PALMSONNTAG (A): 2026-03-29

PALMSONNTAG (A): 2026-03-29

KERNBOTSCHAFT: Dass wir stets aus dem Bewusstsein leben, dass wir mit Jesus auf dem Weg sind.

Das Besondere am Palmsonntag erkennen, lieben und vertiefen: Als ich am vergangenen Mittwoch in meinem Arbeitszimmer saß und über den Palmsonntag nachdachte, kehrte ich immer wieder zu der Glaubensüberzeugung zurück: Wir brauchen diesen Jesus! Ich fragte mich: Was ist denn wirklich das Besondere an diesem Palmsonntag? Wir sind mit Jesus auf dem Weg unseres Lebens mitten in allen Widersprüchlichkeiten und Leidenserfahrungen. Wir sind mit Gehässigkeit und Liebe konfrontiert; mit Vorurteilen und Vertrauen; mit Verzweiflung und Hoffnung. Die Ironie kann nicht größer und anschaulicher sein: Viele, die „Hosanna dem Sohne Davids!“ geschrien haben, befanden sich unter denen, die später ganz andere Rufe ausstießen: „Ans Kreuz mit ihm!“ So hat nach dem dritten Lied des Gottesknechtes beim Propheten Jesaja dieser Jesus alle menschlichen Widerwärtigkeiten auf sich genommen. „Jesus ist der, der die Müden, die Gebrochenen, die Kranken, die Sünder aufgerichtet und geheilt hat“ (TD März 2026). Mitten in unserem Zweifel und Unglauben, mitten in unserem Ungehorsam und unserer Glaubensmüdigkeit ist es Jesus, der nach der Heilshymne des Philipperbriefes auf Gott, seinen Vater gehört und stets seinen Willen erfüllt hat. „Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußert sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ Hier ist die Botschaft, auf die wir unser Leben bauen können und dürfen: „Dass Gott mit all unseren Leidenssituationen solidarisch ist“ (TD März 2026). Jesus steht an unserer Seite und hält das Leiden mit uns aus.

Das Kreuz ist der unumkehrbare Weg Gottes zu uns Menschen: Im Psalm 24 wird die Frage gestellt: „Wer ist der König der Herrlichkeit?“ Schwestern und Brüder! Diese Frage ist gerade an diesem Palmsonntag von besonderer Bedeutung für uns. Jesus ist nicht nur der König der Herrlichkeit, sondern gleichzeitig will diese seine Schönheit, diese seine Großartigkeit, in unserem Leben aufleuchten. Die sind uns in unserer Taufe unverlierbar und unauslöschlich verliehen. Deshalb konnte der heilige Irenäus von Lyon zu der unerschütterlichen Überzeugung gelangen: „Homo vivens, Gloria Dei“ – Der lebendige Mensch ist die Herrlichkeit Gottes“. Mit dieser Zuversicht gehen wir in die Karwoche hinein. DU bist die Herrlichkeit Gottes in deiner Lebendigkeit – in deiner Freude, in deiner Hoffnung, in deiner Leidensgeschichte, in deiner Übung der Nächstenliebe. Mitten im unsäglichen Leid dieser Welt bist DU Gottes Herrlichkeit.

ZWEITER FASTENSONNTAG (A): 2026-03.01

ZWEITER FASTENSONNTAG (A): 2026-03-01

KERNBOTSCHAFT: Erfüllte Momente brauchen Zeit und Raum für die volle Entfaltung. So können wir Segen sein.

