| PFINGSTSONNTAG (A): 2020-05-31 |
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PFINGSTSONNTAG (A): 2020-05-31 KERNBOTSCHAFT: Der Heilige Geist Gottes schafft die Welt neu durch Völkerverständigung. Das ehrfurchtgebietende Geschenk Gottes: „Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden“. Gern möchte ich mich mit euch über diesen einen kurzen Satz aus dem Pfingstereignis austauschen. Was ist denn das Ehrfurchtsgebietende an diesem besonderen Geschenk Gottes? Es ist der Glaube an das Unmögliche, an das Unvorstellbare, an das Unglaubliche. Das große Pfingstereignis lässt mich immer von einer neuen Weltordnung träumen, in der das Verständnis unter allen Völkern der Erde möglich sein sollte. Wäre es überhaupt möglich? Ich denke schon! Denn wenn und wo Gott im Spiel ist, ist Verständigung, Verständnis, ein friedliches Miteinander möglich; die Menschen erkennen und wertschätzen einander in der jeweiligen Einzigartigkeit. Jede vorurteilhafte Ausgrenzung, jede Diskriminierung ist zutiefst etwas Widergöttliches, das sich dem Wirken des Heiligen Geistes zuwiderläuft. Erinnern wir uns doch an die Ordnung im ersten Kapitel des Buches Genesis, wo der Geist Gottes über das Tohuwabohu schwebte und aus dem Chaos eine wunderbare Schöpfungsordnung machte. Das Chaotische ist aber das Diabolische. Der Diabolos wirbelt immer durcheinander. Der Heilige Geist Gottes in uns jedoch, der Pfingstgeist, kann dem Diabolischen in unserer Welt, im Zusammenleben der Menschen wettmachen. Wenn wir uns dem Heiligen Geist Gottes öffnen, dem Beistand, den Jesus Christus, der Auferstandene, seinen Aposteln zugesagt hat,, dann erneuert sich das Angesicht der Erde, dann wird die Mitmenschlichkeit zu unserer Lebensgrundhaltung. Christsein im Zeichen des Heiligen Geistes: Das sofort verwendete Wort „Zeitgeist“ steht für unterschiedliche Entwicklungen und Erfahrungen in unserer Welt: für sogenannte Globalisierung (Weltdorfgemeinschaft?), für Völkerauswanderungen, für Populismus, für Ausgrenzungen, und so fort, und so weiter. Nicht jedoch der Zeitgeist soll uns als Christen*innen prägen, sondern die Zeit des Heiligen Geistes, die eine Dynamik des Vertrauens und der offenen Begegnungen bedeutet. Ein Christ oder eine Christin ist ein Mensch, der an die Kraft neuer Zusammengehörigkeitsformen glaubt und dadurch diese Welt viel menschlicher mitgestaltet. Wie bei den jüdischen Schwestern und Brüdern, die das Shavuot, das altjüdische Siebenwochenfest als Erntedankfest, das Fest der Gabe der Tora, so ist auch für uns Christen*innen das Pfingstfest ein Erntedankfest, die Ernte des Heilsmysteriums in Jesus Christus. Der Heilige Geist ist die Gabe Gottes in Jesus Christus; die Frucht des neuen Bundes in Jesus Christus. Der Geist Gottes und der Geist Christi in uns will reiche Früchte für unsere Gestaltung der tragen. |
| SECHSTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 2020-05-17 |
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SECHSTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 2020-05-17 KERNBOTSCHAFT: Christen*innen sind Menschen, die erfüllt vom Heiligen Geist Sinn und Hoffnung in dieser Welt stiften. Der Abschiedsschmerz ist ein besonderer Ort der Offenbarung wahren Lebens: Der Abschiedsschmerz ist keinem und keiner von uns fremd. Abschied ist in seinen unterschiedlichsten Formen eine verrückte Angelegenheit. Er birgt aber zugleich ein unbeschreiblich schönes Geheimnis. Entweder spüren wir, was wir verloren haben und allzu gern gehabt hätten, oder wir spüren etwas, was wir gewonnen haben und uns dennoch unvollendet zurücklassen. Wir können unmöglich von etwas Abschied nehmen, was uns einmal tief berührt hat. Was uns einmal zutiefst berührt