| PREDIGT OSTERSONNTAG 12.04.2020 |
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OSTERSONNTAG (A): 2020-04-12 KERNBOTSCHAFT: Die Auferstehung als eine unverkäufliche Kraftquelle für unser Leben mitten im Tag begreifen. Leben aus der Kraft der Auferstehung: Zwei Verse aus dem 17. Kapitel der Apostelgeschichte greifen die allerentscheidende Frage am heutigen Ostersonntag auf: Welchen Platz hat der Auferstehungsglaube in meinem Leben und in deinem Leben? Gerade an dieser Frage scheiden sich die Geister in unseren Tagen! Paulus, der große Philosoph, Theologe und Logiker glaubte sich mit vielen Menschen in Areopag verbunden. Seine Erklärung der Person Jesu ist und bleibt für mich einen einzigartige Grundkatechese im Glauben: „Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,27-28). Die Enttäuschung des Apostels könnte jedoch nicht größer sein, als er über die Quintessenz christlichen Glaubens sprach: über die Auferstehung! Da haben wir diese zwei markanten Verse: „Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören. So ging Paulus aus ihrer Mitte weg“ (Apg 17,32-33). Aus und Ende mit dem Dialog! Aus und Ende mit der Glaubensverkündigung! Damals wie auch heute! Aus der Kraft der Liebe und der Hoffnung gerettet: Der christliche Glaube an die Auferstehung kein abstrakter Begriff. Er ist mitten im Tag mit Leben gefüllt. Leben aus der Kraft der Auferstehung hat jedoch bestimmte Voraussetzungen: Die erste steht in der ersten Lesung: Daran fest zu glauben, dass Gott den Jesus von Nazareth „mit dem Heiligen Geist und mit Kraft“ gesalbt hat. Die zweite: „Gott war mit ihm“. Die dritte: die persönliche Begegnung und Erfahrung mit ihm: „uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben“. Der Alltag ist also der Ort unserer Auferstehungserfahrung! Aus meiner Sichtweise die Motivation eines von der Kirche formulierten Gebetes irreführend. Oft heißt es: „dass wir Menschen ein gutes, gerechtes, dem Evangelium entsprechendes Leben führen, damit wir einst auch auferweckt werden wie Christus und das ewige Leben erlangen“ (vgl. TD April 2020). Paulus ist anderer Meinung in seinem Brief an die Kolosser: „Wir sind mit Christus auferweckt zum neuen Leben!“ die Konsequenz leuchtet aber zugleich auf: Es kann nicht in unserem Leben darum gehen, dass wir uns den Himmel oder das ewige Leben verdienen müssen! Darum frage ich mich ernstlich: Wann stirbt endlich unser Leistungsdenken, die Lohngesellschaft, damit wir wahrhaftig erlöste Menschen sein können? Wann lassen wir uns von unserer Selbstverkrümmung durch die Leistungsgläubigkeit befreien und erlösen? Darum finde ich die Frage des Auferstandenen an Maria von Magdala sehr entscheidend für unser Leben: „Wen suchst du?“ Ja, was suchen wir im Leben? Wen suchen wir im Glauben? Ich teile den „Traum“ in der Kronen Zeitung von heute unter dem Titel „Fahrplan bis Sommer: Die neue Welt nach Ostern: „Manche setzen für die Nach-Corona-Zeit auf anhaltend mehr Mitmenschlichkeit. Klingt nach Traum. Aber zu Ostern, wo wir die Auferstehung feiern, wird man diesen christlichen Gedanken hegen dürfen!“ |
| PREDIGT OSTERNACHT (A): 11.04.2020 |