Wir sind Zeugen und Zeuginnen der Hoffnung und des Guten: Es löst ein überwältigendes Gefühl in mir aus – und ich hoffe auch in euch – zu hören, was Gott dem Abraham zugemutet hat. „Ein Segen sollst du sein.“ Gott ermächtigt den Abraham, Zeuge Seiner Güte zu sein. Gott weiß, dass es keine leichte Angelegenheit sein wird für Abraham, dennoch soll er Hoffnung zu den Menschen bringen, denn Gott ist an seiner Seite. In einem neurhythmischen Lied wollen wir auch uns daran erinnern, dass wir als Christinnen und Christen dazu berufen sind, Segen zu sein, gerade dort, wo wir sind; dort wohin wir auch immer kommen. Wir singen es gemeinsamen: „So geht denn hinaus ins Leben der Welt, ihr wisst ja, ihr geht nicht allein. Dort, wo ihr seid, soll Friede sein, in Liebe lasst spüren mein Reich. // Ihr sollt ein Segen, sollt Güte, sollt Hoffnung sein für ein Leben in Fülle meine Zeugen sein, meine Hände, mein Mund sollt ihr sein.“ Ja, Gott hat mit mir etwas vor. Gott rechnet mit mir in Seiner Heilsgeschichte! Will ich, kann ich mich aber auf Gott einlassen? Auf Seine Verheißung? Auf Seine Zusage? Denken wir einmal darüber nach, was es mit uns macht, wenn jemand zu uns sagt: Du, ich brauche dich.“ Es geht um einen Vertrauensvorschuss. Es geht um die Wertschätzung unserer Person. Um wie viel mehr, wenn Gott uns braucht? Es ist schon irgendwie ein eigenartiges Geheimnis, dass Gott dich und mich braucht. Er hätte auch Seine ureigene Möglichkeit, um Menschen und diese Welt zu segnen. Er zieht es dennoch vor, dich und mich dafür zu brauchen, auf dich und mich zu zählen. „Ein Segen sollst du sein.“ Das sagte Gott zu Abraham. Das sagt Gott zu dir und zu mir. Allerdings, um wirklich Segen sein zu können, müssen wir schon gut lernen, Menschen des Aufbruchs zu sein. Wir müssen lernen, aus unseren Komfortzonen aus- und aufbrechen. Das hat Abraham müssen. Er kann uns diesbezüglich ein gutes Vorbild sein.

Aufbruch mit Momenten der Fülle im Herzen: Schwestern und Brüder! Um für andere Segen sein zu können, brauchen wir jedoch eine besondere Gotteserfahrung; eine innige Gottverbundenheit. Nur aus der Mitte dieser Ergriffenheit von Gottes Gegenwart wird es uns wunderbar gelingen, Segen zu sein. Gerade deshalb finde ich, dass wir in dieser Fastenzeit die berührende Erfahrung der drei Jünger auf dem Berg der Verklärung brauchen. Sie konnten den Glanz am Antlitz Jesu erleben. Sie waren von dieser Erfahrung überwältigt und entwickelten die tiefe Sehnsucht, mit Jesus länger auf dem Berg zu bleiben. Ich glaube, dass Petrus uns eine Grundorientierung gegeben hat, wie wir sinnvoll fasten können. „Herr, es ist gut, dass wir hier sind.“ Ja, Herr, es wird uns sehr gut tun, in dieser Fastenzeit Deine Gegenwart in unserem täglichen Leben zu erfahren. Diese Erfahrung ist dann für uns und für unsere Mitmenschen ein Segen. Um Segen sein zu können, brauchen wir aber auch die Gewissheit, die Paulus an Timotheus weitergegeben hat: „Er (Jesus) hat uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.“ Ich wünsche euch und mir, dass uns besonders in dieser Fastenzeit das Licht des Evangeliums, das Licht des unvergänglichen Lebens tief im Herzen aufleuchtet.

ERSTER FASTENSONNTAG (C): 22.02.2026

ERSTER FASTENSONNTAG (A): 2026-02-22

KERNBOTSCHAFT: Bei allen möglichen Versuchungen auf Gott vertrauen.

