SIEBTER SONNTAG IM JAHRESKREIS (C): 2019-02-24
Messfeier im Kloster der Benediktinerinnen der Anbetung
KERNBOTSCHAFT: Jesus, der Sohn Gottes und Menschenfreund sieht den Menschen aus der Perspektive Gottes und führt jeden Menschen zum Bewusstsein seiner wahren Größe.
Grenzerfahrung in der Bibel: Überfordert uns Menschen nicht die Botschaft der Bibel? Können wir den Forderungen Gottes überhaupt entsprechen? Drängt uns das Wort Gottes nicht oft bis an den Rand unserer menschlichen Möglichkeit? Dieses Gefühl habe ich immer noch jedes Mal, wenn ich diese Passage im Lukasevangelium höre und lese. Mitten in diesem Gefühl der Grenzerfahrung tauchen andere Fragen bei mir auf: Woran können wir die wahre Größe eines Menschen merken? Wie können Menschen zum Segen für ihre Gesellschaft werden? Worin lässt die Würde des Menschen [neu] definieren? Alle diese Fragen meinen uns als Christinnen und Christen. Darum ist auch die Frage berechtigt: Worin unterscheiden sich die Christinnen und Christen von allen anderen Menschen?
Auf die Haltung kommt es an: Immer wieder staune ich über das Verhalten von David und es berührt mich tief in meinem Seelengrund. Der König Saul war entschlossen, David aus Angst vor Machtverlust und aus Eifersucht zu töten. Er verfolgte ihn überall und machte ihn zu einem Flüchtling. Abischai, der mit David auf der Flucht war, erkannte die Gunst der Stunde, die David nachhaltig Ruhe verschafft hätte: „Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert.“ David dachte und handelte allerdings anders aus einer tieferen Einsicht: „Bring ihn nicht um! Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhoben und ist ungestraft geblieben?“ Seine innere Haltung ist sein Gottvertrauen: „Der HERR wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.“ Davon ist Jesus im Evangelium überzeugt. Zu diesem Vertrauen lädt er seine Jüngerinnen und Jünger ein. Gewalt erzeugt in der Regel immer mehr Gewalt. Jesus fordert die Menschen in seiner Jüngerschaft keineswegs dazu auf, sich der Gewalt blindlings auszuliefern. Aber er fordert sie dazu auf, die Gewaltkette mit der inneren Waffen der Gotteskraft zu brechen. Wie soll das denn gelingen?
Auf die höhere Bewusstseinsebene im Leben kommt es an: Es war sicherlich nicht immer leicht mit solchen Konfliktsituationen in der Urkirche. Der Apostel Paulus musste sich des Öfteren den bewegten Fragen seiner Gemeinden stellen. In allen schwierigen Situationen lebte er selbst von der unbesiegbaren Macht des Lebens Jesu Christi, die ihm zuteil geworden war. Das drückte er in diesem schönen Bild in unserer zweiten Lesung aus: „Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.“ Bei allem, was wir tun, sollen wir also an das Himmlische in uns glauben. Dieses Bewusstsein macht den großen Unterschied! Für Jesus hat dieses Bewusstsein ein großes Ziel. Es geht um eine gottähnliche Vollkommenheit: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Und es geht um die Lebensfülle: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.“ Wir sind für Größeres geschaffen – in Christus! Dabei ist Gottes Gnade unsere Kraft.