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PREDIGT IN DER OSTERNACHT 2020-04-11 KERNBOTSCHAFT: Die Auferweckung Jesu ist die göttliche Anstiftung des Lebens jenseits aller Sinnlosigkeitserfahrungen. Die Liebe ist unsterblich: Mitten in der schmerzlichen Erfahrung der Vergänglichkeit feiern wir [in diesem stellvertretenden kleinen Kreis] in der weltweiten Verbundenheit aller Christinnen und Christen das Hochfest der Auferstehung Jesu Christi. Besondere Krisensituationen führen uns erbarmungslos vor Augen, wie vergänglich und verlierbar alles ist. Die Feier dieser Nacht soll uns anschaulich machen, dass es etwas gibt, was nicht verlierbar ist: das Leben aus Gott und auf Gott hin. Das Leben aus Gott ist der Liebe entsprungen, denn Gott ist die Liebe, und wer liebt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm oder in ihr (1 Joh 4,12). Die Liebe ist darum unsterblich. In dieser Nacht dürfen und können wir nicht vergessen: Es ist dunkel in unserer Welt, und es ist dunkel im Leben vieler Menschen. Die Nacht der verzweifelten Seelen, eine Verzweiflung, die für sie nicht zum Aushalten ist! Doch mitten drin erschallt eine unverhoffte Posaune, die uns verkündet: Gott bürgt für das Leben, das er geschaffen hat! Gott ist und bleibt in seiner unermesslichen Liebe das Geheimnis dieser Welt! Auf diese Hoffnung zielen unsere Schriftlesungen in dieser Nacht: das große Osterlob (Exultet) verkündet uns eine „selige Nacht“ – trotz allem! Ja, unser christlicher Glaube ist der Trotz-allem-Glaube. In dieser Nacht – und weit über sie hinaus – verkündet uns der Prophet Ezechiel deshalb folgende trostreiche Worte: „Ich hole euch heraus aus den Völkern, ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land. Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt“ (Ez 36,24-27). Möge die gegenwärtige bedrohliche Weltkrise allen Menschen der Erde ein umkehrbereites Herz bringen. Die unbesiegbare Kraft des auferstandenen Herrn möge den unsichtbar-sichtbaren Stein wegwälzen, der viele Entscheidungsträger*innen in ihren Höhlen des Egoismus und ausbeuterischen Geistes festhält. Es möge ein nachhaltiges Osterfest nach dem Coronavirus geben! Vergessen wir nicht: Es ist Gottes Art, die Wiederinkraftsetzung seiner rettenden Liebe täglich zu betreiben. |
| PREDIGT KARFREITAG (A): 10.04.2020 |
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KARFREITAG (A): 2020-04-10 KERNBOTSCHAFT: Christliches Vertrauen gründet in der Fähigkeit Jesu zum Mitgefühl. Das ist aber auch gleichzeitig der christliche Auftrag in der Welt. Karfreitag berührt die Tiefe christlichen Glaubens und entzaubert die alte Rechtfertigung: Es ist vielleicht nicht die allerbeste Art, am heutigen Tag mit der alten Theologie in der Kirche abzurechnen. Das Gottesbild, das vom Gedanken des Gottesknechtes aus diesem 52. Kapitel des Jesaja-Buches hervorgegangen ist, hat garantiert zu einer Gottesaversion bei vielen Menschen beigetragen. Die Frage, die viele kirchendistanzierte Menschen stellen, ist auch in der Stille des Herzens vieler praktizierende Christinnen und Christen die gleiche Frage: Wie kann unsere Erlösung von der offensichtlichen Grausamkeit Gottes abhängig sein? „Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.“ Das geht ja noch! Aber dann: „Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Ich habe einfach den Eindruck, dass die falsche Theologie der Erlösung, und in der Folge die verkehrte Theologie der Sünde den Glauben an Gott der Liebe in den Herzen der Mehrheitsbevölkerung in Österreich zerstört hat. Vielleicht nicht nur. Dennoch habe ich das starke Gefühl, dass die meisten Menschen es satt haben mit der Geschichte der Grausamkeit in der Menschheitsfamilie. Warum also begehen wir diesen Tag, den Karfreitag? Die Macht wahrer Liebe ist unergründlich: Mein Glaube sagt mir, dass die Liebe eine verwandelnde Kraft hat und dass diese Kraft ihre Leidensfähigkeit ist. Am Ende unseres Schrifttextes hört es sich schon ganz anders an: „Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein.“ Um dieses >>Eintreten für<< geht es in unserem Glauben an die Erlösung! Nur die Liebe vermag es, für einen Menschen einzutreten! Viel richtiger als das >>Sterben wegen unserer Sünden<<, ist zu sagen, dass der Tod Jesu vielmehr die Konsequenz seiner Verkündigung – seiner Rede von einem liebenden und barmherzigen Gott ist. Sein Tod war die unvergleichliche Hingabe aus Liebe. Was im Brief an die Hebräer steht, ist ein echter Jungbrunnen für meinen Glauben – und das ist sehr zentral für christliche Verkündigung in der Welt von heute: „Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!“ Liebe ist die höchste Form des Mitgefühls und aus dieser Liebe bis zur äußersten Grenze sind wir erlöst. Möge Jesu Tod die Kultur des Mitgefühls in unserem Leben und in unserer Welt stärken. |
| PREDIGT GRÜNDONNERSTAG (A): 2020-04-09 |
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GRÜNDONNERSTAG (2020-04-09) KERNBOTSCHAFT: Die Liebe, mit der Jesus uns liebt und die wir in der Eucharistie feiern, ist eine Liebe bis zur Vollendung. Unbegreiflich und doch zur Heilung und zum Heil des Menschen: Es mag schon für viele Menschen irgendwie leicht sein, an Gott zu glauben. Leicht ist es auf alle Fälle nicht, daran zu glauben, dass ein Mensch uns sein Fleisch zum Essen gibt. Dieser Zweifel ist aber ganz normal. Das Geheimnis der Eucharistie ist kein Rätsel, sondern das Geheimnis der Liebe Gottes. Schon zur Lebenszeit Jesu hat er die Menschen mit seiner Aussage verwirrt, das Brot, das er geben wird, sei sein Fleisch. Es heißt im Evangelium nach Johannes: „Da murrten die Juden gegen ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ (Joh 6,41). Und stellten gleich die Frage, die für viele Zeitgenossen immer noch in den Wolken des Zweifels zu finden ist: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6,52b). Jesus hört dennoch nicht auf zu beteuern: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (Joh 6,35b). Und: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen it. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Mitten in diesem menschlichen Zweifel bekennt die Kirche heute, am Gründonnertag mit dem heiligen Thomas von Aquin laut und deutlich: „Augen, Mund Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann“ (GL 497,2) Die Eucharistie ist die Hauptquelle christlicher Identität: Was Christinnen und Christen seit jenem feierlichen und ergreifenden Augenblick im Obergemach, wo Jesus in entscheidender Stunde seines Lebens mitten im Kreis seiner zwölf Aposteln seinen Abschied von dieser Welt gefeiert hat, begehen, das ist ihre unerschütterliche Überzeugung und Freude; das ist ihre Identität. Das haben die Konzilsväter gut erkannt und hervorgehoben. Sie wussten, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu „Licht der Welt“ zu sein haben, wie Jesus selber sagt (Mt 5,14). „Dennoch ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt. Denn die apostolische Arbeit ist darauf hingeordnet, dass alle, durch Glauben und Taufe Kinder Gottes geworden, sich versammeln, inmitten der Kirche Gott loben, am Opfer teilnehmen und das Herrenmahl genießen“ (Sacrosanctum Concilium, Nr. 10). Es gibt große existenzielle Konsequenzen aus der Mahlgemeinschaft mit Jesus: „Alle, die das Brot im Namen Jesu teilen, sind gleich. Alle sind zum Mahl um einen Tisch versammelt. Und jeder Mensch braucht diese Geste: die Geste der Zuwendung, der Liebe, der Gemeinschaft. Ohne diese Erfahrungen kann ein Mensch nicht leben – so wie er auch ohne Brot nicht leben kann. Jesus macht uns darauf aufmerksam: Nicht unsere Machtansprüche nähren uns, sondern die liebende Zuwendung – sie empfangend und sie gebend“ (TD, April 2020). Ich wünsche uns allen viel Liebe und Andacht zur Eucharistie. |
