LITURGIE ZUM KARFREITAG (A): 2026-04.03

LITURGIE ZUM KARFREITAG (A): 2026-04-03

KERNBOTSCHAFT: Alle Sinnlosigkeitserfahrungen unter den Menschen finden im Kreuz Jesu die Antwort Gottes.

Umgang mit menschlichem Leid: Ich habe es mir erlaubt, mit euch meine gefühlte Ohnmacht, meine Verzweiflung und meine Wut zu teilen. Es ist mir aber auch sehr wichtig, mit euch meine christliche Hoffnung zu teilen. Eine wiederkehrende Frage bei mir in den letzten Monaten und Jahren ist: Wie viel Schmerz, Scheitern, Gehässigkeit, Leid und Tod braucht und erträgt noch unsere gemeinsame Welt? Das heißt, wenn wir überhaupt daran glauben, dass sie unsere gemeinsame Welt ist. Der deutsche Arzt, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Joachim Bauer hat einem seiner vielen Bücher den aussagekräftigen Titel gegeben: „Schmerzgrenze“. Wo sind denn wirklich die Schmerzgrenzen bei den Menschen dieser Welt? Genauso hochinteressant ist ein weiterer Titel seines Buches: „Fühlen, was die Welt fühlt“. Ich fühle, was die Welt fühlt und kann nicht anders! Ohne die Bedeutung der Empathie ist das Überleben der Menschheit schwer vorstellbar! Unserer Schmerzgrenze und der von Millionen Menschen müssen wir das Geheimnis des Kreuzes entgegenhalten.

Der Gott am Kreuz, hinter dem Kreuz und über dem Kreuz: Ich möchte uns die originelle Theologie des Kreuzes bei Paulus in Erinnerung rufen: „Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.“ (1 Kor 1,21-25) Mit meinen Schmerzgrenzen und mit Euren können wir von Paulus das erlösende Geheimnis des Kreuzes erkennen und im ihm Lebenskraft schöpfen. Hören wir folgende Worte des Apostels: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.“ (2 Kor 4,7-11) Und mitten in diesen Zumutungen ist es Jesus selber, der uns eine unverlierbare und geheimnisvolle Kraft zugemutet hat: „Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ (Joh 12,32) Liebe Schwestern und Brüder! In allen unseren unterschiedlichsten „Schmerzgrenzen“ mögen wir die persönliche Beziehung zu Jesus, dem Gekreuzigten, nicht verlieren. Es klingt wohl nach einem Testament von mir.

(NFM)

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