Menschsein im Zeichen der Versuchbarkeit: Mir ist beim Lesen aller drei Bibeltexte zum ersten Fastensonntag dieser Buchtitel von Paulo Coelho eingefallen: „Der Sieger bleibt allein.“ Gleich am Anfang schrieb er folgendes: „Seit ein paar Jahrzehnten sind in der Kultur, in der wir leben, Berühmtheit, Geld und Macht noch wichtiger als je zuvor. Viele von uns hat das glauben lassen, dies seien die einzigen wirklich wichtigen Werte, und wir haben dabei die anonymen Manipulatoren hinter den Kulissen übersehen.“ Viel später gehen seine Gedanken der Richtung der Inhalte unserer Schriftlesungen: „Die Menschen sind nie zufrieden. Haben sie wenig, wollen sie viel. Haben sie viel, wollen sie noch mehr. Haben sie das schließlich auch bekommen, wollen sie mit wenig glücklich sein, aber aufgeben wollen sie dafür auch nichts.“ Ein wesentlicher Aspekt unserer allgemeinen Versuchbarkeiten wird hier aufgegriffen. Im Buch Genesis hat diese Ur-Versuchbarkeit des Menschen einen besonderen Namen: Sein wollen wie Gott. Diese Haltung ist allerdings der Anfang einer großen Entfremdung. Sie betrifft unsere Beziehung zu Gott und es geht auch um unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen. Sein wollen wie Gott hat unterschiedliche Dimensionen in unserem Verhältnis zu anderen Menschen. Die Fastenzeit ist genau dazu da, dass wir unsere Existenz vor Gott und vor unseren Mitmenschen überprüfen.

Unsere Grundorientierung in der Fastenzeit: Der großen Gefahr vom Streben nach Berühmtheit, Geld, Macht und Sein-Wollen-Wie-Gott können wir in dieser Fastenzeit mit der Grundhaltung Jesu begegnen, wie der Apostel Paulus sie beschrieben hat. In seinem Brief an die Gemeinde von Philippi heißt es: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,6-8) Diese Selbstentäußerung hat aber auch einen anderen Namen: Gottverbundenheit. Die kann uns doch sehr gut tun gerade in dieser Fastenzeit. Ein wunderbarer Gedanken aus der zweiten Lesung würde uns noch mehr mit Gott und mit den Menschen, die es wollen, sehr verbinden: Daran zu denken, dass das Gute, das wir tun eine geistige Kraft in unserer Gesellschaft, ja, in unserer Welt hat. Es gibt die Faszination des Bösen, aber auch die Faszination des Guten. Lassen wir uns also in dieser Fastenzeit vom Guten, Schönen und Wahren anziehen!

ASCHERMITTWOCH: 18.02.2026

ASCHERMITTWOCH (A): 2026-02-18

KERNBOTSCHAFT: Freisein auf Gott hin, dazu dienen die 40 Tage der Fastenzeit.

Lernen von der urbiblische Tradition des Fastens: 40 Tage habe eine hervorgehobene Symbolkraft in der Bibel. 40 Jahre dauerte die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Was für eine Tortur und welche unbändige Hoffnung auf ein neues Leben! 40 Tage hatten sich Mose und Elija auf die Begegnung mit Jahwe vorbereitet, auf dem Berg Sinai bzw. auf dem Weg zum Horeb. Die Fastenzeit, die heute beginnt, ist auf die intensive Pflege der Beziehung zu Gott hin geordnet. Wir hören aus einem Kommentar zur „Regula Benedicti“ (Benedictus Regel): „Für Mose bedeuten diese vierzig Tage auf dem Sinai die unmittelbare Erfahrung der Gegenwart Jahwes, die ihn so durchdringt, dass sein Gesicht vom Glanz Gottes widerstrahlt.“ Über die Fastenzeit heißt es direkt aus der Regel: „Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit. Dazu aber haben nur wenige die Kraft. Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit n großer Lauterkeit auf unser Leben achten und alle gemeinsam in diesen heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen. Das geschieht dann in rechter Weise, wenn wir uns vor allen Fehlern hüten und uns um das Gebet unter Tränen, um die Lesung, die Reue des Herzens und um Verzicht mühen.“ (RB 49,1-4)