hat, stirbt nicht mehr, sondern verlebendigt sich durch die Erinnerung. Mein Vater ist 1987 gestorben und meine Mutter 2009. Dennoch trage ich das berührende Bild seiner innigen Umarmung bei meinem Abschied von Nigeria am Taxistand sowie die Tränen einer Mutter, die ihren Sohn an die Fremde >>verliert<<. Vielleicht ist es für unser seelisches Wohlbefinden sehr wichtig, wenn wir immer wieder innehalten und uns bewusst werden, wo die Knotenpunkte solcher Berührungen in unserem Leben waren. In einem solchen Tun steckt eine große Orientierungsmöglichkeit. In ihm steckt eine Lebenskraft. Das große Geschenk bleibender Gegenwart Jesu bei seinem Abschied: Es gibt eine jesuanische Kunst der Seelsorge, die sich wie roter Faden durch alle vier Evangelien durchzieht. Diese jesuanische Seelsorgestrategie hat die Selbstwerdung des Menschen zum Inhalt. Jesus hat sein ganzes Leben in dieser Welt eine aufbauende, eine aufrichtende Seelsorge betrieben. Sie war die Umsetzung des Reiches Gottes. Diese Worte Jesu beim Abschied sind trostreich und hoffnungsvoll: „Ihr kennt den Beistand, den Geist der Wahrheit, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“ Der Heiliger Geist heißt auf Griechisch parakletos, Herbeigerufener. Was Jesus seinen Aposteln zum Abschied gibt, wird bleiben. Wir sind Erben der Apostel. Weil der Heiliger Geist in uns ist, können wir ihn in vielen Entscheidungssituationen herbeirufen, ja, hervorrufen. Eine der schönsten Aussagen in der Bibel, die die Kraftquellen meines Lebens und meiner christlichen Spiritualität bilden, ist die Aussage bei Paulus, dass wir der Tempel des Heiligen Geistes sind und dass er in uns wohnt; und wir sind um einen teuren Preis erkauft worden [durch die Lebenshingabe Jesu, Anm.] (1 Kor 6,20). Aufbauend auf dieses Bewusstsein ruft darum Petrus in der zweiten Lesung zu einer lebendigen christlichen Spiritualität auf: „Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!“ Darin liegt der Anfang christlichen Zeugnisses in unserer heutigen Gesellschaft: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt!“ Zum Kirchenprofil in unserer Gesellschaft gehört es, dass die Christen*innen wissen und bezeugen, wofür sie stehen. Ich finde diese Worte des französischen Diplomat und Schriftstellers Paul Claudel sehr zutreffend für unser Christsein heute: „Rede nur, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt!“ Möge der Gott Jesu Christi stets durch uns im Alltag spür- und erlebbar werden: wenn ich den Strom des Lebens und der Liebe tief im Herzen spüre, in einem erbaulichen Gespräch, in dem niemand >>gewinnen<< muss, sondern das Leben im Austausch hellsichtiger und transparent auf Gott hin wird. |
| CHRISTI HIMMELFAHRT: 2020-05-21 |
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CHRISTI HIMMELFAHRT (A): 2020-05-21 KERNBOTSCHAFT: Christliche Hoffnung eine Hoffnung im Übergang. Hoffnung ist eine besondere Eigenschaft eines Christmenschen: Wer die Bibel in die Hand nimmt und sie sorgfältig liest, entdeckt unweigerlich eine Dynamik der Bewegung und des Werdens. Ich kann es auch anders sagen: In der gesamten Bibel entdecken wir eine fesselnde Erwartungshaltung. Das Gefühl begleitet uns: Es gibt und es kommt etwas Besonderes! Es bahnt sich der Weg zu etwas Größerem und Schönerem! Dafür steht die symbolische Zahl 40. Die Israeliten wanderten 40 Jahre durch die Wüste zu einem neuen Ort der Freiheit und der Selbstwerdung, in ein Land der Lebensfülle. 40 Tage und Nächte fastete Jesus in der Wüste, um in die Machtsphäre Gottes zu kommen für seine Weltsendung. 