| PREDIGT PALMSONNTAG (A): 2020-04-05 |
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PREDIGT ZUM PALMSONNTAG (A): 2020-04-05 KERNBOTSCHAFT: Die Leidensgeschichte Jesu offenbart uns das tiefste Geheimnis Gottes – die Liebe, und lädt uns ein zu einem persönlichen Glaubensbekenntnis: „Wahrhaft, Jesus ist Gottes Sohn!“ (Mt 26,54). Mitten im Geschehen: Die Passionsgeschichte Jesu geht mir immer vom Neuen sehr nahe. Die ganze Fülle ihrer Botschaft macht es nicht leicht, zu sagen: das ist nun die Frohbotschaft. Ich könnte aber einfach sagen: Sei DU mitten drin! Bleibe mitten drin! Und es würde schon reichen. Denn wer Gott verstehen will, soll in die Passionsgeschichte Jesu eintauchen. Auf unser persönliches Bekenntnis kommt es an: Ich lade euch dazu ein, mit mir zwei kurze unterschiedliche Sätze aus der ganzen Passionsgeschichte zu reflektieren. Der erste: „Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz!“ Das sagten die Ahnungslosen! They didn‘t get it!, würden die Amerikaner sagen. Sie haben >>es<< nicht begriffen! >>Es<<. Was ist aber dieses >>es<<? Es gehört sich nicht für den Gottes Sohn, dass er vom Kreuz herabsteigt! Sie haben nicht begriffen, dass Gott sich nicht widersprechen kann. Der Liebesgehorsam ist der Gehorsam mit äußerster Konsequenz. Sie kapierten nicht, dass das Kreuz der Weg der unbedingten Liebe ist. Schaut es denn wirklich viel anders aus in unserer Gesellschaft? Jesu Tod am Kreuz hat ein einziges Ziel für uns: Er soll uns zu einem einzigartigen Bekenntnis führen, wie es beim Hauptmann gewesen ist: „Wahrhaft, das war Gottes Sohn!“ Genau diese Wahrheit hat Paulus im Philipperbrief zum zentralen Inhalt seiner Verkündigung gemacht: „Jeder Mund soll bekennen: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ Auch in dieser Zeit allgemeiner Angst und Verunsicherung! Darum sind wir Christen*innen. DU bist ein Christ, eine Christin, wenn DU mit DEINEM Mund bekennst: „Jesus Christus ist der Herr!“ |
| PREDIGT FÜNFTER FASTENSONNTAG (A): 2020-03.27 |
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FÜNFTER FASTENSONNTAG (A): 2020-03-27 KERNBOTSCHAFT: Für Christen*innen geht es allemal darum, dass wir bei allem, was wir tun, unseren Blick auf Jesus richten, der uns über die Grenzen dieser Weltwirklichkeit hinaus nahe ist. Die größte Motivation im menschlichen Leben ist die Sinnfrage: Diese Krisenzeit bestätigt einmal mehr den weltberühmten Wiener Psychiater und Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, Viktor Emil Frankl. Die Arbeitsfähigkeit eines jeden Menschen bleibt eine wünschenswerte Realität. Im Augenblick steht sie jedoch überhaupt nicht im Zentrum individueller und kollektiver Aufmerksamkeit! Die erotische Anziehungskraft gehört auch weiterhin unbedingt zu unserem Menschensein. Nichtsdestotrotz, ist sie nicht der Zentralfokus der Menschheitsfamilie. Ansehen und Macht können auch von unserem Zusammenleben nicht wegrationalisiert werden. Diese Pandemie, mit