Die Botschaft dieser Fastenzeit im Buch Joel aus der Sicht des heiligen Benedikt: „Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen! Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum HERRN, eurem Gott!“ Ähnlich sagt es auch der Apostel Paulus: „Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2 Kor 5,20) Der heilige Benedikt fasst das alles im Zusammenhang mit den Erläuterungen Jesu im Evangelium mit folgenden Worten zusammen: „Gehen wir also in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes hinaus durch besonderes Gebet und durch Verzicht beim Essen und Trinken. So möge jeder über das ihm zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Willen in der Freude des Heiligen Geiste Gott etwas darbringen; er entziehe seinem Leib etwas an Speise, Trank und Schlag und verzichte auf Geschwätz und Albernheiten. Mit geistlicher Sehnsucht und Freude erwarte er das heilige Osterfest.“ (RB 49, 5-7) Was mit dieser „geistlichen Sehnsucht“ genau gemeint ist, erklärt uns Papst Leo in seiner Botschaft zur Fastenzeit 2026: „Die Fastenzeit ist die Zeit, in der die Kirche uns in mütterlicher Fürsorge einlädt, das Geheimnis Gottes wieder in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen, damit unser Glaube neuen Schwung erhält und unser Herz sich nicht in den Sorgen und Ablenkungen des Alltags verliert. Jeder Weg der Umkehr beginnt, wen wir uns vom Wort Gottes erreichen lassen und es mit fügsamem Geist annehmen. […] In diesem Jahr möchte ich zunächst darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, dem Wort durch das Zuhören Raum zu geben, denn die Bereitschaft zuzuhören ist das erste Anzeichen für den Wunsch, mit dem anderen in Beziehung zu treten.“ Ich finde, dass Papst Leo Recht hat: Fasten wir mit unseren Ohren, indem wir einander interessiert zuhören und auf Gott hinhören!

SECHSTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2026-02-15

KERNBOTSCHAFT: Die sinnvollen Entscheidungen, die wir in schicksalshaften Situationen treffen, machen unsere Würde als Menschen aus.

Christsein begnügt sich nicht mit der Durchschnittlichkeit: „So sind halt die Menschen.“ „So bin ich halt.“ „Das ist halt der Lauf unserer Welt.“ Schwestern und Brüder! Das sind oft Aussagen, hinter denen eine verschleierte Flucht vor der Verantwortung steckt. Wer an Gott glaubt, ja, wer Jesus nachfolgt, kann sich jedoch solche Mittelmäßigkeit, solche Durchschnittlichkeit der Einstellung nicht mehr leisten. Die Weisheit dieser Welt kann und darf uns als den Jüngerinnen und Jüngern Jesu Christi nicht ausreichen. Paulus legt einen Protest ein: „Nein, wir verkünden, wie es in der Schrift steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Was hat Gott uns aber bereitet? Das ist die Frage, die täglich auf den Lippen und in den Herzen aller auf den Namen Jesu Getauften stehen soll! Und wenn uns in manchen Lebenssituationen das Gefühl der Ohnmacht überkommt, würden uns sicherlich diese Worte des Apostels eine gute Orientierung gewähren: „Uns aber hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch di Tiefen Gottes.“ Nach Jesus gehört es zur Pflicht aller, die bereit sind ihm nachzufolgen, dass sie die Grenzen der Durchschnittlichkeit überschreiten müssen. Er mutet uns deshalb diese Fähigkeit zu, weil er weiß, dass Gottes Heiliger Geist in uns wohnt. Unumwunden heißt es: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ So rüttelt Jesus an unseren Lieblingsselbstverständlichkeiten. Die etablierten Überzeugungen werden – und sollen – in Frage gestellt werden. Das Fundament dessen, was unter uns allgemein als richtig oder gegeben angesehen wird, wird erschüttert. Was ist nun das Ziel dieser Erschütterung? Sie zwingt zum Nachdenken, zum Innehalten oder zur Neubewertung der Situation oder unseres Lebens. Jesus unternahm dieses Wachrütteln des Gewissens gerade in gesellschaftskritischen Zusammenhängen seiner Gesellschaft. Ihm lag sehr viel daran, zum Umdenken anzuregen.