40 Tage bereiten wir uns jährlich auf das große Osterfest. Die Apostelgeschichte erzählt uns davon, dass der auferstandene Jesus 40 Tage lang seinen Jüngern erschienen ist und zu ihnen vom Reich Gottes gesprochen hat. 40 Tage nach Ostern begehen wir das Hochfest Christi Himmelfahrt, Jesu Weg zur Vollendung. Was uns diese biblischen Bilder vermitteln, ist, dass wir als Christinnen und Christen Menschen des Übergangs sind. Die ersten Jünger Jesu befanden sich in einer Zeit, in der sie ihre neue Lebens- und Glaubenssituation hineinzuwachsen hatten. Sie mussten lernen, auf welche Weise ihr Meister nun und in der Zukunft bei ihnen sein wird. „Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters!“ Christsein heißt, an dem uns zugewiesenen Ort und zum richtigen Zeitpunkt auf die Verheißung des Vaters zu warten. Gott hat seine Zeit, aber ER ist bei seinen Menschen. Christinnen und Christen hoffen nicht ins Leere: Als Menschen des Übergangs ist die Hoffnung unsere Wegbegleiterin. Auf dem Weg unseres Lebens hoffen wir darauf, dass Gott uns seinen Geist der Unterscheidung geben wird. Wenn wir hoffen, heißt es, dass wir uns auf das wunderschöne Gebet des Apostels Paulus in der zweiten Lesung bewusst und erwartungsvoll einlassen: „Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.“ Diese Worte des Apostels unterstreichen noch einmal den Zuspruch Jesu über seine bleibende Gegenwart: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ Wenn wir also hoffen, so hoffen wir darauf, dass unser Leben durch die Vollmacht des auferstandenen Herrn vollendet wird und dass ER bei uns in dieser Welt ist. |
| SECHSTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 17.05.2020 |
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SECHSTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 2020-05-17 KERNBOTSCHAFT: Christen*innen sind Menschen, die erfüllt vom Heiligen Geist Sinn und Hoffnung in dieser Welt stiften. Der Abschiedsschmerz ist ein besonderer Ort der Offenbarung wahren Lebens: Der Abschiedsschmerz ist keinem und keiner von uns fremd. Abschied ist in seinen unterschiedlichsten Formen eine verrückte Angelegenheit. Er birgt aber zugleich ein unbeschreiblich schönes Geheimnis. Entweder spüren wir, was wir verloren haben und allzu gern gehabt hätten, oder wir spüren etwas, was wir gewonnen haben und uns dennoch unvollendet zurücklassen. Wir können unmöglich von etwas Abschied nehmen, was uns einmal tief berührt hat. Was uns einmal zutiefst berührt hat, stirbt nicht mehr, sondern verlebendigt sich durch die Erinnerung. Mein Vater ist 1987 gestorben und meine Mutter 2009. Dennoch trage ich das berührende Bild seiner innigen Umarmung bei meinem Abschied von Nigeria am Taxistand sowie die Tränen einer Mutter, die ihren Sohn an die Fremde >>verliert<<. Vielleicht ist es für unser seelisches Wohlbefinden sehr wichtig, wenn wir immer wieder innehalten und uns bewusst werden, wo die Knotenpunkte solcher Berührungen in unserem Leben waren. In einem solchen Tun steckt eine große Orientierungsmöglichkeit. In ihm steckt eine Lebenskraft. Das große Geschenk bleibender Gegenwart Jesu bei seinem Abschied: Es gibt eine jesuanische Kunst der Seelsorge, die sich wie roter Faden durch alle vier Evangelien durchzieht. Diese jesuanische Seelsorgestrategie hat die Selbstwerdung des Menschen zum Inhalt. Jesus hat sein ganzes Leben in dieser Welt eine aufbauende, eine aufrichtende Seelsorge betrieben. Sie war die Umsetzung des Reiches Gottes. Diese Worte Jesu beim Abschied sind trostreich und hoffnungsvoll: „Ihr kennt den Beistand, den Geist der Wahrheit, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“ Der Heiliger Geist heißt auf Griechisch parakletos, Herbeigerufener. Was Jesus seinen Aposteln zum Abschied gibt, wird bleiben. Wir sind Erben der Apostel. Weil der Heiliger Geist in uns ist, können wir ihn in vielen