „Sei nicht so neugierig!“ Das hören wir immer wieder im Alltag. Die Neugier ist eine Augen-, Seh-, Sensationslust. Sie wirkt wie eine Droge, permanent will man etwas Neues erhaschen. Heutzutage beflügeln die Sozialen Medien diese neugierige Lebenshaltung. Die Neugier muss jedoch nicht immer negativ sein. Sie kann auch das Gegengift gegen die Gleichgültigkeit sein. Die Neugier macht erfinderisch. Sie ist ein Motor für positive Veränderungen, selbst im eigenen Leben. Die Neugier ist das Gegenmittel gegen die Selbstzufriedenheit und die Selbstgerechtigkeit sein. Geradezu diese Neugier treibt den Oberzöllner auf den Baumwipfel. Sein schlechtes Gewissen führt ihn zur Sehnsucht nach dem Jesus von Nazareth. Die Menschenmasse versperrt ihm die Sicht und den Weg. Seine unstillbare Neugier macht ihn aber kreativ. Das wird von Jesus reichlich belohnt. Jesu Aufblick zu ihm wird zum Anblick der Liebe und Zuwendung. Auf dem Baum des Verstecks ist nun eine Wandlung möglich. Die Neuwerdung ist möglich geworden. Der Gnadenort ist überall, wo die Menschen auf Jesus neugierig werden. Lebenswandlung ist möglich durch die Begegnung mit Jesus: Es steckt eine große Hoffnung in unserem heutigen Evangelium. Eine Hoffnung, die ich in drei Dimensionen sehe: Erstens, für die ernsthaft Gottsuchenden. Zachäus war neugierig auf Jesus, dann ist er auf einen Baum gestiegen und hat sich nicht durch den Spott der anderen entmutigen lassen, er beachtete nicht ihre offensichtliche Ablehnung. Sein Ziel war die Begegnung mit Jesus. Die hat er bekommen! Zweite Hoffnungsdimension: Durch die Begegnung mit Jesus ist Zachäus schließlich zu dem geworden, der er eigentlich sein sollte. Dieses Sein-Sollen möchte auch in unserem Leben Platz gewinnen. Abschließend gibt es die dritte Dimension der Hoffnung aus dieser Zachäuserzählung: Wir sollen immer suchen, uns finden lassen, uns verwandeln lassen, weil der, den wir suchen, uns längst gefunden hat. |
| HOCHFEST ALLERHEILIGEN (2019) |
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HOCHFEST ALLERHEILIGEN: 2019-11-01 KERNBOTSCHAFT: Die Weltgestaltung erhält eine hoffnungsvolle Dynamik, wenn Menschen stets lernen, „unter dem Blickwinkel der Ewigkeit“ zu denken, reden und handeln. Sensibilität für die Ewigkeit kultivieren: Manches Mal frage ich mich, warum wir alles das tun, was wir tun. Ob nun in der Kirche und in der Weltgesellschaft es ist egal. Ich finde, dass diese Frage nicht zum Gemeinplatz gehören darf. Wenn ich diese Frage stelle, dann ist es die Sinnfrage, die ich stelle. Wenn ich aber die Sinnfrage stelle, dann finde ich, dass es die Gottesfrage ist, die ich stelle. Nach welchem Gott frage ich aber? Ich frage nach dem Gott der Geschichte, der der Geschichte und ihren Menschen eine Sinnausrichtung gegeben hat, eine Verheißung. Es ist die Verheißung der Vollendung. „Unter dem Blickwinkel der Ewigkeit“ sollen wir unser Leben gestalten: Die Kirchen-theologische Lehre über die „Letzten Dinge“ (Tod, Gericht, Himmel und Hölle) gehören nicht der Vergangenheit an! Schon im Mittelalter hat es diese Lebenseinstellung und Denkrichtung gegeben: „Sub spezie eternitatis“ das Leben also, „unter dem Blickwinkel der Ewigkeit“ zu betrachten. Schwestern und Brüder, da steckt mehr drinnen als ein Verdacht der Weltflucht! Dieses Denken hat seine Wurzel in der Heiligen Schrift. Ganz anschaulich machte Jesus die Notwendigkeit einer solchen Lebenseinstellung im Matthäusevangelium in seiner Ermahnung über das „Weltgericht“ (Mt 25,31-46). Wer christlich zu glauben meint und nicht an dieses Weltgericht glaubt, müsste sich fragen und fragen lassen, ob es in seinem Glauben um den Gott Jesu Christi geht oder um einen anderen. Darum ist es ungemein wichtig, dass wir bei allem, was wir tun, das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Es soll uns immer die Frage unter die Haut brennen: Wo geht es eigentlich hin? Wohin gehen wir? Vorbilder im Glauben suchen und finden: Angesichts des heutigen Hochfestes kommen mir folgende Worte des Apostels Paulus in den Sinn: „Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ (1 Kor 16,13). Paulus spitzt seine Ermahnungen ganz zu: „Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1 Kor 7,29b-31). Die Heiligen, die wir besonders heute gemeinsam verehren und die mit uns durch das Leben im verherrlichten Jesus Christus und das Wirken des Heiligen Geistes verbunden sind, können uns helfen, unsere Lebenseinstellung weiterzuentwickeln und zu leben. |
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Jungschar & Minis