Ein wunderbarer Übergang in die Fastenzeit: Ich glaube nicht nur daran, dass Jesus mit seinen klaren Worten die kommende Fastenzeit eingeläutet hat, sondern darüber hinaus, dass wir bereits in der ersten Lesung zum Vertrauen auf das gute Gelingen dieser beginnenden Fastenzeit eingeladen sind. Wir sollen uns das Bewusstsein bewahren und schärfen, dass Gott uns seine Wege kundgetan hat. „Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften.“ Die Freiheit und die Verantwortung liegen lediglich bei uns, ob wir sie einhalten wollen oder nicht. „Wenn du willst, wirst du die Gebote bewahren und die Treue, um wohlgefällig zu handeln. Er hat dir Feuer und Wasser vorgelegt, was immer du erstrebst, danach wirst du deine Hand ausstrecken.“ Was erstrebst Du?

FÜNFTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2026-02-08

FÜNFTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2026-02-08

KERNBOTSCHAFT: Die Würde der Christenmenschen und die Verantwortung für diese Welt.

„Bitte vor den Vorhang!“: Diese Redewendung hört ich zum ersten Mal als ich vor mehr als 20 Jahren eine zweitägige Tagung für das „Pro Mente“ Burgenland leitete. Der Präsident sprach mit diesem kurzen Satz zu mir am Ende des Seminars. Ich verwende heute in Bezug auf unsere drei Schriftlesungen das Grundanliegen der Tagung auf unsere katholische Kirche: „Sich neu positionieren“. Nun, was hat dieses wichtige Thema mit unserer Kirche zu tun? Zuerst will ich das oft vergessene Thema in unseren Blick rücken: die Dankbarkeit. Mitten in den schrumpfenden Zahlen der praktizierenden katholischen Christinnen und Christen in Österreich geht es nach meinem Dafürhalten um die ausschlaggebende Frage, wie sich denn neu positionieren in der immer mehr gleichgültig werdenden Gesellschaft. Ich hätte eine zweifache Strategie: auf der einen Seite ginge es um die Haltung der Dankbarkeit für die ungezählten Einsätze unserer Kirche für ebenfalls ungezählte Menschen in dieser Gesellschaft. Diese Haltung der Dankbarkeit von den Kirchenmitgliedern hängt aufs Engste mit der zweiten Strategie zusammen. Diese Strategie haben wir von Jesus höchstpersönlich erhalten. Es heißt im Matthäusevangelium: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,14-16) Also: Liebe katholische Kirche und liebes österreichisches Christentum „Bitte vor den Vorhang!“ Verstecke dich nicht (mehr), denn du bist schöner als du denkst! Du bist Salz im Hauptmenü dieser oft geschmacklosen Welt. Du bist das Licht mitten im Dunkel der destruktiven Strukturen der Sünde unserer Welt.

Christlicher Glaube ist eine Berufung: Schwestern und Brüder! Ich lade euch herzlich dazu ein, dass wir alle das Bewusstsein eines gesunden Stolzes entwickeln und leben. Ich glaube deshalb, dass wir als die Jüngerinnen und Jünger Jesu Christi und als Menschen, denen der Glaube an den Gott Jesu Christi sehr viel bedeutet, dass wir uns folgender Bringschulden gegenüber unserer Gesellschaft viel bewusster werden, als sonst: 1) „Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des HERRN folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der HERR dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich.“ 2) Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest, den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.“ 3) Euer Glaube soll sich nicht auf Menschenweisheit stützen, sondern auf die Kraft Gottes.“ 4) Noch einmal aus dem Evangelium: „Ihr seid das Salz der Erde.“ 5) „Ihr seid das Licht der Welt.“ Durch uns und in unseren Taten sollen die Menschen also eine neue Beziehung zu Gott aufbauen können. In unserem Leben soll sichtbar werden, dass Gott eine lebendige Wirklichkeit in dieser Welt ist.

FEST VON DER DARSTELLUNG DES HERRN(A): 2026-02-02

FEST VON DER DARSTELLUNG DES HERRN (A): 2026-02-02

KERNBOTSCHAFT: Die Heilsgeschichte entfaltet sich in der persönlichen Begegnung mit Gott durch Jesus Christus.

