„Wir leben Barmherzigkeit“ ©

Am Fuße des Schlosses Wilhelminenberg leben seit Jahrzehnten die Benediktinerinnen der Anbetung. In ihrer „Sozialpädagogischen Einrichtung“ betreuen sie Kinder und Jugendliche.
Seit vielen Jahren gibt es auch immer wieder ein Miteinander von Kloster, Sozialpäd. Betrreungseinrichtung und Pfarre.
Hier ein Lokalaugenschein vor Ort.

Ein kalter Februartag liegt über der Stadt. In der verglasten Außenfassade des Klosters der Benediktinerinnen der Anbetung in der Liebhartstalstraße im 16. Bezirk spiegelt sich die untergehende Sonne. Über einen kleinen gepflegten Vorgarten gelangt der Besucher zur Klosterpforte. Schwester Nathanaela öffnet das Eingangstor. Seit 2008 Jahren wohnt die gebürtige Steirerin im Liebhartstal. Erst im vergangenen Mai band sie sich für immer an die Gemeinschaft. Sie gehört mit 28 Jahren zu den jüngeren im 21 Ordensschwestern zählenden im Konvent.
„Wir sind jetzt dort, wo früher die Kapelle war“, sagt Schwester Nathanaela voller Stolz und nippt an einer Tasse Tee. In den vergangenen Jahren wurde die Klosteranlage aufwendig renoviert, die neue Kapelle eingeweiht.

Vielen älteren Bezirksbewohnern sind die Benediktinerinnen als Schwestern in guter Erinnerung. Damals wie heute betreuen und begleiten sie in der „Sozialpädagogischen Einrichtung St. Benedikt“ Kinder und Jugendliche. 25 leben derzeit hier. Sie sind zwischen fünf und 15 Jahre alt und könnten aus ihrem jungen Leben viel erzählen. Die einen kommen etwa aus zerrütteten Familien, erlebten dort oft Missbrauch und Gewalt; die anderen wurden sozial stark vernachlässigt. „Jedes Kind hat eine eigene Geschichte“, erzählt Schwester Nathanaela. Diese Erlebnisse verzögern ihre soziale und persönliche Entwicklung. Sie leben in drei Wohngruppen, die biblische Namen tragen: Bethanien, Emmaus und Nazareth. Das Haus sei spezialisiert auf Kinder mit Behinderung, so die Schwester.

Die Wohngemeinschaft ist vom Kloster räumlich wie organisatorisch getrennt. Lediglich die Küche kocht für beide.

Wärme und Liebe geben
In der Früh bringen die Betreuerinnen ihre Schützlinge in die Kindergärten, Integrationsschulklassen in oder Werkstätten. Zurück in der Einrichtung essen die Kinder und Jugendlichen Mittag. Am Nachmittag machen sie ihre Schulaufgaben. Danach wird gespielt, oft im Garten. Gerne schlüpfen sie bei Rollenspielen in verschiedene Charaktere, schmunzelt Schwester Nathanaela. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich wohlfühlen, die Gemeinschaft in der Gruppe erleben. Ausflüge - etwa in den nahen Wienerwald oder in ein Schwimmbad - sollen diese Zusammengehörigkeit fördern.

Schwester Nathanaela arbeitet als Sozialpädagogin in den Familiengruppen. Sie erzählt von ihren Früh-, Tages- und Nachtdiensten in den Wohngruppen. Diese Aufgaben fordern sie heraus. Einen Ausgleich finde sie im Gebet und in der Gemeinschaft.
Den Mitarbeiterinnen wird viel abverlangt: Sie ersetzen den Kleinen die Familie, geben ihnen emotionale Nähe und Wärme, fördern sie aber auch und bereiten sie auf ihr späteres Leben vor. „Es ist schön zu sehen, wie sich die Kinder und Jugendlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten entwickeln“, freut sie sich Schwester Nathanaela. Das motiviere sie. Ihr Gesicht strahlt. Sie deutet dabei auf jenes zweistöckige Ensemble, in denen die Kinder und Jugendliche mit ihren Betreuern wohnen. Die drei Wohnungen bestehen je aus Schlaf- und Wohnräumen, Küchen sowie Sanitärbereichen. Riesige Schlafsäle gibt es schon lange nicht mehr.

Barmherzigkeit bedeutet für Schwester Nathanaela, die Fehler und Schwächen anderer ertragen zu können, aber auch von anderen „akzeptiert und durchgetragen“ zu werden. Das tue gut, meint sie. Barmherzigkeit lebe sie nicht nur in der Klostergemeinschaft, sondern auch gegenüber den ihr anvertrauten Kindern und Jugendlichen. „Ich bin sehr dankbar, hier zu sein und hier wirken zu können“, so Schwester Nathanaela.

Autor: Christopher Erben

Bildrechte jeweils: Kloster der Benediktinerinnen, 1160 Wien

 

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(red)

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