Entscheidungssituationen herbeirufen, ja, hervorrufen. Eine der schönsten Aussagen in der Bibel, die die Kraftquellen meines Lebens und meiner christlichen Spiritualität bilden, ist die Aussage bei Paulus, dass wir der Tempel des Heiligen Geistes sind und dass er in uns wohnt; und wir sind um einen teuren Preis erkauft worden [durch die Lebenshingabe Jesu, Anm.] (1 Kor 6,20). Aufbauend auf dieses Bewusstsein ruft darum Petrus in der zweiten Lesung zu einer lebendigen christlichen Spiritualität auf: „Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn!“ Darin liegt der Anfang christlichen Zeugnisses in unserer heutigen Gesellschaft: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt!“ Zum Kirchenprofil in unserer Gesellschaft gehört es, dass die Christen*innen wissen und bezeugen, wofür sie stehen. Ich finde diese Worte des französischen Diplomat und Schriftstellers Paul Claudel sehr zutreffend für unser Christsein heute: „Rede nur, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt!“ Möge der Gott Jesu Christi stets durch uns im Alltag spür- und erlebbar werden: wenn ich den Strom des Lebens und der Liebe tief im Herzen spüre, in einem erbaulichen Gespräch, in dem niemand >>gewinnen<< muss, sondern das Leben im Austausch hellsichtiger und transparent auf Gott hin wird. |
| FÜNFTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 10.05.2020 |
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FÜNFTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 2020-05-10 KERNBOTSCHAFT: Die Strukturfrage in der Kirche kann den Geist lebendiger Erneuerung verhindern. Doch die Kirche kann sich erneuern aus der Kraft, die von der Nähe zum auferstandenen Christus kommt. Coronavirus und der Geist des Anfangs in der Kirche: Der Kampf gegen diese Coronavirus-Pandemie ist nicht vorbei. Der hat mich und sicherlich viele Menschen etwas Erstaunliches gelehrt: Das Staunen über eine anmutende und tiefberührende Kreativität, wohin man nur schaut. Ich habe einen anderen >>Virus<< in allen drei Schriftlesungen zum heutigen fünften Sonntag der Osterzeit entdeckt. Dieser >>Virus<< trägt unterschiedliche Namen: Intuition, Kreativität, Zärtlichkeit, Fürsorge, Achtsamkeit und Zusammengehörigkeit. Doch ihr gemeinsamer Nenner ist die Mitmenschlichkeit. Ausgerechnet diese weltweit todbringende Pandemie hat mich in meinem Traum mehr als bestätigt: Dass nur das >>Prinzip Mitmenschlichkeit<< unsere Welt zu retten vermag. Es ging mir immer wieder unter die Haut zu sehen, wie viele Menschen in unterschiedlichen Ländern und in großen Entfernungen beim Musizieren zeitgleich miteinander verbunden waren. Wem die Einheit der Menschheitsfamilie ein großes Anliegen und nicht bloß ein Lippenbekenntnis ist, muss hier beginnen. Was heißt das alles aber für uns, die wir in der Kirche Jesu Christi sind? Sich vom >>Virus<< nachhaltiger Kirchenerneuerung infizieren lassen: Die Strukturentwicklung in der Urkirche könnte ich als die >>Ursünde<< der Kirche bezeichnen. Es wäre richtig und falsch zugleich. Die Menschen haben aus ihrer Notsituation kreativ gehandelt. Was haben sie gemacht? Sie etablierten nicht einfach Strukturen, sondern begaben sich auf die Suche nach sinnvollen Menschenressourcen. Sie stellten sich die Frage nach den Charismen und fanden auch die Antwort. Sie stellten den Geist über die Struktur. Sie schufen den Raum für das Selbstentfaltungspotential der Gemeinde. Worin lag aber diese wichtige Selbstentfaltungsmöglichkeit der Urgemeinde? In den beiden Sätzen im ersten Petrusbrief: „Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein!“ Und: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!“ Das ist der >>Virus<< der Gemeinde- bzw. Kirchenerneuerung in unseren Tagen. Eine Kirchengemeinde, die des Namens wert ist, kann sich nur aus der Kraft der unmittelbaren Nähe zu Jesus Christus sinnvoll erneuern, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Und Philíppus fasste die Quintessenz aller Kirchenreform zusammen: „Herr, zeig uns den Vater, das genügt uns.“ |
| VIERTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 03.05.2020 |
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VIERTER SONNTAG DER OSTERZEIT – JUBILATE (A): 2020-05-03 KERNBOTSCHAFT: Auf Gottes Wort und Verheißung ist Verlass. Seine Gegenwart ermöglicht uns das Leben, und zwar in seiner Fülle. Grundorientierung in Zeiten der Verwirrung: Was kann meinen Glauben fördern und festigen? Das ist die Frage, die mich immer wieder beschäftigt und ganz besonders beim Nachdenken über alle drei Schriftlesungen. In Zeiten von Fake News- leider selbst mitten in dieser weltweiten Krise des Coronavirus (!) – gewinnt die Frage an Brisanz: Welche von uns gehörten Worte sind verlässlich? Welche Worte können meinem Leben gute Orientierung geben? Auf welchen Worten kann und darf ich mein Leben bauen? Ich habe sie in allen drei Bibellesungen gefunden. Es heißt aus der Apostelgeschichte: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denn in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.“ Aus der zweiten Lesung aus dem Ersten Petrusbrief gibt es wieder folgende Worte: „Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter. […] Durch seine Wunden seid ihr geheilt.“ Schließlich als Höhepunkt aus dem Evangelium: „Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. […] Ich bin die Tür zu den Schafen. […] Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. […] ich bin gekommen, damit sie das leben haben und es in Fülle haben.“ Was ergibt sich nun aus dieser Zusammenführung aller drei Schriftlesungen für unseren Glauben und für unser Leben? Es macht einen gewaltigen Unterschied, welchen Raum Gott in meinem Leben, in Deinem Leben hat. Unsere Bindung an Gott ist der Raum unserer wahren Freiheit und Lebensentfaltung: Die Weide und das Weite sind in der Bibel zwei besondere Begriffe für Freiheit, Licht und Fülle. Der allerbeste Weg dieser Selbstbindung an Gott ist für uns Christen*innen Jesus, der Christus Gottes. Sein Herz schlägt unentwegt für uns. Gerade dieser Herzschlag Jesu ist die unsichtbare Kraftquelle für unsere Lebenskraft in allen Lebenssituationen; die Freude in Augenblicken der Freudlosigkeit, die unerwartete Leichtigkeit in der Schwere des Alltags. Unglaublich ist diese Beschreibung, dieses schöne Bild: Jesus Christus als Hirten und Hüter meiner Seele zu betrachten. In diesem Wort >>Betrachtung<< steckt auch schon die Einladung zu einer spirituellen Übung. Ja, unsere Bindung an Gott gehört geübt – jeden Tag neu! Dabei mögen wir nicht vergessen: ER, der Gekreuzigte und Auferstandene, kennt uns beim Namen, und ER ruft uns auch. Wenn ER uns aber ruft, dann hält ER uns das Leben in Fülle entgegen. |
| GEDENKTAG DES HL. JOSEF: 01.05.2020 |
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GEDENKTAG DES HEILIGEN JOSEF (A): 2020-05-01 KERNBOTSCHAFT: Gott schrieb und schreibt auf krummen Wegen gerade. Daran zu glauben, verlangt nach persönlicher Berührung mit der Wirklichkeit Gottes. Der Glauben als ein Religionssystem übersieht und übergeht sehr oft Gottes Botschaft und Wege: Das, was Menschen existenziell fürchten, könnte sich als ein Wendepunkt herauskristallisieren. Obwohl Angst zum Wesen des Menschen gehört, kann sie uns dennoch in unseren Selbstentfaltungsmöglichkeiten blockieren. Die ganze Bibel ist voll davon, wie Gott uns zeigt, dass er alle unsere Vorstellungen, Befindlichkeiten und Denkstrukturen weit