Die Sehnsucht bewahren: Wir werfen einen kurzen Blick auf den Ursprung dieses Festes von der „Darstellung des Herrn“. Es hilft uns sicherlich in unserem persönlichen Glauben zu wachsen. Es hängt zuerst mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten zusammen. In Erinnerung an dieses Heilshandelns Gottes war der Erstgeborene beim Volk Israel Eigentum Gottes. Darum wurde ihn Gott im Tempel übergeben, wobei das Kind wieder mit einem Geldopfer ausgelöst wurde. Am zweiten Ritus erkennen wir, wie groß die Einstellung war, die durch Jesus Wirklichkeit geworden war. Die Frau galt nämlich nach der Geburt eines Kindes als „unrein“ und dem Priester übergab man alsdann ein „Reinigungsopfer“ von einem Schaf oder einem Tauben. Nicht aber im Namen Jesu sollte eine Frau als „unrein“ betrachtet werden, weil sie ein Baby auf die Welt gebracht hat! Die dritte Bedeutung hängt mit der Bezeichnung dieses Festes im 5. Jahrhundert und geht auf eine Lichterprozession in Rom zurück. Diese sollte eine Art Protest gegen die heidnische Sühneprozession sein und sie auch bewusst verdrängen. Denn dieses Jesuskind ist das göttliche Licht, das alle Menschen erleuchtet. Seit den 60er-Jahren lehrt die Kirche, dass es um kein Marienfest geht, sondern dass das Leben Jesu im Mittelpunkt steht.

Die Begegnung mit Jesus schenkt Erfüllung: Schwestern und Brüder! Die zwei Betagten im Tempel, Simeon und Hanna, welche große Erfüllung den Menschen zufließen kann, wenn sie Jesus wirklich begegnen und ihn in ihrem Leben aufnehmen. Uns werden Frieden und Heil (Befreiung und Erlösung) zuteil, wenn wir Jesus tief in unserem Herzen begegnen. Unser Leben erhält eine neue Helligkeit, eine Erleuchtung. Das Leid (ein Schwert) wird nicht aus unserem Leben verschwinden, wir erlangen jedoch eine neue Durchsichtigkeit. Wie der Apostel Paulus geschrieben hat, wollen wir in der Stille, im Gebet und in einem Lobgesang diesem Jesus bewusst begegnen, dessen Geist in uns wohnt. Denn wir sind der Tempel Gottes. Wie wäre es also, wenn wir uns von diesen Worten des Apostels berühren lassen würden: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören. Denn Gottes Tempel ist heilige und der seid ihr.“ (1 Kor 3,16) Bemühen wir uns darum um die Offenheit für Jesus, damit er zu uns in unseren inneren Tempel kommen kann.

DRITTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2026-01-25

DRITTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2026-01-25

KERNBOTSCHAFT: Gottes Verheißung geht in Erfüllung für die Menschen, die bereit sind, sich Gott vorbehaltlos zuzuwenden.

Schritte in eine hoffnungsvolle Zukunft: Ist die Menschheit in der Ausweglosigkeit der Kriegsführung verfangen? Diese Frage geht den meisten Menschen durch den Kopf. Schon zur Zeit des Propheten Jesaja im 8. Jahrhundert vor Christus gab es verwüstende Erfahrungen eines Eroberungskrieges durch den assyrischen König Tiglatpileser. Falsche politische Bündnisse bleiben bis in unseren Tag hinein eine desaströse Angelegenheit. Die Folgen sind bis heute – in unserem 21. Jahrhundert – unvorstellbar: Zerstörungen, Verwüstungen, Hunger, Deportation bzw. Vertreibungen und Tod. Die Propheten waren die Menschen, die kein Blatt vor den Mund genommen hatten, um die verkehrten Wege anzuprangern und gleichzeitig zu neuen Lebenseinstellungen zu ermahnen. Denn wo Menschen und Nationen sich auf Gottes Gebote einlassen, dort ist ein friedliches Zusammenleben. Diese Hoffnung verkündete der Prophet Jesaja den Menschen seiner Zeit einen großen Mut gemacht. „In der Situation von Finsternis und Todesschatten ändert der Prophet die Tonlage.“ (TD, Januar 2026) Er vermittelt den Menschen ein hoffnungsvolles Bild, das bis in den Seelengrund geht: das Bild des Lichtes mitten im Todesschatten. In der Tat sagte der Prophet den Menschen, dass es nur dann echte Hoffnung für sie gäbe, würden sie zu Gott umkehren. Gelten auch diese Worte des Propheten für die Gemeinde Jesu von heute?