der wir konfrontiert sind, macht allerdings überdeutlich, dass sie reine Lappalien sind. Die ganze Welt beschäftigen zwei grundsätzliche Fragen: (1) Warum diese COVID-19? (2) Wozu dieser Todesengel? Mit der ersten Frage müssen sich Naturwissenschaftler*innen und Gesundheitsexperten*innen ernsthaft weiter beschäftigen. Die zweite Frage ist aber an uns alle gerichtet: Wozu dieser Todesengel? Hier müssen wir allerdings gut aufpassen, dass wir nicht zu religiösen Eiferern*innen werden! Als Christinnen und Christen sollten wir uns schon etwas vor Moralisierungen und Belehrungen hüten! Gerade bei der gegenwärtigen leider anhaltenden Pandemie ist die Gefahr nicht gering, dass wir Gott missbrauchen, dass wir Gott instrumentalisieren. Ich weiß, dass der Heilige Geist weht wohin und wie er will. Auch ich bin mir dessen vollbewusst, dass ich die (christliche) Wahrheit nicht gepachtet habe. Das ginge auch gar nicht! Hier ist dessen ungeachtet, die Wahrheit, die mir tief in der Seele guttut und mir Kraft gibt: Es ist das Bild eins Gottes, der nicht apathisch ist, gefühllos, sondern mit den Menschen Mitgefühl hat und zeigt; der mitleidet. ER kann geradezu mitfühlen und mitleiden, weil ER bei und unter den Menschen ist. Wenn DU es so haben willst, das ist das Wozu, die Sinnfrage dieser Pandemie. Jede Krise ist notwendigerweise eine Sinnkrise und in jeder Sinnkrise steckt eine unbeantwortete Sinnfrage. Für uns als Christinnen und Christen ist diese Sinnfrage unzertrennlich mit der Frage nach Jesus verbunden. Wer ist JESUS für DICH? Auf das Vertrauen in Gottes Sohn kommt es allemal an, im Leben und im Tod: Überlegen wir uns doch einmal: Hinter jedem Faktum unseres Alltagslebens und unserer Weltwirklichkeit gibt es immer eine Perspektive, die uns nicht immer bewusst und zugänglich ist, aber die wir entdecken könnten. Es ist dies die Perspektive Gottes. Wer aber diese Perspektive Gottes entdeckt und sich mit ihr vertraut macht, kann zwar verzweifelt sein, spricht jedoch nicht mehr in Konjunktiv „Wärest du hier gewesen“. Jesus IST mit uns auf dem Weg unseres Lebens – mit allen seinen Wendungen und Windungen, im Leben und im Tod. Wie sehr brauchen wir doch diesen Glauben, dieses Grundvertrauen gerade in dieser Zeit, in der wir uns befinden! Ich finde, dass wir erbärmlich wären, wenn sich unsere Verbundenheit mit Jesus allein auf diese vergängliche Weltzeit beschränken würde. Damals wie heute gelten diese trostreichen Worte Jesu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ Jesus hat aber auch gleich eine Frage an mich und an dich: „Glaubst du das?“ Jesu Worte sind Wahrheit und Leben. Gerade jetzt, in dieser Situation weltweiter Ratlosigkeit. |
| VIERTER FASTENSONNTAG (A): 2020-03-22 |
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HOFFNUNG IST KEIN BILLIGES WORT!!! Einen Gott nach unserer Vorstellungen gibt es nicht. Gott erfüllt keine Funktion. Gott ist ein reines Da-Sein-Für. Für uns Menschen. In allen Kulturen unserer einen Welt haben Menschen zu allen Zeiten ihre Augen zum Schöpfergott hungernd und dürstend hoffnungsvoll erhoben. Sie hofften auf eine Kraft, die die Grenzen des Wollens und des Machens der Menschen unfassbar überschreitet. Der Mensch ist eben rettungslos religiös! Unser Schmerz ist zugleich unsere Hoffnung:Gottes Gegenwart ist nicht und niemals prognostizierbar! Das Volk Israel musste diese bittere Wahrheit mehrmals lernen. Zugleich „wussten“ sie: Gott [ADONAI] ist treu, verlässlich in seinen Zusagen zum richtigen Zeitpunkt. In der ersten Lesung zu diesem dritten Sonntag in der Fastenzeit stellen die Israeliten die ernste und sie beschäftigende Frage: „Ist Gott in unserer Mitte oder nicht?