übersteigt. Aus einem Mörder-König David ist eine unverzichtbare Gestalt in der Heilsgeschichte für das Judentum wie auch für das Christentum geworden. Wieder aus einem Mörder aus der obersten Schicht jüdischer Gelehrten ist ein unvergleichlicher Missionar Jesu geworden – Saulus. Er wird sogar Schweres für diesen Namen ertragen müssen! Gott kann aus uns Menschen erscheinenden Widersprüchlichkeiten Gelegenheiten zur Gnade, Gelegenheiten eines Liebensgeschenks machen. Deshalb heißt es schon im Buch des Propheten Jesaja: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken“ (Jes 55,8-9). Welche praktischen Konsequenzen könnten sich für uns Christen und Christinnen aus dieser Einsicht in die biblische Botschaft ergeben? Zur Frage der Evangelisierung und Gemeindebildung: Wenn Evangelisierung ein nie enden wollender Auftrag Jesu an die Apostel, an alle seine Jünger und Jüngerinnen war, ist und bleibt, dann gäbe es schwerwiegende Schlussfolgerungen aus den Überraschungsmomenten im Verhältnis des biblischen Gottes zu den Menschen, vor allem zu jenen Menschen, wo sie vom Mainstream ausgeschlossen wurden – und werden. Unsere oft Kuschelgemeinden versäumen wahrscheinlich unbewusst – oder auch bewusst – Gelegenheiten einer die existierenden Grenzen überschreitenden Evangelisierung, eines Gemeindewachstums! Niemand darf sich irgendwo in einer Gemeinde Jesu Christi als ein Außenseiter oder eine Außenseiterin fühlen! Die Kirchengemeinden brauchen Menschen wie Hananias, der dem Christenverfolger im Auftrag des Auferstandenen seine Hände auflegte und er dann den Heiligen Geist empfing. Die Pfarrgemeinden brauchen Menschen, wie Judas, in dessen Haus sich der >>stürzte<< Mörder Saulus Zuflucht gefunden hat. Bedenken wir, wie viel Gewicht dem Ereignis in der Heimatstadt Jesu beizumessen ist: Wegen ihrer Missachtung aus Herzensverstocktheit konnte er dort keine Wunder und Heilungen wirken. Diese Gefahr besteht auch noch heute. Hüten wir uns als Kirche davor! Denn die Gewohnheitsstrukturen in den Gemeinden können dem Evangelisierungsauftrag hinderlich sein. |
| DRITTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 26.04.2020 |
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DRITTER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 2020-04-26 KERNBOTSCHAFT: Jesus lebt und begleitet die Menschen auf ihren unterschiedlichsten Lebenswegen. Die Botschaft der Auferweckung Jesu Christi persönlich nehmen: Ein Christ oder eine Christin hat sich diese Frage stets zu stellen, wenn er oder sie es mit dem eigenen Glauben ernst meint: Was hat die Auferweckung Jesu Christi mit meinem Leben zu tun? Wenn ich an Gott Jesu Christi und an seine Auferweckung glaube, dann bin ich eingeladen, mich auf diese tiefsinnigen Worte des Apostels Petrus einzulassen: „Denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.“ Wer wirklich glaubt, ist voll drin! Konkret heißt es, dass die „gesamte Heilsgeschichte sich auf Jesus Christus ereignet und zielt“ (TD, April 2020). Wenn ich wirklich glaube, dann halte ich ganz fest daran, dass es „beim Gott des Alten und Neuen Testament, dem jüdisch-christlichen Gott, unmöglich ist, dass der Tod das letzte Wort hat“ (TD, April 2020). Der Tod wird irgendwann für mich kommen müssen, aber er kann nicht mehr das letzte Wort haben, denn Jesus, der Gekreuzigte, lebt! Er lebt für mich! Die Liebe als Weggemeinschaft: Die Auferweckung Jesu Christi hat gleichzeitig eine weltliche und kirchenspezifische Dimension. Es ist immer wieder für mich sehr erfreulich, zu beobachten, wie viele Menschen sich aus der Kraft der Auferweckung Jesu für die Vermenschlichung unserer gemeinsamen Welt einsetzen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es