Umkehrprinzip in der Gemeinde Jesu Christi: Für den Apostel Paulus war auch seine Gemeinde von Korinth nicht wirklich auf dem richtigen Weg. Er war felsenfest davon überzeugt, dass seine Gemeinde der Umkehr bedurfte. Dazu ermahnte er die Gemeindemitglieder mit einigen Fragen, die zur Gewissenserforschung einluden: „Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“ Er sah deshalb seine Hauptsendung in der Verkündigung des Evangeliums zur Umkehr, „damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird“. Die Loyalitätskämpfe in seiner Gemeinde führten vom angebrochenen Himmelreich Gottes weg. Darum forderte Jesus seine Zuhörerinnen und Zuhörer zur Umkehr auf. Sie sollen sehr sensibel werden für das neue Leben aus der Kraft des Himmelreiches Gottes, das mitten unter ihnen ist. Es gehört zum Wesen dieser Sensibilität, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu erkennen, wo Menschen mitten unter ihnen der Heilung bedürfen. Dazu ist die persönliche Umkehr jedoch unverzichtbar! Jesus berief die Zwölf Apostel, die ihm bei der Verbreitung dieser Botschaft vom Reich Gottes helfen sollen. Sie sollen die Menschen unentwegt und unermüdlich dazu einladen, zu Gott umzukehren, damit sie das angebrochene Himmelreich Gottes unter ihnen erkennen und aufnehmen können. Ohne Umkehr ist das Christentum also nicht lebbar. Die Umkehr ist die Kraft zur Erneuerung für den einzelnen Menschen sowie auch für die gesamte Kirche.

ZWEITER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2026-01.18

ZWEITER SONNTAG IM JAHRESKREIS (A): 2026-01-18

KERNBOTSCHAFT: Wer auf Jesus, das „Lamm Gottes“, schaut, erkennt sein Lebensziel und seine Sendung inmitten dieser Welt.

Von Romantik und Herrlichkeit der Krippe in die Welt voller Entfremdung hinein: In vielen Kirchen, in denen es die Statue von Johannes dem Täufer gibt, steht er nie allein. Mit einem Finger zeigt er auf Jesus in seiner unmittelbaren Nähe. Der Täufer will uns sagen, dass es ernst ist mit diesem Jesus. Der Name, den der Engel seiner Mutter bei der Verkündigung genannt hat, ist seine von Gott gewollte Sendung in dieser dunklen Welt: „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“. Genau das ruft uns Johannes der Täufer ins Gedächtnis: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ Der Bogen wird aufgespannt zwischen den festlichen, den romantisch festlichen Glaubensgeheimnissen der Weihnachtstage zu den kommenden Festkreisen mit Passions- und Osterzeit. Weihnachten und Ostern gehören zusammen! Die große Zielsetzung des verwundbaren Kindes in der Krippe ist die Erlösung der Menschheit, und zwar von ihren Sünden. Papst Johannes Paul II hatte die Sünde als das zentrale Problem der Menschheitsfamilie gut erkannt und deshalb unermüdlich von den „Strukturen der Sünde“ gesprochen. „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ Welche Botschaft gibt es für uns, die wir heute Jesus nachfolgen?