“ Sie haben Recht so zu fragen! Corvid-19 und Verunsicherung: Die Angst geht um in der Welt und in unserer eigenen Gesellschaft. Berechtigt und vielleicht schon auch teils übertrieben. Das weiß ich: Angst ist ein gutes Alarmsignal! Darauf müssen wir achten! Niemand will leichtfertig sterben. Wir leben alle allzu gern. Das weiß ich aber auch: Die Gesundheitsexperten*innen schlafen nicht! Diese Zuversicht dürfen wir nicht verlieren! Es gibt jedoch einen anderen Adressaten: GOTT. Wenn ER das Haus nicht baut, umsonst mühen sich die Bauleute (Ps 137). Diese gegenwärtige Zeit ist auch eine Zeit der Besinnung, des Gebetes und der vermehrten Solidarität.Setzen wir unsere Hoffnung auf GOTT, der weiß, wie es um uns steht! Im Gebet und in der Mitmenschlichkeit stets verbunden. Priester-Seelsorger, Ndubueze Fabian MMAGU
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| DRITTER FASTENSONNTAG (A): 2020-03.15 |
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DRITTER SONNTAG IN DER ÖSTERLICHEN BUSSZEIT (A): 2020-03-15 KERNBOTSCHAFT: Die Verborgenheit Gottes war und ist niemals das Ende seiner Heilszusage. Die Gottesfrage ist so alt wie die Menschheit und hat nie verstummt: „Ist Gott in unserer Mitte oder nicht?“ So fragte das Volk Israel in einer äußerst bedrohlichen Lebenssituation. Diese bedrückende Frage hat einen heilsgeschichtlichen Hintergrund. Gottes Verheißung bildete vom Anbeginn die Grundlage der Existenz des Volkes Israel. Ob nun bei Abraham oder bei Mose, Gott hat dem Volk Israel eine Verheißung gemacht, die Verheißung seiner Gegenwart. Bezeichnenderweise ist diese Zusage göttlicher Gegenwart allerdings dreimal ordentlich ins Wanken, ins Schleudern gekommen. Einmal fing das Volk an, sich mit allen anderen Völkern zu vergleichen und verlangten nach dem eigenen König. Es war ein Treuebruch, aber Gott gab nach. Ein anderes Mal verlor das Volk seine Geduld und Ausdauer am Fuß des Berges Sinai. Es wandte sich von Gott ab und machte sich ein Standbild als Ersatzgott. Heute hörten wir von der Wucht der Frustration und Verzweiflung, von der Ohnmacht bei der Wanderung durch die Wüste. Das Volk war am Verdursten. Die Gegenwart Gottes war nicht spürbar. Unser Gottesbild stets überprüfen: Die Erfahrung des Volkes Israel ist uns überhaupt nicht fremd! Auch uns, die wir uns sonntäglich zur Eucharistiefeier versammeln, der höchsten Form göttlicher Gegenwart unter uns. Es gibt die >>Nacht der Seele<<; eine >>Nacht<<, in der die Verzweiflung die einzig wahrnehmbare Wirklichkeit ist, die Menschen von allen Seiten umschließt. Was meinen wir also, wenn wir, wie beim Volk Israel, von der Gegenwart Gottes sprechen? Verbinden wir diese göttliche Gegenwart nicht zu oft mit Machbarkeit bis sogar zum Machbarkeitswahn? Hat Gottes Gegenwart nicht doch mit Treue und Standhaftigkeit zu tun? Denken wir nicht allzu oft die Verheißung Gottes über seine Gegenwart in der weltlichen Kategorie? Traurig aber wahr: Die Verheißung göttlicher Gegenwart entzieht sich aller denkmöglichen Managementkunst! Worum es also geht, ist unser Vertrauen darauf, dass sich Gott nicht betrügen kann. Was sollen wir also tun? Worauf können wir bauen? : Der Psalmist hilft uns zu einer tragfähigen Zuversicht in der >>Nacht der Seele<<: „Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, der HERR nimmt mich auf“ (Ps 27,10). Und aus dem Buch des Propheten Jesaja kommt uns diese Zuversicht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir. Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen“ (Jes 43,1b-2). Schwestern und Brüder! In dieser Welt sind uns Grenzen gesetzt. Unser Imponiergehabe ist lediglich eine Seifenblase! Darum sagt Paulus in der zweiten Lesung, dass es allein auf die Gnade Gottes ankommt. Dass Gottes Gnade es vermag, uns durch alle >>Nacht der Seele<< zu tragen. Es geht also darum, dass wir in allen Situationen uns von Gottes Sohn, Jesus begleiten lassen. Wie bei der Samariterin ist der größte Durst, der größte Hunger unseres Glaubenslebens, Gott näher zu sein und tiefer zu erkennen; zu unserem inneren Selbst zu finden. Auch in Zeiten wie diesen bleibt die Gottsuche unsere Glaubensherausforderung. |
| ZWEITER FASTENSONNTAG (A): 2020-03-08 |
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ZWEITER SONNTAG IN DER ÖSTERLICHEN BUSSZEIT (A): 2020-03-08 VORSTELLUNG DER FIRMLINGE: „KOMMT, FOLGT MIR NACH!“ KERNBOTSCHAFT: Ich mache das Grundthema der Vorstellung der Firmlinge zum zentralen Inhalt meiner Einladung zum konsequenten christlichen Glauben als konkreter Nachfolge. Gott schreibt die Geschichte der Menschheit immer neu: In der Lesung aus dem Ersten Buch Mose hörten wir von Abram. Gott setzt einen neuen Anfang mit ihm. Er ruft ihn, seine Heimat zu verlassen. Es heißt, seine Selbstsicherheit zu verlassen. Abraham ist zum Gottes Entwurf geworden. Er wird künftighin auf Gottes Weg gehen. Auf diesem Weg hat Abraham einen einzigen und einzigartigen Auftrag: „Ein Segen sollst du sein.“ Jesus wird später beanspruchen, dass er dieser Weg Gottes sei. In ihm ist Gott sichtbar und hörbar geworden – für uns und zu unserem Heil, zu unserem Ganz-sein. Wir, die wir auf den Namen Jesu getauft worden sind, haben diesen Auftrag, wie Gott ihn Abraham gegeben hat, erhalten. Gott will für alle Menschen erfahrbar und sichtbar werden durch uns und durch alle Menschen, die sich Christen und Christinnen nennen. Können wir es schaffen, Gott sichtbar und erfahrbar zu machen? Wir können und dürfen uns auf Gottes Gnade, auf sein Wohlwollen verlassen: Ich habe ein großes Vorbild im Apostel Paulus. Er ist für mich zugleich ein großer Trost und eine unbändige Hoffnung. Der Saulus, der zum Paulus geworden ist, dieser Paulus, der sich als eine „Missgeburt“ bezeichnet. Hört genau, wie sich Paulus versteht und wie groß sein Vertrauen auf Gott ist: „Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der >>Missgeburt<<. Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade (Wohlwollen) bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben“ (1Kor 15,8-10a). „Kommt, folgt mir nach!“: Liebe Firmlinge! Niemand kann Jesus wirklich nachfolgen, wenn er oder sie sich nicht von Jesus stark angezogen fühlt. Gerade diese Anziehungskraft spürten die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg der Verklärung. Wer von der Gegenwart Jesu, wer von seiner Liebe überwältigt wird, kann gar nicht mehr anders, als bei ihm zu bleiben, mit ihm auf dem Weg zu sein. Deshalb sagt der Apostel Paulus: „Die Liebe Christi drängt uns!“ (2Kor 5,14). Kann seine Liebe uns heute noch >>drängen<<? Jawohl! Ganz besonders in der Feier der Eucharistie – in der Messfeier. Vielleicht sagt ihr, so wie manche anderen, das ihr die Eucharistiefeier nicht >>versteht<<. Da hättet ihr aber Recht! Kein Mensch >>versteht<< die Messfeier! „Das Schöne kann nicht verstanden werden. Es wird geliebt.