heißt, dass sie oft gegen starke Widerstände gegen den sozialen Tod Millionen von Menschen stellen. Sie sagen tatkräftig und im vollen Vertrauen auf die Kraft der Auferstehung ihr kompromissloses JA zum Leben eines jeden Menschen. Christliches Handeln in dieser Welt, die christliche Weltgestaltung bedeutet, bei und mit den Menschen auf dem Weg zu einem angstfreien und erfüllten Leben zu sein. Innerkirchlich heißt es Begleitung. Es heißt, dass die Kirche in ihrem Denken, Reden und Handeln eine Weggefährtin der Menschen sein darf; eine Weggefährtin eines jeden Menschen in seiner ganz konkreten Situation. Seelsorge war immer schon, ist und bleibt eine Lebensbegleitung an den >>Knotenpunkten<< des Lebens. Eine Begleitung bei den sogenannten Lebenswenden (Geburt, Initiation ins Leben, Partnerschaft, Krankheit und Tod). Eine Zuwendung und Begleitung, wenn Not und Zweifel quälen. Ich darf diese Erfahrung als Priester immer wieder machen! Die Lesung aus dem 24. Kapitel des Evangeliums nach Lukas wurde schon seit Ostermontag mehrmals vorgelesen, vielleicht um zu dokumentieren, dass die Weggemeinschaft mit den zwei Jüngern von Emmaus der Königsweg der Kirche zu sein hat. „Er begleitet sie auf ihrem Weg und lässt sie erzählen – von ihrer Trauer und ihrer Enttäuschung über den gewaltsamen Tod Jesu“ (TD, April 2020). Nichts kann nach meiner tiefsten Überzeugung dieses Seelsorgemodell ersetzen: die Menschen in ihrer Sehnsucht respektvoll zu begleiten. Ich verfälsche diesen bei vielen Hochzeiten sehr beliebten Spruch von Antoine de Saint-Exupéry, dem französischen Flieger und Schriftsteller (1900-1944), „Liebe besteht nicht darin, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in die gleiche Richtung blickt“ in „Liebe in der Kirche und in der Seelsorge besteht darin, dass wir bei und mit den Menschen unterwegs sind und ihre Sehnsüchte heraushören und sie nach Bedarf begleiten.“ |
| ZWEITER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 19.04.2020 |
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ZWEITER SONNTAG DER OSTERZEIT (A): 2020-04-19 SONNTAG DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT / WEISSER SONNTAG KERNBOTSCHAFT: Die Eucharistiefeier ist von der Auferstehung Jesu Christi her geradezu der Ort, an dem unser Gottvertrauen gestiftet wird und sich unsere Gemeinschaft mit dem Auferstandenen erneuert. Die Auferstehung als Gottes Erntezeit: Wer eine Erntezeit erwartet, soll und muss wissen, was überhaupt ausgesät worden ist. Was also ist die Aussaat Gottes im Leben seines Sohnes für diese Welt? Jesus hörte nicht auf zu beteuern, er sei gekommen, um den Willen dessen zu erfüllen, der ihn gesandt hat. Was ist also der Wille Gottes für unsere Welt, der sich im Leben Jesu als dem Gesalbten Gottes erfüllen sollte – und in der Tat durch seinen Kreuzestod und seine Auferweckung erfüllt hat? Im Johannesevangelium nennt ihn das Leben in seiner Fülle (Joh 10,10). Da wir aber noch in der Welt sind, macht Jesus eine Versprechung, die in seiner Auferstehung ihre Erfüllung gefunden hat: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33b). Es ist also der Wille Gottes, dass wir Mut haben bei unserer Lebens- und Weltgestaltung. Das besondere Geschenk ist eine Zukunft ohne Angst. Ich kann und darf der Zukunft entgegenschreiten, weil Jesus lebt. Die größte Frucht seiner Auferstehung: Es ist in der zweiten Lesung die Rede von einer >>Zeugung<<. Die Auferstehung Jesu Christi hat uns >>neu gezeugt<<. Es ist eine >>Zeugung<< der Unvergänglichkeit. „Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu gezeugt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unzerstörbaren, makellosen und unvergänglichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt ist.