In unserem Jawort zu Jesus, dem Knecht Gottes, soll die Herrlichkeit Gottes mitten in dieser Welt aufleuchten: Johannes zeigt uns vor, wie wir in einer Welt voller Spekulationen und Verwirrungen ganz konkret und alternativlos unsere christliche Zeugenschaft und unseren Auftrag erfüllen können. In Wort und Tat unmissverständlich und unzweideutig für alle Suchenden und Verzweifelten auf den einen und wahren Herrn zu verweisen: „Schaut auf Jesus Christus, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt!“ Christinnen und Christen werden es erst dann wie Johannes tun können, wenn sie wirklich Jesus Christus begegnet sind und ihn als ihren Erlöser erkannt haben. „In ihrem (in unserem!) Handeln sollte etwas von der Heiligkeit Gottes in dieser dunklen Welt aufleuchten“ (TD, Jänner 2026). Denn christliche Heiligkeit, wie Paulus sie verstanden hat, hängt mit der engen Verbindung zu Gott in Jesus Christus zusammen. Dieser Satz aus der ersten Lesung soll darum unser christliches Bewusstsein prägen und stärken: „Ich mache dich zum Licht der Nationen, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“ Ist dies zu viel verlangt? Ich glaube nicht! Denn als Christinnen und Christen darf uns niemals gleichgültig sein, was sich in unserer Einen Welt abspielt. Dem Menschen Jesus haben wir uns in seiner ganzen Menschlichkeit für alle ganz nahe verbunden zu fühlen. Was uns in unserer eigenen Verlorenheit hoffen lässt, ist seine Göttlichkeit. Das Lamm Gottes rechnet uns unsere Sünden nicht nach, sondern nimmt sie hinweg. Das ist christliche Erlösung.

FEST VON DER TAUFE DES HERRN (A): 2026-01-11

FEST VON DER TAUFE DES HERRN (A): 2026-01-11

KERNBOTSCHAFT: Dass wir echte Freude am Bewusstsein unserer zweifachen Identität als Christinnen und Christen.

Unglaubliche reiche Erbschaft der Christinnen und Christen mitten in dieser Welt: Wenn wir keine Vogelstraußpolitik betreiben würden, müssten wir uns eingestehen, dass rundherum in unserer Welt das starke Gefühl der Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit um sich greift. Wir dürfen uns aber auch nichts vormachen, denn kein Land ist ausgenommen. Allein auf das Ausmaß kommt es an. Wenn wir auf das Handeln der Menschen schauen, dann haben wir wirklich allen Grund zu verzweifeln. Es gibt eine weitverbreitete Identitätskrise: in der Kirche, in der Gesellschaft und in uns selbst. Wir sind allerdings heute nicht versammelt in dieser Kirche zum Fest von der Taufe des Herrn, um ein Jammerfest zu begehen. Weit davon entfernt! „Man kann den Glauben an die Menschheit verlieren. Den Glauben an den in Jesus Mensch gewordenen Gott sollte man nie verlieren.“ (TD, Jänner 2026) Wenn viele Menschen sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass es für diese Welt keine Rettung mehr gibt, so darf ich laut und deutlich behaupten, dass der Hauptgrund darin liegt, weil in den Herzen vieler Menschen kein richtiger Platz mehr ist für den Gott Jesu Christi. Gerade hier liegt aber unsere christliche Berufung – individuell und als Kirchenmenschen. Denn das heutige Fest ist ein Fest unbändiger wirksamer Hoffnung. „Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich zum Bund mit dem Volk, zum Licht der Nationen.“ So hörten wir es in der ersten Lesung. Eine von Gott geschenkte Identität ist wirksam und heilsam!

Lebenserneuerung und Weltveränderung beginnen mit der Wahrnehmung wahrer christlicher Identität: „Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Stellen wir uns das einmal vor, was diese Aussage mit uns machen würde, würden wir sie (beständig) auf uns beziehen! Die unermüdlichen und angstfreien Christinnen und Christen sind jene, die sich ihrer wahren Identität in Jesus Christus vergewissern. Es wäre doch ein wunderbarer Meditationsansatz, diese Kurzformel anzuwenden: „Ich bin ein Kind Gottes durch Jesus Christus.“ Darum schließe ich mit folgenden Worten des Apostels Paulus an seine Gemeinde von Ephesus ab: „Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.“ (Eph 1,17-19) Das wünsche ich euch zum Fest von der Taufe des Herrn!

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