“ Wer Jesus also nachfolgt, muss darum vorrangig seine beglückende Nähe suchen, muss lernen, bei und mit ihm zu sein. Die Nachfolge Jesu ist nicht primär ein Aktivismus! Christliche Aktivistinnen und Aktivisten waren und sind gerade die Menschen, die seine Nähe stark erlebt haben. Darum gefällt mir diese Worte des Apostels Paulus, die euch abschließend ans Herz lege: „Weil wir eine Hoffnung haben, treten wir mit großem Freimut auf“ (2Kor 3,12a). Ich freue mich, dass ihr in der Firmungsvorbereitung Jesus näher kennenlernt, um mit ihm viel besser auf dem Weg zu sein. |
| ERSTER FASTENSONNTAG (A): 2020-03.01 |
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ERSTER FASTENSONNTAG (A): 2020-03-01 KERNBOTSCHAFT: In einer Welt problembeladener Rechtfertigung gilt es, in Gott allein unsere Lebensverankerung und Erfüllung zu suchen. Gott suchen und finden – das größte Projekt in unserem Leben: „Die Zeit, Gott zu suchen, ist dieses Leben. Die Zeit, ihn zu finden, ist der Tod. Die Zeit, ihn zu besitzen, ist die Ewigkeit“ (Franz von Sales, Bischof von Genf). Mir ist dieser Spruch von Franz von Sales am heutigen ersten Sonntag in der vorösterlichen Bußzeit sehr wichtig. Ich möchte, dass wir uns darüber Gedanken machen. „Die Zeit, Gott zu suchen, ist dieses Leben.“ Wer es mit der Gottsuche ernst meint, kann nicht umhin, manche Alltagsgewohnheiten, bestimmte Lebenseinstellungen in Frage zu stellen. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Fragestellungen, ja, der Infragestellungen für den Christenmenschen. Eine verdichtete Zeit, sich neu zu orientieren. Eine besondere Gnadenzeit. Spurenelemente christlicher Weisheit in den Versuchungen Jesu: Jesus entblößt durch seine souveränen Haltungen gegenüber seinem Widersacher viele Dinge, die wir im Alltag sagen und tun als Rechtfertigung, als Selbstrechtfertigung. Seine Reaktionen bedeuten die Zerstörung unserer Lebenskulturkulisse. In den Antworten Jesu werden unsere Verhaltensweisen im Alltag entkleidet. Was meistens bei unserem Umgang mit anderen Menschen übrigbleibt, ist meistens offenkundig oder verschleiert das Rechthabenmüssen. Gerade dieses Recht haben zu müssen ist aber der Ersatz für Rechtfertigung, die für Jesus und den Schweizer evangelischen Theologen Karl Barth Gott allein sein kann. Jesus hat durch seine Antworten auf die dreifachen Versuchungen durch den Widersacher alle Formen des Bewusstseinsimperialismus entblößt und zerstört. Solcher Bewusstseinsimperialismus ist meistens mit Macht, Machtgefühl sowie Zeitgeistopportunismus verbunden. Bei vielen Dingen, die wir tun und sagen, geht es kritisch besehen um die verschleierte Domestizierung unseres Gewissens. Die Fastenzeit richtig gestalten: Nach allen biblischen Erzählungen besteht die größte Sünde des Menschen in der Grenz- und Kompetenzüberschreitung. Die Ur-Versuchung des Menschen ist ihm geblieben: Selbstüberschätzung. Die Fastenzeit ist darum eine Zeit, in der wir in uns hineinhorchen sollen; in einer Zeit, in der wir bei den kleinen und großen Entscheidungen vorher die Ruhe suchen; eine Zeit der Stille und Besinnung. Gott in diesem Leben zu suchen, heißt aber auch die Frage der Ewigkeit zu stellen. Unsere Ewigkeit beginnt aber schon jetzt in dieser Welt durch unsere Offenheit für Gott. Mehr ... |
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