“ >>Im Himmel für euch aufbewahrt<< bedeutet nicht die Entzogenheit. Nein! Es bedeutet die Unverlierbarkeit seiner Gegenwart. Diese seine Gegenwart haben wir aber in der Eucharistie. Gerade seine Auferstehung hat noch einmal die bleibende Zusage seiner Gegenwart unwiderruflich bestätigt. Noch eine großartige Frucht seiner Auferstehung haben wir im Evangelium: den Leben schaffenden und erneuernden Heiligen Geist, in dessen Namen den Menschen ihre Lebensverfehlungen vergeben wird. Er ist das große Geschenk an die Kirche zur Vergebung der Sünden. „Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ Es heißt, dass die Auferstehung die Quelle unserer wahren Freiheit ist. Sie ist wohl das schönste Geschenk Gottes an uns Menschen. Darauf können wir wohl bauen. |
| PREDIGT OSTERMONTAG: 13.04.2020 |
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OSTERMONTAG (A): 2020-04-13 KERNBOTSCHAFT: Es gibt einen evolutiven Glaubensprozess im Dialog. Die sogenannte Sonntagspflicht übersah und übersieht immer noch, dass der Sonntag Raum und Zeit christlichen Glaubensbekenntnisses ist: Der Glaube an die Auferstehung Christi ist generell unter den katholischen und evangelischen Christinnen und Christen in Österreich keine Selbstverständlichkeit mehr. „Dabei ist geradezu dieser Glauben der Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens!“ (TD, April 2020). Der Apostel Petrus hat die Anstrengung der Überzeugung von ihr auf sich genommen. Er verbindet sie mit der Geschichte des Glaubens des Volkes Israel, indem er die Worte Davids aufgreift: „Du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.“ Darin sah Petrus die Voraussagung über die Auferstehung Jesu Christi. Weil Petrus die unmittelbare persönliche Erfahrung gemacht hat, sagt er: „Dafür sind wir alle Zeuge.“ Christlich zu glauben, heißt lebendiger Zeuge, lebendige Zeugin zu sein. Dieses Zeugnis verlangt aber nach einer persönlichen Begegnung und Erfahrung mit Jesus Christus. Heute ist die leibhafte Begegnung mit ihm nicht mehr möglich, aber spirituell wohl! Eine solche Spiritualität der Begegnung ist allerdings ein beständiger Prozess. Ja, auch die Evolutionstheorie hat ihren Platz im christlichen Glauben. Unser Blick auf die zwei Emmausjünger klärt den Evolutionsprozess im Glauben auf: Obwohl sie so viel haben erleben können und dürfen, blieben sie nach dem Tod Jesu wie in einem Irrgarten; sie blieben die Unwissenden; viel positiver ausgedrückt, sie blieben Fragende und Suchende. Das kann aber aus meiner Sicht überhaupt nicht schlecht sein. Denn wer gern fragt, will etwas wissen, etwas erfahren. Wer fragt, dreht sich nicht in seiner Couch der Selbstzufriedenheit! Der Zweifel hat seinen berechtigten Platz im Glauben, denn er, der Glaube richtet sich nicht nach mathematischen Formeln. Obwohl nicht verstandesscheu, ist er doch eminent eine Angelegenheit des Herzens. Das heißt aber, dass es den Raum der Verunsicherungen gibt. Was für mich sehr trostreich ist, das sind die Worte des weltberühmten französischen Mathematikers, Philosophen und Religionswissenschaftlers Blaise Pascal: „Das Herz hat seine Gründe, die dem schärfsten Verstand unzugänglich sind.“ Nun aber können wir von den beiden Emmausjüngern lernen, dass der Glauben ein Miteinander-auf-dem Weg-Sein bedeutet. Dadurch kann sich der Glauben weiterentwickeln. Der Glauben wächst im Austausch und in einem solchen Austausch ist Platz für den Meister, für den Ur-Anführer des Glaubens, für Jesus Christus, den Auferstandenen. In einem Glaubensaustausch kann uns das Herz brennen. Und wo das Herz im Austausch brennt, da tut sich ein Raum auf für Erfüllung. |
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